Das Alter der Menschheit

In der Fachwelt wird allgemein ein Menschheitsalter von etwa 2 Millionen Jahren angenommen, wobei der „moderne“ Homo sapiens vor 200 000 Jahren aufgetreten sein soll. Diese Altersangabe basiert u.a. auf radiometrischen Datierungen der geologisch ältesten bekannten Knochenüberreste des echten Menschen.

Im Vergleich mit der nur einige tausend Jahre währenden Zivilisationsgeschichte stellt die Millionen Jahre umfassende Vorgeschichte der Menschheit eine ungeheuer lange Zeitepoche dar – ein Sachverhalt, der immer wieder großes Erstaunen hervorruft.

In historischer Zeit – seit etwa 5000 Jahren- ist die Weltbevölkerung insgesamt  beständig gewachsen, bis etwa 1600 um jährlich 0.15- 0.3 %, seitdem hat sich die jährliche Wachstumsrate auf über 2% erhöht.

Sehr sichere Abschätzungen ergeben für das Ende der Altsteinzeit vor 10 000 Jahren eine gesamte Weltbevölkerung von 5 bis 10 Millionen Seelen (Tabelle 5). Mit der Potenzfunktion eines Taschenrechners ist leicht auszurechnen, daß bei einer Ausgangspopulation von nur 2 Menschen und einem jährlichen Wachstum von nur 0.1%diese Zahl bereits nach 15 000 Jahren erreicht ist (Tabelle 2).

Besonders auffällig ist, daß in historischer Zeit die Weltbevölkerung in wenigen Jahrtausenden stark gewachsen ist, während sie vorher über Jahrhunderttausende zahlenmäßig fast völlig stagnierte  (Tabelle 2, Abb. 1)
Das Bild der Abb. 10 zeigt das Paradox: ein im Maßstab nicht erkennbarer unmerklich langsamer Anstieg der Weltbevölkerung während Millionen Jahren, anschließende „Bevölkerungsexplosion“ binnen weniger Jahrtausende.

Ein evolutionistischer Fachwissenschaftler schrieb 2001: Given what we know about our reproductive capacity and survival under worst conditions, it is puzzling that there were so few of us so much of our history“ (Pennington 2001).

 

Leben unter Steinzeitbedingungen

Das Problem verschärft sich weiter bei Betrachtung heutiger unter Steinzeitbedingungen lebender Menschen –sogenannte Wildbeuter- und bei der Betrachtung der realen Lebensverhältnisse in der Alt- und Mittelsteinzeit..

Heutige Wildbeuter leben in ungünstigen Randgebieten (Urwälder, Wüsten). Ihr Bevölkerungswachstum hängt ab von der Geburtenrate und der Überlebensrate; die meisten Geburtenraten liegen um 6, die höchste haben die Ache- Frauen im Urwald Paragays mit 8, die niedrigste die Frauen der Elfe- Pygmäen aus Zaire mit 2.6 während ihres Lebens geborenen Kindern. Die Überlebensrate bis zum 15. (50.) Lebensjahr variiert zwischen 66% (43%) bei den Ache und 51% (21%) bei den philippinischen Agta. Wildbeuter, die wie die Ache oder die Yanomami in Amazonien günstige Bedingungen vorfinden –ein menschenleeres, ressourcenreiches Gebiet, was im 20. Jahrhundert durch Untergang mehrerer Nachbarstämme der Fall war- wachsen jährlich bis zu 2.5% (Ache) bzw. um 0.5- 1% (Yanomami). Bei einer Ausgangspopulation von nur 100 Menschen wären die 5- 10 Millionen am Ende der Altsteinzeit in 500 bzw. 1000 Jahren erreicht,ein krasserer Gegensatz zu den radiometrisch (und evolutionär !) postulierten 2 Millionen Jahren ist nicht vorstellbar.

Zum Vergleich: eine normale katholische Familie mit 5 Kindern, von denen ein Kind einen  geistlichen Beruf erhält, eines aus irgendeinem anderen Grunde keine Kinder hat und 3 wieder eine ebensolche Familie gründen, hat bei einer angenommenen Generationszeit von 30 Jahren (das ist sehr viel) eine jährliche Wachstumsrate von 1.36%.

