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Der Unterschied zwischen menschlicher Sprache und Tierlauten
Zwar gibt es auch im Tierreich Kommunikationsformen, aber nur der Mensch besitzt eine Sprache im eigentlichen Sinne, die unvergleichlich viel leistungsfähiger ist. Größter Unterschied zwischen allen Tierkommunikationsformen und der menschlichen Sprache ist die Abstraktheit der Sprache: es besteht keine feste Beziehung zwischen den Lautäußerungen der Sprache und den angezeigten Inhalten. So kann das Wort „logo(s)“ bedeuten: Wort oder Gedanke auf Altgriechisch, „sogleich“ oder „bald“ auf Portugiesisch und im Neudeutsch soviel wie „Wappen“. „Agora“ heißt auf Altgriechisch Markplatz -die Diagnose „Agoraphobie“ kommt daher- und auf Portugiesisch „jetzt“. Dagegen sind im Tierreich die Bedeutungen von Äußerungen festgelegt und nicht variabel: Freuden- Lock- Schreck- Alarm- und Drohlaute bedeuten innerhalb derselben Tierart immer dasselbe und können nicht die Bedeutung wechseln – Hunde oder Katzen, die in Ägypten aufgewachsen sind, können daher problemlos mit ihren Kollegen aus Deutschland oder Frankreich interagieren. Der Schwänzeltanz der Bienen zeigt mit immer denselben Figuren immer dieselben Inhalte an (in welcher Richtung und Entfernung vom Bienenstock sich was für eine und wie ergiebige Futterquelle befindet): Die Richtung des Tanzes gibt den Winkel relativ zur Sonne an, in dessen Richtung sich die Futterquelle befindet, die Geschwindigkeit und Länge der getanzten Ellipse gibt deren Entfernung an und die Intensität des “Wackelns” der Biene beim Tanzen teilt die Ergiebigkeit der Futterquelle mit. Dabei berücksichtigt die Biene die Uhrzeit; d.h. sie kennt im dunklen Inneren des Bienenstockes nicht nur die Richtung in der die Sonne gerade zu sehen ist, sondern kann auch berücksichtigen, wie viel Zeit seit ihrem Abflug vergangen sind und um wie viel die Sonne in dieser Zeit weitergewandert ist. Die anderen Bienen nehmen die Information über Richtung, Entfernung und Ergiebigkeit der Futterquelle durch die Schwingungen wahr, die die Bewegungen der tanzenden Biene im Gerüst des Nestes verursachen - sehen können sie den Tanz nicht.
Dagegen kann beim Menschen dasselbe Wort oder Lautkombination ganz unterschiedliche Bedeutungen tragen – je nachdem, in welcher Sprache es gesprochen wird. Im Tierreich sind die Zeichen und ihre Bedeutungen sozusagen „fest verdrahtet“, während bei der menschlichen Sprache diese frei wählbar sind.
Tiere, die menschliche Sprache nachahmen können verstehen die Äußerungen nicht und können keine neuen Sätze, geleitet durch grammatische Regeln, bilden, während jedes Kleinkind bereits während des Sprachenlernens neue Sätze bildet, die es nie zuvor gehört hat: Mit 2 Jahren sind nur noch 20% der Äußerungen direkte Nachahmungen, mit 3 Jahren nur noch 2%.
„Die Begabung der Papageien für Nachahmung menschlicher Laute und Worte ist bekannt. Sie übertreffen hierin alle übrigen Tiere; sie leisten Bewundernswürdiges, Unglaubliches; sie plappern nicht, sondern sie sprechen. Man verstehe mich recht; ich meine damit selbstverständlich nicht, dass sie die Bedeutung der von ihnen nachgeahmten Worte verständen oder imstande wären, Sätze zu erfinden und zu gliedern, sondern behaupte nur, dass sie die sie gelehrten Worte bei passender Gelegenheit, als sie im Gedächtnis behalten, bei welcher Gelegenheit oder zu welcher Tageszeit sie dieselben gelehrt wurden, und sie bei einer ähnlichen Gelegenheit oder Zeit die betreffenden Worte, für sie offenbar nur Lautgliederungen, wieder gebrauchen.“ (Brehms Tierleben, Band 12, Vögel, Gutenberg-Verlag Hamburg 1927, S. 149). Ein um 1840 im Besitz eines österreichischen Geistlichen befindlicher Jako (Gattung Graupapageien Psittacinae, Art Psittacus erithacus, die in Westafrika vom Senegal und Gambia bis zum Tschadsee und den westlichen Quellflüssen des Nils heimisch ist) zeigte nach intensivem Training ganz erstaunliche sprachliche Fähigkeiten. Er konnte u. a. sagen „Geistlicher Herr! Guten Morgen.“ „Geistlicher Herr, ich bitt um a Mandel.“ „Magst a Mandl?” “Magst a Nuss?“ „Bekommst schon was? Da hast was.“ „Herr Hauptmann, grüß Gott, Herr Hauptmann.“ „Frau Baumeisterin, gehorsamer Diener.“ „Herr Nachbar! Zeit lassen!“. „(Er) sagt nur früh ‚Guten Morgen’ und nur abends ‚Gute Nacht’, verlangt Futter, wenn er Hunger hat. (...) Wenn jemand an der Tür klopft, so ruft er sehr laut, sehr deutlich und ungemein täuschend wie ein Mann: Herein, herein! (...) Wenn er etwas zerbeißt oder in seinem Hause etwas ruiniert, so sagt er: ‚Nicht beißen, gib Ruh! Was hast ’tan’. (…)Zudem findet der Papagei die absonderlichsten Töne, Laute und Geräusche oft äußerst nachahmenswert, lernt mit derselben Fertigkeit wie Worte das Knarren einer Tür in seiner Nähe, das Bellen des Hundes, das Miauen der Katzen, das Husten eines alten Menschen nachahmen und stört durch dies oft wesentlich sein im übrigen liebenswertes Geplauder.“ (ebendort S. 168f).
Allerdings entsprechen untergeordnete menschliche Kommunikationsmittel wie beispielsweise Mimik, Gestik und emotionale Laute tierischer Kommunikation, was es uns erleichtert, Tieräußerungen zu verstehen, und uns einen Grundstock an Kommunikation auch mit Menschen sichert, deren Sprache wir nicht kennen. Hierauf beruhen auch Skalen zur Schmerzevaluierung bei Patienten, die nicht mehr sprechen können. Eben dank dieses allen Menschen gemeinsamen „Grundstockes“ an Kommunikation konnten sich im Krieg Nazisoldaten den alliierten Streitkräften ergeben, auch wenn sie aus Überheblichkeit als vermeintliche Angehörige der „Herrenrasse“ nie eine Fremdsprache gelernt hatten.
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