Pater George Coyne SJ ist 1933 im US-Bundesstaat Maryland im Nordosten der USA geboren. 18jährig wurde er Jesuit. Er studierte anschließend Theologie, Mathematik, Astronomie und Philosophie und promovierte über die Oberflächenstruktur des Mondes.

1978 - 2005 leitete er die vatikanische Sternwarte in der päpstlichen Sommerresidenz in Castel Gandolfo, 25 km südöstlich von Rom.

Wir geben ein aus unserer Sicht theologisch wie naturwissenschaftlich skandalöses Interview mit P. Coyne wieder

Dieses Interview ist fast wortwörtlich dasselbe, was der hochbegabte, in Folge einer schweren unheilbaren Nervenerkrankung vollständig gelähmte -und menschlich außerordentlich zu bewundernde- Physikprofessor Stephen Hawking, Mitglied der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften, in einem Interview der Times am 3. 9. 2010 (bezeichnenderweise das Fest des Hl. Papstes Pius X!) gesagt hat:  “... dass sich das Universum durch die Gesetze der Schwerkraft offenbar selbst habe erschaffen können, ohne göttliche Hilfe. Weil es ein Gesetz wie das der Schwerkraft gibt, kann sich das Universum selbst aus dem Nichts erschaffen (...). Eine ‘spontane Schaffenskraft’ erkläre die Existenz des Universums. Deshalb sei es ‘nicht notwendig, sich auf Gott zu berufen’, der das "blaue Zündpapier angezündet" habe, um das Universum in Bewegung zu setzen.”

Ob er das Universum für ein Zufallsprodukt oder für geplant halte, wurde Pater Coyne Mitte Februar 2006 von der liberalen Wochenzeitung ‘Zeit’ gefragt.

Der Priester umschiffte die Frage mit dem Verweis, dass es neben Zufall oder Gott auch die „Fruchtbarkeit des Universums“ gebe.

Im Universum gebe es 10 hoch 22 Sterne. Vor rund 14 Milliarden Jahren habe alles mit dem Urknall begonnen, wußte der Jesuit zu berichten. Durch das Entstehen und Vergehen der Sterne seien jene Elemente hervorgebracht worden, aus denen alles zusammengesetzt ist – „wir eingeschlossen“.

Der Mensch bestehe im wahrsten Sinne aus Sternenstaub. Nur im Inneren der Sterne hätte genug Kohlenstoff entstehen können, um Fußnägel, Ohrläppchen und den Rest der Schöpfung hervorzubringen.

Auf die Frage nach Gott antwortet Pater Coyne, dass von einem wissenschaftlichen Standpunkt aus „natürlich“ nichts über Gott und die Frage seiner Existenz oder seines Schöpfertums ausgesagt werden könne.

Er glaube, dass Gott das Universum so geschaffen habe, um seine schöpferische Kraft und seinen Dynamismus mit dem Universum zu teilen. Gott habe das Universum nicht wie eine Maschine konstruiert, die ihre Arbeit verrichtet. Vielmehr habe er seine Liebe mit dem Universum teilen wollen.

Deshalb liege jeder falsch, der die neodarwinistische Evolutionstheorie für mit dem christlichen Glauben unvereinbar halte, erklärt der Jesuit mit einem Seitenhieb  gegen  den Juli-2005-Artikel des Wiener Erzbischofs und Dominikaners Christoph Kardinal Schönborn über die Evolution: „Die beiden sind nicht nur miteinander vereinbar, sondern die Evolutionstheorie verherrlicht Gott.“

Die Frage, ob Gott den Urknall geschaffen habe, bejaht der Jesuit, fügt aber hinzu, dass der Urknall nicht unbedingt einen Gott benötige. Man könne die Existenz Gottes aber nicht widerlegen. Der Jesuit erklärt weiter, dass er nicht begreifen könne, dass die Evolutionstheorie oft für atheistisch gehalten werde.

