Diskriminierung Andersdenkender:
Der Fall von
Prof. Dr. Michael Reiss

Prof. Dr. Michael Reiss ist Professor für Biologie und zugleich ordinierter Geistlicher der Anglikanischen Kirche. Bis zum 16. 9. 2008 war Prof. Reiss zusätzlich “Director of Education” (zu Deutsch etwa “Leiter der Abteilung für Wissenschaftsunterricht”) in der 350- Jahre alten Königlich Britischen Akademie der Wissenschaften http://royalsociety.org zusätzlich zu seiner Professur am Institut für Fachdidaktik der Universität London. Prof. Dr. Reiss ist alles andere als ein Evolutionskritiker - er hat immer wieder klargemacht, dass für ihn jede  Form von Kreationismus oder Intelligent Design IdeoloIgie oder, wie er es meist höflicher formuliert, eine “Weltanschauung” und keine Wissenschaft sind, ebenso wie  die Anglikanische Hochkirche, deren Geistlicher er “nebenberuflich” ist, schon oft ihre anfängliche Opposition zu Darwins Evolutionstheorie bedauert hat.

Leider hat er bei dem jährlichen Treffen der British Association for the Advancement of Science am 11. 9.2008 einen Vortrag mit dem provokativen Titel “Should creationism be a part of the science curriculum” (sinngemäß: “Sollte Kreatinismus Teil des schulischen Naturwissenschaftsunterrichtes sein”) gehalten. Er sprach sich in diesem Vortrag in keiner Weise dafür aus, vielmehr behandelte er die Frage, auf welche Weise ein Lehrer kreationistische Gedanken, die von Schülern eventuell vorgebracht werden, widerlegen sollte, und dass auf diese Weise die Schüler einer Menge darüber lernen würden, wie -aus evolutionistischer Sicht- echte Wissenschaft funktioniert. Die online-Version seines Vortrages ist im nachfolgenden Link verfügbar; es ist ein häufiges Stilmittel, als Titel die zu widerlegende Gegenthese zu wählen:

http://www1.the-ba.net/bafos/press/showtalk2.asp?TalkID=301  (19.10.2008)

Zunächst geschah nichts, schon gar nicht im Konferenzsaal (etwa eine stürmische Meuterei der Anwesenden gegen einen sich “outendenden” Evolutionskritiker). Leider bekamen die atheistischen Massenmedien Wind von der Sache, und verdrehten mit Schlagzeilen wie “Call for creationism in the classroom” (“Ruf nach Kreatinismus im Klassenzimmer”, Financial Times) oder “Children should be taught about creatinionism” (“Kinder sollten in Kreatinismus unterrichtet werden”, Daily Mail) den Inhalt des Vortrages dahin, Reiss habe gefordert, in britischen Schulen “Kreationismus” zu lehren. Dieser Vorwurf war sachlich völlig unberechtigt und zunächst stellte sich die Königlich Britische Akademie der Wissenschaften auch hinter ihren Mann.

Prof. Reiss liefert aber leider noch eine zweite “Angriffsfläche”: Seine Nebentätigkeit als ordinierter Geistlicher der Kirche von England.Prominente Mitglieder der Akademie, darunter mehrere Nobelpreisträger, sahen darin und in dem Echo der Massenmedien einen hinreichenden Grund, brieflich seine Entfernung von seiner Schlüsselposition zu fordern - einfach, weil Religion in der Wissenschaft nichts zu suchen habe, mag sie sich auch so “evolutionistisch” geben, wie sie will. Am 16. 9. wurde Reiss mit augenblicklicher Wirkung von seiner Aufgabe entbunden, mit der Begründung, seine Äußerungen “were open to misinterpretation. While it was not his intention, this has led to damage to the Society’s reputation” (“wären offen für Fehlinterpretrationen. Obgleich es nicht seine Absicht war, hat dies dem Ansehen der Akademie Schaden zugefügt”). Offenbar haben sich die Einstellungen der Royal Society seit Newton, der eines ihrer wichtigsten und gefeiertsten Mitglieder war, geändert: Newton bekannte sich lebenslang als Christ, Kreationist und berechnete sogar physikalisch das Erdalter auf etwa 6000 Jahre.

Hier wurde ein theistischer Evolutionist wegen Schlichtweg falscher, in den Medien hochgespielter Äußerungen in seiner beruflichen Laufbahn schwer beschädigt. Vielleicht verstehen Sie, warum wir auf dieser Webseite gelegentlich - vor allem bei jüngeren, beruflich noch nicht etablierten katholischen evolutionskritischen Naturwissenschaftlern - Wert auf Anonymität legen.

                                                                                                                                                              
Quelle: Nach Science 321, S. 1752 (26. 9. 2008)

Der Fall Prof. Dr. Michael Reiss ist kein Einzelfall - der Film “Expelled” berichtet über ein Dutzend ähnliche Fälle

Expelled A 4

Das ist leider kein Einzelfall. Der Film “Expelled”, im April 2008 in Amerikas Kinos gelangt und jetzt auch auf Deutsch verfügbar - oder zumindest in einige von ihnen - gibt fast ein Dutzend aktuelle Beispiele von Wissenschaftlern, denen in Wissenschaftsorganisationen entweder eine feste Anstellung verweigert oder die sogar entlassen wurden ... aus dem einzigen Grunde, dass sie sich, überwiegend innerhalb ihres privaten Rahmens (also nicht beruflich etwa an der Universität)  für “Intelligent Design” in der einen oder anderen Form ausgesprochen haben. Intelligent Design meint die Überzeugung, dass Leben zu kompliziert und raffiniert ist, um zufällig durch den blinden Mechanismus von Evolution und anschließender Selektion über viele kleine Schritte entstanden sein zu können. Und mehr nicht.
Die “gefeuerten” Wissenschaftler vertreten unterschiedliche Ansichten über diesen Designer - Gott - , sind nicht das, was die Massenmedien als Feindbild “biblische Fundamentalisten” an die Wand malen (manche sagen auch gar nichts über ihn). Sie sagen nur, die Evolutionstheorie solle wieder an den Diskussionstisch, statt wie ein modernes weltliches “Dogma” mit einer quasi-”Inquisition” bekämpft zu werden (darum der Untertitel: “No intelligence allowed” - zu deutsch etwa “kein freies Nachdenken erlaubt”).
Der Regisseur ist Ben Stein, ein amerikanischer Jude, woraus sich vielleicht erklärt, dass der Missbrauch der Evolutionstheorie, wie die allermeisten evolutionistischen Wissenschaftler sagen würden, durch den Nationalsozialismus (“Auslese der Herrenrasse gegenüber angeblich minderwertigen Rassen wie eben Menschen jüdischen Glaubens” mit der Folge der Folge derer millionenfacher Ermordung) vielleicht etwas zu lang dargestellt ist (so wichtig es auch ist, darauf hinzuweisen !).

Der Film ist nicht einseitig, evolutionistische Wissenschaftler werden ebenfalls interviewt, darunter zweimal der weltweit bekannte Evolutionist Richard Dawkins (private Homepage:  http://richarddawkins.net/ ... und es gelingt im zweiten Interview am Filmende, Dawkins zu folgender Aussage zu bringen: Er, Dawkins, sei zu 99% sicher, dass es keinen Gott gäbe, aber vielleicht gäbe es einen  Designer des Lebens auf der Erde, doch er könne garantieren, dass dieser Designer woanders durch Evolution entstand und zur Erde kam, um das Leben hier zu säen.
Das ist eine nicht- prüfbare und damit keine naturwissenschaftliche Aussage mehr.