Damit die Menschheit nach 2 Millionen Jahren Existenz zu Beginn der mittleren Steinzeit nur 5- 10 Millionen Seelen umfaßte, wäre vielmehr eine jährliche Wachstumsrate von nur 0.00001% anzunehmen (1.0000001 ↑ 2000 000 = 4900 000) – also mehr als 100 000- fach weniger als die einer beileibe nicht übermäßig kinderreichen katholischen Familie !

Die Lebensverhältnisse in der Altsteinzeit sollte man nicht zu trübe zeichnen. Die menschenleere Erde hatte mit riesigen Großviehherden für Jäger gedeckte Tische. Die Körpergröße, Indikator der Ernährung, war nach Skelettfunden vergleichbar der heutigen und größer als z.B. im Mittelalter (wo trotzdem die Bevölkerung wuchs) oder bei rezenten Wildbeutern. Die Nahrungsversorung verschlechterte sich in der Mittel- und Neusteinzeit, indirekt an den Skeletten oder den erlegten Beutetieren ablesbar (vermehrt kleinere Tiere), weil und während die Bevölkerung wuchs und so schließlich der Übergang zur Landwirtschaft notwendig wurde.

 

Erklärungsversuche für das fehlende Bevölkerungswachstum

Die evolutionistische Fachwelt versucht, das fehlende Bevölkerungswachstum zu erklären. Die Theorie der häufigen Kindstötung wurde wegen völlig fehlender fossiler und humanethologischer Belege aufgegeben: es gibt keine fossilen Belege –etwa in Form von Kinderskeletten, die Spuren eines gewaltsamen Todes aufweisen oder Massengräbern- für die aktive Kindstötung durch unsere Ahnen. Gleichfalls ist ein solches Verhalten nach allem was wir wissen mit unserer „angeborenen“ psychologischen Struktur, die auch diverse Schutz- und Brutpflegereflexe beinhaltet, nicht in Übereinstimmung zu bringen. Es geisterten zwar einige Jahrzehnte entsprechende Behauptungen durch die anthropologische Literatur –bezüglich Kindesmord bei heutigen Naturvölkern-, solide Felduntersuchungen haben sie jedoch nicht belegen können. Und schließlich sollte eigentlich die evolutionäre Selektion gerade ein solches, gegen die eigenen Nachkommen gerichtetes Verhalten schnellstens beseitigen.

Man diskutiert periodische Zusammenbrüche der Weltbevölkerung, nicht nur einmal wie im 14. Jahrhundert gleichzeitig durch die Pest in Europa und die Kavalleriedivisionen Dschingis Khans in Asien, sondern (zehn-?) tausendfach. Seuchen und Vernichtungskriege scheiden aber aus einem einfachen Grunde aus: die sehr niedrige Bevölkerungsdichte. Meine Kollegen in der Epidemiologie haben viele brauchbare mathematische Modelle für die Ausbreitung von Seuchen, einschließlich Geschlechtskrankheiten. In diese Modelle gehen als wesentliche Faktoren einmal die Eigenschaften der Erreger ein: Ansteckungsfähigkeit, Fähigkeit zum Überleben außerhalb des menschlichen Körpers, Inkubationszeit (Zeit zwischen Infektion und Ausbruch der Krankheit) und die Dauer der Infektiosität  der Infizierten. Und die Bevölkerungsdichte. Wenn man weiß, wie Epidemien entstehen, kann man sie wirksam bekämpfen und diese Modelle stimmen, das weiß man aus praktischer Erfahrung. Epidemien gibt es in Großstädten und bei genügender Mobilität der Bevölkerung. Aber nicht in dünn besiedelten, abgelegenen Walddörfern, deren 50 oder 100 Einwohner die Bewohner des Nachbardorfes alle Jubeljahre zu sehen bekommen. Aus analogen Gründen fehlten den Stalins, Maos und Hitlers des vortechnischen Zeitalters schlicht die Mittel, die paar hundertausend weit verstreuten Einwohner ganz Europas umzubringen: Es gibt Belege für militärische Auseinandersetzungen schon bei Neandertalern, aber niedrige Bevölkerungszahlen und damit auch bei allgemeiner Wehrpflicht nur kleine Truppeneinheiten, ungenügende Logistik, wenig Mobilität und Aufklärungsmöglichkeiten (noch keine Kavallerie, da das Pferd nach herkömmlicher Annahme erst vor einigen Jahrtausenden gezähmt wurde !) bei sehr niedriger Siedlungsdichte (und so auch fehlender Kontakt !) lassen förmliche Vernichtungskriege, wie sie Hochkulturen führen, unmöglich erscheinen.