Weil in der Bibel stehe, dass Gott den Menschen erschaffen hat – entgegnet der Journalist.

„Das ist eine wunderschöne Geschichte, aber keine Wissenschaft“, antwortet der Priester: Die Bibel sei zwischen 2000 vor und 200 nach Christus von vielen Autoren aus unterschiedlichen Kulturen geschrieben worden: „Sie enthält eine Menge Wahrheiten, aber keine wissenschaftliche Wahrheit.“

Ob er an die Existenz von außerirdischem Leben glaube? – wird der Jesuit weiter gefragt.

Er erklärt, dass es weder Beweise dafür noch dagegen gebe. Darum könne man diese Frage nicht wissenschaftlich beantworten, sondern nur diskutieren, ob es im Universum Bedingungen für die Existenz von Leben gebe. Dafür würden immer mehr Erkenntnisse sprechen.

Auf die Frage, ob die Existenz von Außerirdischen für die Kirche ein Problem wäre, erklärt Pater Coyne, dass er einem solchen die folgende Frage stellen würde:

„Bist du intelligent?“ Bei einer positiven Antwort würde er weiterfragen: „Bist du spirituell?“ Und wenn er bejahe: „Habt ihr gesündigt?“

Dahinter stecke die Diskussion über die Erbsünde. Wenn der Außerirdische bejahe und erkläre von den Großeltern gehört zu haben, dass seine Urahnen einst gesündigt hätten, würde er fragen: „Wurdet ihr erlöst?“

Er stünde vor einem theologischen Problem mehr, falls der Außerirdische dann erklären würde, dass Gott seinen einzigen Sohn zu ihnen geschickt habe:

„Ist es möglich, dass Gott seinen einzigen Sohn als wahren Gott und wahren Mensch zu uns und ihn zugleich als wahren Gott und wahren Marsianer auf einen anderen Planeten geschickt hat?“

Es sei nicht einfach, sich das vorzustellen, aber seine eingeschränkte Vorstellungskraft bedeute nicht, dass es nicht gehe.

Abschließend erinnert sich Pater Coyne an einen Vortrag, den er vor etwa zehn Jahren in Triest hielt. Er sei dabei „zufällig“ als Priester gekleidet gewesen. Nach dem Vortrag habe ihm jemand gesagt, dass es ein großer Trost sei, angesichts der Unsicherheit wissenschaftlicher Ergebnisse den sicheren Hafen des Glaubens anlaufen zu können.

Er habe darauf seinen Priesterkragen entfernt und erklärt: „Sie irren sich total.“

Der Glaube sei kein sicherer Hafen, sondern eine Herausforderung. Er wache jeden Morgen mit „gesunden“ Glaubenszweifeln auf.

 

Hier finden Sie im Umkehrschluss die eigentliche Motivation zu unserer Arbeit: Ein sicheres Fundament für die Neuevangelisierung zu schaffen - es ist beispielsweise rein psychologisch gesehen unwahrscheinlich, dass Menschen zu einem christlichen Leben, kirchlichem Engagement bis hin zum Martyrium bewegt werden können, wenn Sie “gesunde Glaubenszweifel” (in so zentralen Bereichen wie hier angesprochen) haben. Viele evangelische Christen haben das verstanden und betreiben wie der frühere Direktor der Physikalisch-technischen Bundesanstalt in Braunschweig Herr Prof. em. Dr. rer. nat Werner Gitt (siehe Bild unten) ein für die heutige Situation bemerkenswert fruchtbares Apostolat. Ein anderer evangelischer Missionar formulierte einmal auf die Frage, wie er einem Menschen der westlichen Welt in einer halben Stunde die Botschaft Christi nahebringen würde: “Ich würde 25 Minuten darauf verwenden, die Existenz Gottes zu begründen und dann 5 Minuten über Jesus Christus”.

Ev RdK III Bild 16