Die Sprachstämme
 

Ein Sprachstamm (oder Sprachfamilie) ist eine gemeinsame Ursprache, auf die eine Gruppe von Sprachen mittels seriöser linguistischer Forschung zurückgeführt werden kann. Man unterscheidet derzeit -die Forschung ist noch im Fluss- folgende Sprachstämme, hinter denen jeweils einige ihrer Vertreter aufgeführt sind. Mit einem * gezeichnete Sprachen sind ausgestorben.

  • Hamito-Semitisch: darunter Althebräisch*, Neuhebräisch, Aramäisch*, Amoritisch*, Kanaanäisch*, Punisch*, Ammonitisch*, Edomitisch*, Philistäisch*, Akkadisch*, Arabisch, Äthiopisch, Ägyptisch*, Koptisch
  • Indogermanisch: Griechisch, Italisch (Lateinisch*, Oskisch*, Umbrisch*), Romanisch (Portugiesisch, Spanisch, Katalanisch, Provenzalisch, Italienisch, Rätoromanisch, Rumänisch, Sardisch), Germanisch (Isländisch, Schwedisch, Norwegisch, Dänisch, Englisch, Friesisch, Niederländisch, Afrikaans, Deutsch), Keltisch (Gälisch, Schottisch, Bretonisch u.a.), Slawisch
  • *Sumerisch
  • Baskisch
  • Uralisch-Altaisch: Ungarisch, Estnisch, Finnisch, Türkisch, Tatarisch, Kasachisch, Burjatisch
  • Sino-Tibetisch: Tibetisch, chinesische Dialekte
  • Kam-Tai: Thai-Sprachen
  • Koreanisch
  • Japanisch
  • Mandschu-Tungusisch
  • Paläo-Asiatisch: Inuits(Eskimo)-Sprachen
  • Drawida-Sprachen: Tamil, Malayalam
  • Niger-Kordofanisch: Kisuaheli, Herero, Zulu, Xhosa, Ewe, Ibo, Bambara
  • Khosianisch: Buschmännisch, Hottentottisch
  • Austrisch: Khmer, Indonesisch, Javanisch, Madagassisch, Mikronesisch, Polynesisch
  • Indianersprachen: Nordamerikanische, Mittelamerikanische, Südamerikanische.

    Sprachstämme A 1      

Oben: Die Verteilung der wichtigsten Sprachstämme vor der Befriedung, Kolonisierung und Zivilisierung durch das christliche Europa. Leider verfehlten selbst katholische Weltmächte wie die Erstgeborene Tochter der Kirche Frankreich ihren Auftrag zur Christianisierung der Welt. Nicht nur dass sie  Masern von Europa nach Zentralamerika und Syphilis von Zentralamerika nach Europa brachten, sondern sie verbreiteten einseitig in der Welt Ausbeutung, Versklavung und entsetzliches Leid.(Die Unterschiede in den Bezeichnungen gegenüber der Tabelle ergeben sich aus einer (noch) nicht einheitlichen Bezeichnung der Sprachstämme)

Neben Hamito-Semitisch und Indogermanisch ist Sino-Tibetisch der dritte und einzige weitere  Sprachstamm, der über Jahrtausende verfolgt werden kann. Die linguistische Einteilung der Indianersprachen Amerikas ist noch nicht abgeschlossen und erfolgt daher bisher nach geographischen Gesichtspunkten. Es mag den Europäer überraschen, dass Japanisch und Chinesisch trotz der auf uns ähnlich wirkenden Schreibweise nicht näher miteinander verwandt sind als Deutsch und Hebräisch. Bezüglich „Austrisch“ ist ebenfalls noch nicht das letzte Wort gesprochen; in den ostasiatischen und pazifischen Inselwelten gibt es eine Fülle von Sprachen, die oft nur auf eine oder wenige Inseln beschränkt sind und entsprechend wenig erforscht sind. Sie sind heute auch vom Aussterben bedroht. Man kann recht gut die etwa 6000 bekannten Sprachen maximal einigen Dutzend Sprachstämme bzw. Ursprachen zuordnen. Einige Probleme bezüglich der Sprachstämme lassen  sich vielleicht besser lösen bei Annahme von zwei oder drei Ursprachen an der „Wurzel“ eines Sprachstammes, z.B. dass es zwei verschiedene „Indogermanisch“  gegeben habe, von denen die indogermanischen Sprachen abstammen.

