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Der nachfolgende Text ist von unserer “Mutterorganisation” als Grundsatztext zur Frage Evolution und Schöpung erarbeitet worden. Seine Stärke ist es, auch theologische Aspekte, insbesondere die korrekte Übersetzung des Wortes “simul” im IV. Laterankonzil zu erörtern. Die Studiengemeinschaft Theologie und Biologie stellt diesen Text hier zur Diskussion zur Verfügung, ohne im eigentlichen Sinne für den Inhalt verantwortlich zu sein. Veranwortlich sind die unten angegeben Autoren des Kolbe-Centers, das organisatorisch wie rechtlich unabhängig von der Studiengemeinschaft Theologie und Biologie ist.
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Der nachfolgende Text hat 2007 in seiner englischen Originalversion das Imprimatur von Bischof Michael Okoro der Diocese Abakaliki in Nigeria erhalten
Schöpfung und Zeit
Das Ziel dieses Aufsatzes besteht darin, zu zeigen, dass die Bedeutung der ursprünglichen Lehre der Kirche über die Schöpfung durch die Einführung langer Zeitalter verändert wurde. Er wird zeigen, dass der Glaube an „fortschreitende Schöpfung“ und „theistische Evolution“ durch die Beimessung enormer Zeiten für die Bildung von Gesteinsschichten hervorgerufen wurde. Er wird die ursprüngliche Bedeutung von Schöpfung erklären, die von den Kirchenvätern und Konzilien gelehrt wurde. Er wird die experimentellen Daten anführen, die die langen Zeiten, die den Gesteinsformationen zugeordnet werden, entkräften. Er wird schließen, dass der Sinn der ursprünglichen Lehre der Kirche über die Schöpfung wiederhergestellt werden kann und muss.
Definitionen
1. Naturalistische Evolution Evolution ist ein allgemeiner Begriff, der sowohl kosmologische als auch biologische Evolution einschließt. Er lehrt, dass eine urzeitliche Explosion von Elementarteilchen (Big Bang) die Bildung von Gasen verursacht hat, die sich in Sterne und Planeten entwickelten. Mindestens ein Planet hat die Bedingungen für Leben entwickelt, und durch einen Ablauf von chemischer und molekularer Evolution wandelte sich einzellige lebende Materie in vielzellige Pflanzen und Tiere und schließlich den Menschen um. Die Mechanismen für diese Umwandlung sind Zufall, natürliche Selektion und Mutation.
2. Theistische Evolution Theistische Evolution hält am selben Ablauf fest wie natürliche Evolution, mit dem einzigen Unterschied, dass der Ablauf von Gott programmiert ist.
3. Fortschreitende Schöpfung Fortschreitende Schöpfung geht davon aus, dass der Fossilbericht die Entwicklung zeigt, die von allen Formen von Evolution anerkannt wird, aber anstatt dass Gott am Anfang der Materie die Fähigkeit gegeben hat, neue und komplexere Sorten von Spezies hervorzubringen, greift Gott ein, um sie hervorzubringen, wenn die Bedingungen richtig sind.
Alle diese 3 Systeme benötigen enorme Zeiträume. Die Systeme 2 und 3 sind vereinbar mit System 1, weil sie den Big Bang, die geologische Zeitskala und den Fossilbericht als Relikt langer Zeitalter anerkennen. Aus diesem Grund können Schüler, die eines dieser beiden Systeme annehmen, in der Schule in die geowissenschaftlichen Klassen integriert werden, ohne ihren Glauben an göttliche Verursachung offenzulegen. Sie haben deshalb viel gemeinsam mit natürlichen oder atheistischen Evolutionisten. Diejenigen, die an Einzel-Schöpfung und an eine kurze Erdgeschichte glauben, haben mit keinem der drei Systeme etwas gemeinsam.
Die Lehre der Kirche
Zum Ersten ist es Teil der außerordentlichen lehramtlichen Aussagen der Kirche, dass Gott ... der Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren, des Geistigen und des Körperlichen:er schuf in seiner allmächtigen Kraft am Anfang der Zeit aus nichts zugleich (simul) jedes (utramque) Geschöpf, geistig und körperlich, nämlich engelhaft und weltlich und schließlich das menschliche, das sozusagen gleichermaßen aus Geist und Körper besteht (Denzinger (DZ) 428).