 

Unerklärliche kulturelle Stagnation

Schwer zu erklären ist im konventionell- evolutionistischen Rahmen auch die über Jahrhunderttausende währende kulturelle Stagnation. Man hat postuliert, daß Homo ergaster/ erectus und Homo neanderthalensis eine geringere Sprachfähigkeit oder generell geringere Intelligenz besaßen.

Nach neuester Datierung werden die ältesten fossilen Überreste des anatomisch modernen Menschen mit 200 000 Jahren vor heute angegeben. Der moderne Mensch trat somit etwa zeitgleich mit dem Neanderthaler auf und benutzte auch 160 000 Jahre lang gleichartige Werkzeuge. So nimmt auch der moderne Homo sapiens während seines überwiegenden fossil nachweisbaren Daseins auf unserer Erde an der kulturell- technologischen Stagnation im Paläolithikum teil. Dieses Phänomen mag teilweise mit einem fehlenden Innovationsdruck auf Technik, Kultur und soziale Strukturen infolge des nur unmerklichen Bevölkerungswachstums zusammenhängen. Man kann aber argumentieren: wenn bei vergleichbarer Fruchtbarkeit wie heute nur so wenige Menschen ins fortpflanzungsfähige Alter gelangten bzw. deren Kinder am Leben blieben, müssen die Lebensbedingungen katastrophal gewesen sein (wozu es, wie gesagt, nach dem was wir über die Körpergröße und Gesundheit der Frühmenschen wissen, keinen Hinweis gab) – Anreiz genug, Technik und Kultur zu verbessern.

Was die Intelligenz von Homo ergaster/ erectus bzw. Homo neanderthalensis betrifft, so kommen immer mehr Belege für kulturelle Leistungen ans Licht, die denen des „modernen“ Homo sapiens vergleichbar sind.

800 000 Jahre vor heute soll Homo erectus sich in der indonesischen Inselwelt ausgebreitet haben und dabei bis zu 20km breite Meerengen mit Flößen oder Schiffen überquert haben.

Eine Sensation war die Entdeckung von 8 hölzernen Wurfgeräten (7 Speere und 1 Wurfholz) 1997 in Schöningen/ Niedersachsen, deren Alter auf 400 000 Jahre bestimmt wurde. Eingehendere Untersuchung verstärkte noch den Eindruck des Sensationellen: Jeder Speer wurde aus einem etwa 30 Jahre alten Fichtenstamm hergestellt, wobei die Speerspitze von der Basis der Stammes stammt, wo das Holz am härtesten ist. Die Speere haben die gleichen Proportionen und damit die gleichen guten Flugeigenschaften wie moderne Sportspeere.

In Bilzingsleben/ Thüringen wurden an einem auf 350 000 Jahre Alter datierten Fundplatz Elefantenknochen mit einem Ritzmuster gefunden, bei dem es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen Mondkalender handelt.

In Slowenien und auf der Schwäbischen Alb entdeckte man Flöten, die auf 43 000 bis 67 000 radiometrische Jahre datiert wurden und dem Neanderthaler zugeschrieben werden.

Offensichtlich besaßen die Menschen des Altpaläolithikums den unseren vergleichbare geistige Fähigkeiten – und damit  verträgt sich nicht die Vorstellung einer Äonen währenden kulturellen Stagnation.

Daß Steinzeitmensch in keiner Weise „primitiv“ oder dumm heißt, ist für uns heute vielleicht am einfachsten durch den Besuch eines nordamerikanischen Indianerreservates einzusehen ... oder durch das Anschauen eines „Western“, z.B. „Der mit dem Wolf tanzt“. (Nordamerikanische Indianer lebten vor Ankunft der Europäer auf Steinzeitniveau).

