Papst Klemens I.

 

Papst Klemens I. leitete die römische Kirche von etwa 88 bis 101 als 3. Nachfolger des 65 oder 67 in Rom unter Nero als Märtyrer gestorbenen Apostel Petrus, dessen Grab bei Ausgrabungen unter dem Petersdom aufgefunden wurde. Sein Name ist mit seinen beiden Vorgängern Linus und (Ana)cletus im römischen Canon Missae erwähnt.

Unter Klemens, der mit Petrus und Paulus noch persönlich zusammengearbeitet haben soll (er ist wahrscheinlich der in Phil 4,3 genannte Mitarbeiter des Paulus), bekehrten sich führende Angehörige alter senatorischer Familien und des Kaiserhauses zum Christentum. Viele von ihnen bezahlten das in der domitianischen Verfolgung mit Verbannung und Gefängnis oder noch häufiger wie der zum Christentum übergetretene Konsul Titus Flavius Clemens, dessen Freigelassener oder Sohn eines seiner Freigelassenen Papst Klemens vielleicht war, mit Hinrichtung.

Sein Brief an die Gemeinde in Korinth sowie ein Brief des Hl. Irenäus, Bischof von Lyon, der damaligen Hauptstadt des römischen Frankreichs, sind die frühesten erhaltenen Zeugnisse für den Primat des Bischofs von Rom als Nachfolger des Hl. Petrus. Nachfolgend sollen einige Stellen aus diesem Briefe zitiert werden, dessen eigentliches Anliegen natürlich der Frage “Schöpfung durch Evolution” denkbar ferne steht. Anlass des Schreibens ist vielmehr ein “Putsch” einiger ehrgeiziger (aber wohl moralisch und dogmatisch ansonsten untadeliger) Gemeindemitglieder in Korinth gegen die dortige Kirchenleitung.

Papst Klemens liest in dem Brief, der von 3 zum Eingreifen bevollmächtigten Abgesandten überbracht wird, der Gemeinde die Leviten und stellt ihr die Wichtigkeit des kirchlichen Gehorsams gegenüber glaubenstreuen und unbescholtenen kirchlichen Amtsträgern vor Augen.

Es wäre vermessen, hier eine vollständige Einführung in den Klemensbrief geben zu wollen. Dazu sei auf die entsprechende Fachliteratur verwiesen; nur soviel sei gesagt, dass dieser Brief in vielerlei Hinsicht gerade heute sehr lesenswert ist. Beispielsweise unterstreicht er die zentrale Stellung des Messopfers in Gottesdienst und Leben oder die hohe Bedeutung einer sittlich guten Lebensführung für das Leben des Christen, auch im Bereich des Verhältnisses zwischen Mann und Frau. Was darunter konkret zu verstehen ist, präzisiert Klemens eingehend im Gleichklang mit  entsprechenden Stellen etwa in den 13 Paulus- und 2 Petrusbriefen, deren Predigt er ja  noch selber gehört hatte. Eine zeitlang schwankte man auch, ob der  Brief unter die kanonischen Schriften der Bibel zu rechnen zu rechnen sei.

Für uns wird der Brief interessant, weil Klemens eine ganze Reihe von ähnlichen Beispielen für Aufruhr gegen legitime und untadelige Vorgesetzte aus der Geschichte der Menschheit und Israels vorstellt sowie den jeweiligen üblen Ausgang, um die Korinther so zur Besinnung zu bringen.  

So steht in Kapitel 4 und 5 des Briefes:

  • “Und es geschah nach einigen Tagen, da brachte Kain von den Früchten der Erde Gott ein Opfer dar; und auch Abel brachte seinerseits von den Erstlingen der Schafe und von ihrem Fett dar. ...”
    Nach der weiteren Beschreibung des Brudermords von Kain an Abel fährt Klemens fort: “Wegen Eifersucht entfloh unser Vater Jakob vor dem Angesicht seines Bruders Esau. Eifersucht bewirkte, daß Josef bis auf den Tod verfolgt wurde und in Sklaverei geriet. Eifersucht zwang Moses zur Flucht vor dem Angesicht des Pharaos, des Königs von Ägypten, als er von seinem Stammesgenossen zu hören bekam ‘Wer hat dich zum Prüfer oder Richter über uns eingesetzt ? Willst du mich töten, so wie du gestern den Ägypter getötet hast ?’ Wegen Eifersucht mussten Aaron und Mirjam außerhalb des Lagers bleiben. (...) Wegen Eifersucht musste David Neid nicht nur von Fremden ertragen, sondern wurde auch von Saul, dem König Israels, verfolgt.
    Doch um mit den alten Beispielen aufzuhören, lasst uns zu den Kämpfern der jüngsten Zeit kommen; nehmen wir die edlen Beispiele unserer Generation. (...) Halten wir uns die tapferen Apostel vor Augen: Petrus, der wegen unberechtigter Eifersucht nicht eine oder zwei, sondern vielerlei Mühseligkeiten erduldete und, nachdem er so Zeugnis abgelegt hatte, an den gebührenden Ort der Herrlichkeit gelangte. Wegen Eifersucht und Streit zeigte Paulus den Kampfpreis der Geduld. ...”