Schwierig dagegen wird es, gemeinsame Wurzeln verschiedener Sprachstämme zu finden. Bis heute existieren in der wissenschaftlichen Linguistik keinerlei auch nur ansatzweise plausiblen Entwürfe für solche „Supersprachstämme“, die alle oder wenigstens einige Sprachstämme auf eine gemeinsame Ursprache zurückführen. Die allgemeine Ansicht geht vielmehr dahin, dass dies grundsätzlich unmöglich sei. Diese für das weitere fundamentale Aussage kann  hier nicht in der erforderlichen Breite belegt werden, außerdem ist eine „Negativaussage“ der Form „es gibt keine“ sowieso erheblich schwieriger zu beweisen – wer kann schon behaupten, alle Linguisten und alle Bibliotheken der Welt konsultiert zu haben?

Jedenfalls findet sich in der üblicherweise an Universitäten und Instituten betriebenen Linguistik die dargelegte Behauptung: hinter die Sprachstämme kommen wir nicht zurück. Das liegt methodisch zunächst einmal schlicht daran, dass wir bereits die Ursprachen der einzelnen Sprachstämme nicht rekonstruieren können. Es wäre bereits unmöglich, das Lateinische durch Vergleich und Analyse der romanischen Sprachen zu erschließen, und noch mehr ist es unmöglich, von den ältesten bekannten indogermanischen Sprachen das Indogermanische zu rekonstruieren. Man kann eine Vorstellung gewinnen von dessen grammatischem Reichtum und auch von dem ursprünglichen Wortschatz und Kulturstand, aber weder ein Wörterbuch noch eine Grammatik des Indogermanischen schreiben, obwohl es in über 150 Jahren linguistischer Arbeit nicht an derartigen Versuchen gefehlt hat. Vielmehr hat man eher gelernt, sich zu bescheiden; es hat Fälle gegeben, in denen man etwa einen älteren Dialekt des Hebräischen aus bekannten jüngeren Formen rekonstruiert gehabt zu haben meinte. Dann tauchten durch archäologische Funde Textdokumente dieses Dialektes auf, die zeigten, dass man in die Irre gegangen war.

Eine Rekonstruktion einer Ursprache, die etwa Hamito-Semitisch und Indogermanisch zugrunde liegt, wäre eine Rekonstruktion „zweiter Ordnung“ und entsprechend methodisch nicht mehr mit nennenswerter Sicherheit durchführbar: Von einem spekulativ aus Sanskrit, Altgriechisch, Frühlatein etc. „erschlossenem“ „Indogermanisch“ und einem ebenso spekulativ aus Altägyptisch, Althebräisch u.a. erschlossenen Hamito-Semitisch soll durch weitere Spekulation eine gemeinsame Ursprache erstellt werden, die man etwas voreilig schon mit „Nostratisch“ benannt hat – das ist nicht mehr möglich.
Es geistern zwar durch die populärwissenschaftliche Literatur derartige Behauptungen, aber seriöse Wissenschaft ist das nicht; vielmehr steht hier der Wunsch bzw. die Grundüberzeugung „es muss ja diese Ursprache gegeben haben, da wir durch Evolution entstanden sind“ Pate bei diesen Versuchen. Und selbst die in der populären Literatur genannten Ursprungsprachen verschiedener Sprachstämme umfassen nicht alle, sondern nur maximal etwa ein Dutzend Sprachstämme. Hier werden einzelne Beispiele grammatischer Strukturen in nicht-indogermanischen Sprachen vorgestellt; der Leser mag daran eine Vorstellung entwickeln von der Schwierigkeit, hierfür eine gemeinsame Ursprache zu finden. Wissenschaft ist weder Magie noch Mysterienkult sondern befasst sich mit dem, was der geschulte, systematisch vorgehende gesunde Menschenverstand herauszufinden und einzusehen vermag – mehr nicht.