 

Aufgefundene Steinwerkzeuge

Die typischen Hinterlassenschaften der Steinzeit sind  freilich Steinwerkzeuge aller Art sowie steinerne Abschläge, die entstehen, wenn Steine zu Werkzeugen behauen werden. Stein hält sich ausgezeichnet über die Zeit, auch sehr kleine Werkzeuge.

Es klafft eine gewaltige Lücke –in der Größenordnung vieler Zehnerpotenzen- zwischen zu erwartenden und tatsächlichen Fundzahlen von Steinwerkzeugen:

Die Höhle Combe Grenal im Südwesten Frankreichs soll während 60 000 Jahren zwischen 90 000 und 30 000 Jahren vor heute beständig  von 35- 40 Personen bewohnt gewesen sein. Es wurden in den 55 sehr gut erschlossenen Moustérien- Schichten insgesamt etwa 19000 Steinwerkzeuge geborgen. Bei einem Erstgeburtsalter von 15 Jahren lebten hier also etwa 4000 Generationen und damit kam im Durchschnitt auf alle drei Jahre ein einziges gefundenes Werkzeug für die gesamte Einwohnerschaft !

Eine sehr vorsichtige –aber realistischere- Annahme für den Werkzeuggebrauch geht davon aus, daß die Hälfte –also 20 der 40 Einwohner- überhaupt Werkzeuge besaßen. Und zwar jeweils 5 Werkzeugsätze für verschiedene Funktionen (z.B. zur Holzbearbeitung, Jagd, Zerlegung von Tieren, Lebensmittelzubereitung) mit jeweils 8 Einzelgeräten. Das würde bedeuten, daß in Combe Grenal ständig 800 (20 * 5 * 8) Einzelwerkzeuge ständig verfügbar gewesen sein müssen. Selbst bei der Annahme, die Geräte seien eine ganze Generation lang (15 Jahre) im Gebrauch gewesen, kommt man bei 4000 Generationen nicht auf 19 000, sondern auf  3 200 000 Werkzeuge: Man hat die pro Tag von rezenten Wildbeutern verbrauchten Steinwerkzeugmengen ermittelt. Ein Mann der Pintupi aus dem Western Desert in Australien verbraucht etwa ein Steinwerkzeug alle 2 Tage; ein Mann der Ngatatjara-Aborigines etwa eines alle 4 Tage. Bei Mitrechnung der keine Werkzeuge produzierenden Kinder und Alten sind die pro Tag verbrauchten Mengen entsprechend niedriger.

Natürlich wird man niemals alle Werkzeuge in den Schichten finden. Auch können sie im Einzelfall z.B. in Flußgebieten infolge Verrollung oder Verwitterung als Artefakte unkenntlich geworden sein und es können kleine, in der Altsteinzeit meist offenbar „ad hoc“ für einen unmittelbaren Bedarf –und nicht nach einem festen Modell- hergestellten Werkzeuge übersehen werden.

Aber diese Unsicherheiten werden durch die viel zu hoch angesetzte Annahme eines 15 Jahre langen Werkzeuggebrauchs mehr als aufgewogen. Man kann einwenden, daß die Hinterlassenschaften der Menschen in Combe Grenal nur kurze Begehungsphasen wiederspiegeln. Die Menschen müßten dann aber außerhalb der Höhle ihre ausgediehnten Werkzeuge abgelegt haben – bisher gibt es keine derartigen Funde.

Dieser Befund ist typisch und findet sich so oder ähnlich auch an anderen Fundstätten z.B. Zhoukoudian in China, das Hunsgi- Baichbach- Tal in Indien, Ubeidiya in Israel oder Berek-hat Ram auf den Golanhöhen und schließlich in England mit dem besterforschten Paläolithikum der Welt.

