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Leider hat er bei dem jährlichen Treffen der British Association for the Advancement of Science am 11. 9.2008 einen Vortrag mit dem provokativen Titel “Should creationism be a part of the science curriculum” (sinngemäß: “Sollte Kreatinismus Teil des schulischen Naturwissenschaftsunterrichtes sein”) gehalten. Er sprach sich in diesem Vortrag in keiner Weise dafür aus, vielmehr behandelte er die Frage, auf welche Weise ein Lehrer kreationistische Gedanken, die von Schülern eventuell vorgebracht werden, widerlegen sollte, und dass auf diese Weise die Schüler einer Menge darüber lernen würden, wie -aus evolutionistischer Sicht- echte Wissenschaft funktioniert. Die online-Version seines Vortrages ist im nachfolgenden Link verfügbar; es ist ein häufiges Stilmittel, als Titel die zu widerlegende Gegenthese zu wählen:
http://www1.the-ba.net/bafos/press/showtalk2.asp?TalkID=301 (19.10.2008)
Zunächst geschah nichts, schon gar nicht im Konferenzsaal (etwa eine stürmische Meuterei der Anwesenden gegen einen sich “outendenden” Evolutionskritiker). Leider bekamen die atheistischen Massenmedien Wind von der Sache, und verdrehten mit Schlagzeilen wie “Call for creationism in the classroom” (“Ruf nach Kreatinismus im Klassenzimmer”, Financial Times) oder “Children should be taught about creatinionism” (“Kinder sollten in Kreatinismus unterrichtet werden”, Daily Mail) den Inhalt des Vortrages dahin, Reiss habe gefordert, in britischen Schulen “Kreationismus” zu lehren. Dieser Vorwurf war sachlich völlig unberechtigt und zunächst stellte sich die Königlich Britische Akademie der Wissenschaften auch hinter ihren Mann.
Prof. Reiss liefert aber leider noch eine zweite “Angriffsfläche”: Seine Nebentätigkeit als ordinierter Geistlicher der Kirche von England.Prominente Mitglieder der Akademie, darunter mehrere Nobelpreisträger, sahen darin und in dem Echo der Massenmedien einen hinreichenden Grund, brieflich seine Entfernung von seiner Schlüsselposition zu fordern - einfach, weil Religion in der Wissenschaft nichts zu suchen habe, mag sie sich auch so “evolutionistisch” geben, wie sie will. Am 16. 9. wurde Reiss mit augenblicklicher Wirkung von seiner Aufgabe entbunden, mit der Begründung, seine Äußerungen “were open to misinterpretation. While it was not his intention, this has led to damage to the Society’s reputation” (“wären offen für Fehlinterpretrationen. Obgleich es nicht seine Absicht war, hat dies dem Ansehen der Akademie Schaden zugefügt”). Offenbar haben sich die Einstellungen der Royal Society seit Newton, der eines ihrer wichtigsten und gefeiertsten Mitglieder war, geändert: Newton bekannte sich lebenslang als Christ, Kreationist und berechnete sogar physikalisch das Erdalter auf etwa 6000 Jahre.
Hier wurde ein theistischer Evolutionist wegen Schlichtweg falscher, in den Medien hochgespielter Äußerungen in seiner beruflichen Laufbahn schwer beschädigt. Vielleicht verstehen Sie, warum wir auf dieser Webseite gelegentlich - vor allem bei jüngeren, beruflich noch nicht etablierten katholischen evolutionskritischen Naturwissenschaftlern - Wert auf Anonymität legen.
Quelle: Nach Science 321, S. 1752 (26. 9. 2008)
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