„Wahrheit ist die Übereinstimmung

des Denkens mit dem Sein.“

(Thomas von Aquin OP)

 

Philosophische Einführung

 

„Denn der echte Denker läßt nicht nach, bis der ganze Weg gegangen ist, und der echte Denker hat jene große, ja unbegreifliche Geduld, die bis zum Letzten frägt und die alles prüft – um so mehr, je bedeutungsvoller die Frage in der Erkenntnisordnung oder in der Ordnung der Gerechtigkeit und Liebe oder in welcher Ordnung immer ist.“ (Daniel Feuling, Hauptfragen der Metaphysik. Heidelberg 2. Aufl. 1949, S. 14).

Der Mensch ist auf die Wahrheit angelegt. Um die Wahrheit zu finden, ist es wichtig

      • Fragen zu stellen;
      • den Weg, der zur Wahrheit führt, zu kennen;
      • über den Sinn der Wahrheit nachzudenken.
  • Es ist wichtig in der Auseinandersetzung zwischen Schöpfungslehre bzw. Intelligent Design und Evolutionismus zu wissen, daß es ohne philosophische Voraussetzungen nicht geht. Für einen katholischen Evolutionskritiker wird es immer darauf ankommen, die Fragen zu stellen – mitsamt ihren Neben- und Unterfragen – (1), die eine wesentliche Grundlage des rechten Erkennens sind. Sowohl im philosophischen wie naturwissenschaftlichen Bereich ist es von Bedeutung, bei den verschiedenen Forschungen nicht bei einer Frage stehen zu bleiben. Alle Bereiche wollen umfassend erfragt sein! Zudem ist das echte Denken dadurch gekennzeichnet, daß es nicht bei Vordergründigem stehen bleibt. Das echte Denken hört dort auf, wo es sich der objektiv geforderten Erfragung vorzeitig entzieht.
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    Der Weg des echten Denkens (2) beansprucht auch die Befragung nach den inneren Widersprüchen einer Frage genauso wie der einer Theorie. Durchaus grundlegend ist die Bedeutung der Begriffe; erst wenn die Begrifflichkeit klar ist, besteht die Möglichkeit eine Frage und eine Theorie auf ihre inneren Widersprüche oder die Irrtumslosigkeit zu überprüfen. Ein weiterer Schritt ist, die Frage/Theorie nunmehr auf ihre Verträglichkeit mit bereits als wahr hervorgehobenen Theorien/Entwürfen abzuklopfen. Steht erstere in einem offenen Widerspruch zu bereits als wahr festgestellten Erkenntnissen, so ist diese ihrer Bestimmung zu übergeben: dem Nichts. Wenn sich aber ein Entwurf als möglich wahr erweist, ist dieser nun noch  zum sicheren Schlussurteil zu führen. Erst dann kommt das Denken an sein Ende; dies kann zuweilen einen langen, lebenslänglichen Prozess mit sich bringen.

     

    Dies führt dann auch zum Sinn der Wahrheit (3) : „Wahrheit ist die Übereinstimmung des Denkens mit dem Sein.“ (D. Feuling, s.o., S. 17). Der Mensch ist ans Ziel seines Denkens gekommen, wenn er in letzter Genauigkeit und Klarheit weiß, daß sein (ideeller) Entwurf wahr ist, daß sein Entwurf mit dem Sein übereinstimmt.

     

    Die naturwissenschaftlichen Hypothesen und Theorien finden ihre Erfüllung genau dann, wenn sie mit Hilfe philosophischer Erkenntnisse auf ihre Wahrhaftigkeit überprüft werden. Daher ist es vonnöten, daß sich Naturwissenschaftler richtiger wissenschaftlicher Methoden bedienen und nicht bei vordergründigen Fragestellungen stehenbleiben; dies schließt alle möglichen Fragen ein und nicht eine einzige davon sollte ausgelassen werden, sonst kommt keine Theorie an ihr eigentliches Ziel. An dieser Stelle ist zu fragen, welche Richtung – Schöpfungslehr bzw. Intelligent Design oder Evolution – der Wahrheit wohl näher ist bzw. mit dieser übereinstimmt.   Die Fragen: Was ist Wahrheit ? Was ist Sein ? sind darum von größter Bedeutung. Die Klärung des Begriffs Sein” ist zudem auch entscheidend für die Definition des (biologischen) Art- bzw. Grundtyp-Begriffes. Diese wichtigen philosophischen Fragen müssen eindeutig geklärt und beantwortet werden. Eine „Studiengemeinschaft Theoloie und Biologie wird sich eingehend damit auseinandersetzen.

    Bisher haben wir einen Gastbeitrag von Dr. Josef Bordat vorzustellen hier

    Der Päpstliche Rat für die Kultur hat im Herbst 2008 in seinem Dokument
    “ Jesus Christus, der Spender lebendigen Wassers. Überlegungen zu New Age aus christlicher Sicht”

    in Abschnitt 1.3. folgendes zu dieser neuen philosophisch- esoterischen Richtung formuliert:

    “Ein kraftvoller Trend in der modernen westlichen Kultur, welcher den Ideen des New Age Raum gab, ist die allgemeine Akzeptanz der darwinistischen Evolutionstheorie. Diese wurde, neben dem Rückgriff auf verborgene spirituelle Mächte oder Kräfte in der Natur, zum Rückgrat von vielem, was gegenwärtig als Theorie des New Age gilt. Grundsätzlich lässt sich sagen: New Age erreichte einen bemerkenswert hohen Grad an Akzeptanz, weil die ihm zugrunde liegende Weltanschauung bereits weithin anerkannt war. Der Boden war bereitet durch Wachstum und Verbreitung des Relativismus, welcher mit einer Ablehnung oder Gleichgültigkeit gegenber dem christlichen Glauben einherging.”

    Auf diesen Seiten wollen wir diese Fragestellung auch aus philosophischer Sicht angehen und sehen zugleich die Chance, dass Evolutionskritik den Boden für die Neuevangelisierung bereiten kann mehr.

     

     

    Hl. Thomas von Aquin