Auf diese Diskrepanz zwischen gefundenen und eigentlich zu erwartenden Werkzeugmengen wird in der Fachliteratur gelegentlich aufmerksam gemacht, ohne jedoch Lösungsvorschläge zu benennen – manche wie Rozoy (1989) schreiben –ohne es ernst zu meinen- man müßte auf der Basis der gefundenen archäologischen Hinterlassenschaften eigentlich zur biblischen Chronologie zurückkehren, die die Menschheitsgeschichte nur etwa 6000 Jahre alt sein läßt.

Ähnliche Überlegungen lassen sich bezüglich der Zahl der tatsächlich gefundenen und eigentlich vorhandenen Lagerplätze der altsteinzeitlichen Menschen anstellen.

 

Aufgefundene Lagerplätze

Eine ähnliche Lücke besteht zwischen zu erwartenden und tatsächlichen gefundenen steinzeitlichen Lagerplätzen:

Es gibt diverse Einzelbefunde wie den folgenden (Valoch 1995), der nicht mit langen Zeiträumen vereinbar ist: Am linken Ufer der Don im Raum Kostienki breitet sich weites flaches Land aus und am rechten Ufer erheben sich stufenweise Reste pleistozäner Terrassen, die an steile, bis 100m hohe Hänge weicher kreidezeitlicher Sedimente angelagert sind. In dieses Massiv sind zahlreiche kurze breite Täler eingeschnitten, in denen insgesamt 22 jungpaläolithische Lagerplätze liegen (Abb 15)

Von diesen waren neun Lagerplätze wiederholt (zwei bis neun Mal) besiedelt. Die Gesamtausdehnung des Siedlungsareals beträgt etwa 4 km2. Der Beginn des Besiedlungszeitraums wird mit 33 000 Jahren und das Ende mit 12 000 Jahren vor heute angegeben. Da sich die nächste, zudem nur unbedeutende Fundstelle erst 200 km weiter nordwestlich befindet, ist Kostienki völlig isoliert. Während 21 000 Jahren hätten also Menschengruppen immer wieder die Täler von Kostienki im Abstand von durchschnittlich mindestens 4000 Jahren aufgesucht, obwohl diese sich durch nichts von vielen anderen Tälern, wie sie z.B. auf den 40km des Don in südlicher Richtung zu finden sind, unterscheiden. Da es äußerst unwahrscheinlich ist, daß die Menschen rein zufällig immer wieder auf dieselben Plätze gestoßen sind (die sich wie gesagt durch keine markanten Punkte von der Umgebung unterscheiden), müßte das Wissen um ihre Lokalität über Hunderte von Generationen ohne Unterbrechung mündlich weitergegeben worden sein, während diese Plätze nicht aufgesucht wurden. Nach allem was wir über die Leistungsfähigkeit mündlicher Überlieferung wissen, ist dies völlig unrealistisch1. Und natürlich stellt sich die Frage, wo denn die Menschengruppen in den Zwischenzeiten gesiedelt haben sollen.

 
Generell werden in der Altsteinzeit mit sinkendem Alter der Fundplätze um so mehr gefunden. (Tabelle 4), wo bei die Fundplatzzahl pro 1000 radiometrische Jahre exponentiell anzusteigen scheint.

 

Lösung: Die Menschheit ist jünger

Die einfachste Erklärung für den Widerspruch zu den radiometrisch bestimmten Menschheitsaltern ist, daß die radiometrischen Daten das Menschheitsalter systematisch überschätzen, und zwar je weiter man in die Vergangenheit zurückgeht, um so mehr (Bild ganz unten am Seitenende).

Hinweise auf eine notwendige Stauchung der Menschheitschronologie kommen auch aus anderen Fachgebieten. Menting (2002) plädiert nach einer eingehenden Untersuchung der Waldgeschichte in spät- und postglazialer Zeit für eine drastische Zeitreduktion. Eine Wiederbewaldung, wie sie damals in Mitteleuropa stattgefunden hat, spielt sich nach Menting’s Untersuchung nicht in Jahrtausenden ab, wie nach konventionellen Datierungsverfahren vorausgesetzt wird, sondern dauert maximal nur wenige Jahrhunderte.

In den vorhergehenden Kapiteln hatten wir Beispiele für rasche, in wenigen Generationen ablaufende Artbildungsprozesse gesehen.