Anschließend beschreibt Klemens noch die Leiden der heiligen Märtyrer in den ersten Verfolgungen, die die römische Kirche unter Nero erleiden musste.
Die Art der Beschreibung, literarische Form des Textes -ein simpler Brief- das Auf-eine-Stufe- Setzen der früheren und gegenwärtigen Beispiele zeigen, dass für Papst Klemens die Bibel, aus denen er die Berichte über Kain und Abel, “unseren Vater Jakob” (wir Katholiken sind sozusagen die wahren Juden, d.h. das wahre Judentum, das seinen Messias erkannt hat, ist mit den gläubig gewordenen Heiden im neuen Volk Gottes der Getauften aufgegangen), Josef und schließlich Moses und David auf einer Stufe steht mit der Gegenwart. Durch die ganze Menschheitsgeschichte zieht sich dasselbe traurige Phänomen: Eifersucht und Neid richten Unheil an. Das ist die Hauptaussage - und implizite Nebenaussage “Die Bibel berichtet historisch richtig”. Jedenfalls in den Augen Papst Klemens I. Und nicht nur in seinen. Über 1000 Jahre später kann Thomas von Aquin den Satz bejahen “Wer aber etwas leugnet von dem, was die Heilige Schrift sagt, wird bereits als ein Ungläubiger erachtet. Also auf alles, was in der Heiligen Schrift enthalten ist, erstreckt sich der Glaube, worin doch vieles über Menschen und überhaupt über Geschöpfe gesagt wird”.(S.th. IIa IIae q. 1).

Papst Klemens zweifelt nicht an der Realität der Sintflut: “Noah predigte Buße, und die gehorchten, wurden gerettet”. (7, 6). Bzgl. der Bußpredigt Noahs steht zwar nichts in 1Mos 7, aber außerbiblische jüdische Tradition sowie theologische Überlegungen legten diese nahe. “Noah wurde gläubig erfunden und verkündete durch seinen Dienst der Welt Wiedergeburt, und der Herr rettete durch ihn die lebendigen Wesen, die einträchtig in die Arche gegangen waren.” (9, 4).

Klemens wusste von bis zu seiner Zeit existierenden außerbiblischen Zeugnissen für unwahrscheinlich anmutende, aber reale biblische Ereignisse schon zur Zeit des Alten Testamentes: “Wegen Gastfreundschaft und Frömmigkeit wurde Lot aus Sodom gerettet (...) als die Frau mit ihm auszog, die anderer Meinung und nicht eines Sinnes mit ihm war, wurde sie dazu als Zeichen hingesetzt - sie wurde nämlich eine Salzsäule bis auf den heutigen Tag ...” (11, 1f).

Aber enthält nicht der Brief auch objektive naturwissenschaftliche Irrtümer ? Ja, an einigen Stellen:
Die Himmel kreisen durch sein Walten und ordnen sich ihm (= Gott) in Frieden unter” (20, 1) kann als Anspielung auf die griechische astronomische Vorstellung von sich drehenden Sphären verstanden werden. (Muss aber nicht). Deutlicher ist der Irrtum an anderer Stelle:
Es gibt nämlich einen Vogel, der Phönix heißt; dieser ist der einzige seiner Art und lebt 500 Jahre. Und wenn er bereits seiner Auflösung im Tode nahe ist, macht er sich ein Nest aus Weihrauch und Myrrhe und den übrigen Spezereien; ist die Zeit erfüllt, so begibt er sich in dieses Nest und stirbt.” (25, 2). Der Bericht über den sagenhaften Vogel Phönix geht noch weiter; Klemens übernimmt hier eine damals als gesichert geltende Lehrmeinung, die so beispielsweise in der gewaltigen, 37-bändigen Enzyklopädie der Naturgeschichte aufgeführt war, die der ältere Plinius (gestorben im Jahre 79  beim Ausbruch des Vesuv in Pompeji) herausgegeben hatte.
Und deswegen hat der Heilige Geist die Kirche auch davor bewahrt, den Klemensbrief unter die inspirierten Schriften aufzunehmen.

Jedenfalls hat Klemens keine Zweifel an der direkten Erschaffung der Lebewesen durch Gott, wie es die Bibel berichtet: “Den auf ihr wandelnden Tieren gebot er (der Schöpfer) nach seiner Anordnung ins Dasein zu treten; das Meer und die Tiere in ihm erschuf er vorher und schloß sie ein durch seine Macht. Zu allem hinzu formte er mit seinen heiligen und untadeligen Händen das Hervorragendste und Großartigste, den Menschen, zum Abbild seiner eigenen Gestalt.” (33, 3f)

Dies ist um so bemerkenswerter, als ja die Juden und ihre Bibel nur ein ziemlich unbedeutendes und ganz bestimmt nicht das herrschende Volk im Mittelmeerraum waren. Politisch herrschten die Römer, geistig hatte Griechenland das Szepter.