In populären evolutionistischen Publikationen zur Entstehung der Sprache wird dieser Sachverhalt übrigens im allgemeinen schließlich doch zugegeben, jedenfalls in denen, die zur Erstellung dieses Abschnittes unserer Website herangezogen wurden. Allerdings wird er meistens verharmlost und heruntergespielt, die Argumentationsstruktur ist im wesentlichen dies: wir wüssten zwar heute noch nichts genaues, aber vielleicht sei es so und so gewesen (dann folgen einige völlig unzureichende Erklärungen, die zwar der fachlichen Diskussion entnommen sind, aber höchstens Teilaspekte behandeln) und nach einem Appell an das optimistische Vertrauen in die stürmisch fortschreitende Entwicklung von Technik und Wissenschaft wird mit Verweis auf die ja absolut bewiesene Evolutionstheorie suggeriert, dass die Herkunft der menschlichen Sprache so nahe vor der Klärung stände, dass sie eigentlich schon geklärt sei und in jedem Falle klärbar sei.  Und der Leser merkt meist nicht, wie er manipuliert wurde. Ein Beispiel  unten (aus demselben Buch wie am Seitenende).

Kuckenburg Sprachstämme A 1
Kuckenburg Sprachstämme B 1

Neben dem sicherlich atemberaubenden Fortschritt von Wissenschaft und Technik gibt es genügend Bereiche etwa in der Physik, wo es nicht nur keinen Fortschritt gibt, sondern wo ein solcher Fortschritt offenbar grundsätzlich nicht zu erwarten ist. So ist es nach bisherigem Kenntnisstand nicht zu erwarten, dass jemals die Lichtgeschwindigkeit bei der Informationsübertragung oder Massenbewegung überschritten werden wird.  Im Bereich der Biologie ist eine solche Grenze das uns offenbar „eingebaute“ maximal mögliche Alter von etwa 120 Jahren: Wir  wissen mittlerweile auch in gewissen Umrissen, woran das liegt (neben nur unvollständig reparierten Abnutzungsprozessen aller Art ist offenbar die Anzahl der möglichen Teilungen einer Körperzelle begrenzt; deren Marker als „Telomere“ bezeichnete Endstrukturen der Chromosomen sind, die mit jeder Teilung kürzer werden) und erkennen zugleich, dass wir das wohl niemals werden biomedizinisch beeinflussen können. Und genauso unmöglich scheint die Konstruktion von Ursprachen über die Sprachstämme hinaus zu sein.

Neben dem bereits gesagten ist ein weiterer Grund, weswegen die Rekonstruktion ausgestorbener Sprachstammsprachen oder gar Ursprachen mehrerer Sprachstämme die mit dem Sprachalter zunehmende Komplexität: je weiter man in die Geschichte einer Sprache zurückschaut, desto komplexere insbesondere grammatische Strukturen findet man, und umgekehrt: alle bekannten Sprachen verlieren mit der Zeit an grammatischer Komplexität (siehe dazu unten mehr). Es lässt sich postulieren, dass ein Teil dieser Komplexität der „Ursprachen“ uns grundsätzlich nicht mehr erreichbar ist, da davon keine Spuren mehr vorhanden sind und daher Sprachrekonstruktionen, die ja von den überlieferten, durch diesen Verlust gekennzeichneten späteren Sprachen ausgehen müssen, hier grundsätzlich begrenzt sind.

Sprachstämme B 1
Kuckenburg Indogermanisch A 2
Kuckenburg A 1

Der obige evolutionistische Autor über das Indogermanische (2003).

Kuckenburg Indogermanisch B 1
Kuckenburg Indogermanisch C 1