Bei der zeitlichen Reduktion der Menschheitsgeschichte ist nicht von einem konstanten Verkürzungsfaktor auszugehen: Schon vom Altpaläolithikum über das Mittel- zum Jungpaläolithikum hin ist eine ganz geringe Beschleunigung des Bevölkerungswachstums und kulturell- technischer Veränderungen zu beobachten. Diese Tendenz gewinnt dann aber zum Ende der Steinzeit hin etwas deutlicher an Fahrt. Es ist deshalb zu vermuten, daß die Abweichung der konventionellen von der tatsächlichen Zeit im Verlaufe des Paläolithikums, insbesondere aber zum Ende der Steinzeit hin, geringer wird. Die gewonnene Beziehung zwischen der radiometrischen und der vermuteten realen vorgeschichtlichen Zeit ist im Bild unten am Seitenende schematisch dargestellt. Die Abbildung stellt keine exakte Beziehung zwischen beiden Größen dar und erlaubt deshalb keine genaue Umrechnung. Im umstrittenen Zeithorizont sind die vermuteten realen Jahre auf der Abszisse deshalb mit einem Fragezeichen versehen. Radiometrische Altersangaben sind stets Extrapolierungen von Daten aus kleinen Messzeiträumen auf vielfach größere Zeiten (einige Jahre versus Jahrmillionen), solche Extrapolationen sind grundsätzlich kritisch zu sehen, da sich kleine Fehler stark auswirken. Vor allem aber beruhen sie auf einigen zwar plausibel klingenden, aber nicht bewiesenen Annahmen; neben genauen Vorstellungen über die Anfangskonzentrationen der gemessenen radioaktiven Stoffe setzen sie physikalisch unbewiesen eine seit Urzeiten gleichgebliebene radioaktive Zerfallskonstante voraus, d.h. daß der radioaktive Zerfall –dessen Ursache wir auch heute nicht kennen- immer mit derselben Geschwindigkeit abgelaufen ist.

 

 

1 so geriet eine gewaltige Flutkatastrophe im Jahre 1362 an der deutschen Nordseeküste mit der Zerstörung von 30 Dörfern, der Stadt Rungholt und dem Tod von 100 000 Menschen so gründlich in Vergessenheit, daß nur noch die Sage davon berichtete und die im 20. Jahrhundert erfolgte Wiederentdeckung der Spuren von Rungholt im Wattenmeer eine große Überraschung war – obgleich im 14. Jahrhundert bereits Geschichtsschreibung üblich war.

 

Literatur

Michael Brandt, Wie alt ist die Menschheit ? Demographie und Steinwerkzeuge mit überraschenden Befunden. Studium Integrale, Hänssler- Verlag 2. Auflage 2007, 158 p., ISBN 3-7751-4487-0

Mentin G (2002) Die kurze Geschichte des Waldes. Gräfeling

Pennington RL (2001) Hunter- gatherer demography. In: Panter- Brick C, Layton RH, Rowley- Conwy P (Editors) Hunter- gathereres. Cambridge, 170- 204

Rozoy JG (1989) The revolution of the bowmen in Europe. In: Bonsalli C (ed) The Mesolithic in Europe. Edinburgh, 13- 28

Valoch K (1995)  Einige Aspekte der Besiedlungsstabilität im Paläolithikum. In: Ullrich H (ed) Man and environment in the Palaeolithic. Liège, 283- 289

Ein 2006 erschienenes und schon in 2. Auflage vorliegendes Buch über das Alter der Menschheit. Fachlich handelt es sich um einen Review der einschlägigen Literatur. Eine Rezension finden Sie hier (Auf einer privaten Homepage. Die Studiengemeinschaft Theologie und Biologie identifiziert sich nicht mit dem übrigen Inhalt jener Homepage)
Die Ausführungen dieser Seite beruhen auf diesem Buch und die Abbildungen sind ihm entnommen (Quellenangaben also dort)- wir empfehlen  seine Lektüre, zu beziehen bei “Wort und Wissen” Die Studiengemeinschaft Theologie und Biologie identifiziert sich nicht mit dem übrigen Inhalt jener Homepage)