Natürlich hatten die Römer eigene Vorstellungen über die Entstehung der Welt und die Griechen auch. Etwa von der Göttin Gaia (Erde) war da die Rede, die von selbst aus dem Chaos hervorgegangen war; ihrem Sohn Uranos und dessen Sohn Chronos und Enkel Zeus, die mit allerlei Gewalttaten sich gegenseitig die Herrschaft über das All abnahmen. Die Menschen sollten von dem schlauen Prometheus, einem Vetter des Zeus, geschaffen sein und ähnliches.
Philosophische und naturwissenschaftliche Kritik solcher Märchen gab es natürlich schon damals Sokrates, einer der Begründer der abendländischen Philosophie, räumte damit in Platons “Staat” gründlich auf. Einige hundert Jahre später entwickelte Epikur eine recht modern anmutende  Theorie über die Zusammensetzung des Universums aus Atomen, deren Bewegung, Zusammenfügen und Trennen die einzelnen sichtbaren Dinge entstehen und wieder vergehen ließe (einschließlich Lebewesen und Menschen). Der  Dichter und Philosoph Lukrez machte  im 1. Jahrhundert vor Christus epikuräische Lehren in Rom bekannt und viele Elemente seiner Lehre fanden sich später in Ciceros naturphilosophischen Schriften  wieder.

Es war keinesfalls selbstverständlich, diesem etablierten Weltbild ein anderes entgegenzusetzen und dürfte oft für heiße Diskussionen mit nichtjüdischen und nichtchristlichen Zeitgenossen geführt haben, von denen uns die altchristlichen Apologetiken noch einen Wiederhall bieten.

Papst Klemens selber unterstreicht die Zuverlässigkeit der inspirierten Bibel: “Ihr habt euch in die heiligen Schriften, die wahren und durch den Heiligen Geist gegebenen, vertieft. Ihr wisst, daß darin nichts Unrechtes und Gefälschtes geschrieben steht” (45, 2f). Was hätte Klemens geantwortet, wenn man ihn hätte überzeugen wollen, dass die Bibel nur in Fragen des Glaubens und der Sitten fehlerfrei berichtet ? Wohl, dass diese Unterscheidung sinnlos ist: Abraham, Josef, Moses, die Richter und Propheten Israels und schließlich seine Zeitgenossen haben Gottes Offenbarung im Rahmen realer historischer Ereignisse empfangen. Beglaubigt durch ebensolche historischen, aber offenbar von Gott gewirkten Ereignisse wie sie bei der Befreiung aus Ägypten geschahen oder in den Vorhersagen der großen Propheten Israels über Jesus Christus.
Und schließlich: Klemens wie seine Mitkatholiken leben in einer Zeit und Umgebung lebensgefährlicher Verfolgung. Menschen haben eine große Furcht vor Folterung und Tod - und Menschen neigen nicht dazu, für Märchen oder Fabeln ihren Hals zu riskieren. Die von Jesus Christus geheilten und sogar vom Tode erweckten Menschen wie der Jüngling von Naim oder die Tochter des Jairus lebten teilweise noch und die Berichte, die Matthäus, Markus und Lukas schon über das Leben Jesu verfaßt hatten, konnten im Prinzip von jedem nachgeprüft werden. Es würde überhaupt nicht in diesen Zusammenhang passen, Klemens zu unterschieben, er halte die Berichte der Bibel nicht für wahr, Mose und Noe -von denen Jesus Christus selber so sprach, als seien die biblischen Berichte über sie wahr- hätten gar nicht gelebt, es sei nicht wörtlich zu verstehen, die Aussageabsicht der Texte sei eine andere und was noch die bibelkritische “Exegese” so ersonnen hat, um in den Texten etwas ganz anderes zu finden, als drinsteht. Dafür riskiert niemand seinen Hals
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Communicantes, et memoriam venerantes, in primis gloriosae semper Virginis Mariae (...) Lini, Cleti, Clementi ...
In heiliger Gemeinschaft ehren wir dabei vor allem das Andenken der seligen, allzeit reinen Jungfrau Maria (...)Linus, Kletus, Klemens ...
(Röm. Kanon, Gedächtnis der Heiligen).

Etiam rogo et te, germane compar, adjuva illas, quae mecum laboraverunt in Evangelio cum Clemente et ceteris adjutoribus meis, quorum nomina sunt in libro vitae.
Auch Dich, treuer Gehilfe, bitte ich, nimm Dich ihrer an; sie haben ja mit mir für das Evangelium gearbeitet gestritten zusammen mit Clemens und meinen übrigen Mitarbeitern, deren Namen im Buche des Lebens stehen ... (Paulus an die Philipper 4, 3).

Die Kirche lässt diese Epistel am Feste des Hl. Papstes Klemens I. jeden  23. November. lesen und billigt damit die Ansicht, dass Paulus hier vom  späteren Papst Clemens spricht.

Der Vogel Phoenix (Mosaik aus Pompeji)

Epikur

Lukrez