Diese Worte wurden im Jahr 1215 vom vierten Lateran-Konzil als unfehlbare Lehraussage über die Schöpfung formuliert, viele Jahrhunderte bevor die Multi-Millionen-Jahre-Hypothese des Erdalters von den Geologen aufgestellt wurde. Es kann keinen Zweifel daran geben, dass die Autoren der Konzilserklärung nicht erwarteten, dass ihre Worte anders interpretiert würden als in einem Kontext von Schöpfung in nicht mehr als sechs Tagen, wie es von der Heiligen Schrift und von den Kirchenvätern, an die sie sich als Autorität wandten, gelehrt wurde. Die Bedeutung der Ausdrücke „zugleich“ und „jedes“ (simul und utramque jeweils in Latein) in dieser Hinsicht wird weiter diskutiert.
Die Autorität der Kirchenväter
Um die Formulierung des Konzils mit der modernen geologischen Zeitskala vereinbar zu machen, ist eine Veränderung ihrer beabsichtigten Bedeutung notwendig. Ihre Bedeutung zu verändern, läuft jedoch der lehramtlichen Aussage des 1. Vatikanums zuwider. Dieses Lehrschreiben belegt diejenigen mit dem Bann, die sagen: dass man den Dogmen, die durch die Kirche aufgestellt wurden, manchmal eine Bedeutung beimessen muss, die, gemäß dem Fortschritt der Wissenschaft, unterschieden ist, von dem, was die Kirche verstanden hat und versteht (Glaube und Vernunft – Kanon 3)1
Um zu erfahren, ob die Bedeutung der Formel von Lateran IV, gelesen im Sinne von „langen Zeitaltern“ übereinstimmt mit derjenigen, die von den Konzilsvätern beabsichtigt war, müssen andere Quellen berücksichtigt werden. Abgesehen von den unten untersuchten wissenschaftlichen Gründen, lange Zeitalter anzuzweifeln, sind diejenigen, die die kirchliche Lehre berühren, für Katholiken wichtiger. Diese sind wie folgt:
1. Die Lehre der Kirchenväter wird beständig in den Definitionen der Konzilserklärungen berücksichtigt und in Glaubensbekenntnissen wie den Credos. Da dies so ist, sollte man sich daran erinnern, dass alle formalen Aussagen über die Schöpfung im Kontext der einmütigen Lehre der Väter gemacht wurden, dass alle Dinge augenblicklich in einem Zeitraum von nicht länger als 6 Tagen erschaffen wurden. „ ... Niemand darf die heilige Schrift ... entgegen der einmütigen Übereinstimmung der Väter interpretieren.“ ( 1. Vatikanum, Abschnitt III, Dogmatische Konstitution über den katholischen Glauben)
Die Frage, die vor uns liegt, lautet deshalb „Können die ´Sechs Tage´ von Genesis 1 eingesetzt werden in einen Zeitraum von mehreren Millionen Jahren?“ (Die Frage wird gestellt unter der Annahme, dass das Wissen nicht vorhanden ist, was die kürzliche experimentelle Widerlegung der geologischen Prinzipien betrifft, auf denen die angenommenen Multi-Millionen Jahre der Gesteinsalter gründen.. Dies wird später diskutiert werden). Um die Frage zu beantworten, sollten die folgende Punkte in Betracht gezogen werden.
2. Adam war der erste Mensch (Konzilien von Karthago, 418; Trient, 1546). Er war im Zustand der Unsterblichkeit erschaffen worden (Trient, Päpstliche Bibelkommission 1909). Die erste Frau wurde aus der Rippe des ersten Menschen erschaffen. (Enzyklika Arcanum Divinae Sapientiae) Mit dem Ausdruck „Fortschritt der Wissenschaft“ meint der Kanon die Entwicklung der Wissenschaft, die aus einer katholischen Perspektive gut oder schlecht sein kann. Die Kirche begrüßt echten Zuwachs an wissenschaftlichem Verständnis, das niemals der katholischen Lehre widersprechen kann. Der Tod kam nicht vor der ersten Sünde Adams in die Welt (Römer 5,12; Konzil von Orange 539 und Konzil von Trient). Die Geschichtlichkeit dieser Dinge kann nicht in Frage gestellt werden (Päpstliche Bibelkommission 1909).
Als eine historische Abfolge von Ereignissen wurde deshalb Adam einzeln von Gott erschaffen (PBK 1909); dann wurde Eva aus seiner Seite geformt (Arcanum Divinae Sapientiae 1880). Sie waren nicht dem Tod oder dem Leiden unterworfen, bis nachdem sie Gottes Gebot, nicht die Frucht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen, übertreten hatten. Die evolutionäre Paläontologie versichert, dass Tiere, bekannt als Hominiden, nachdem sie die Fähigkeit entwickelt hatten, konzeptionelle Gedanken zu formen, sich über drei oder vier Millionen Jahren zum frühen Menschen entwickelt haben. Gemäß dem Fossilbericht erreichten diese „Menschen“, wenngleich unzivilisiert, vermutlich vor einer halben Million Jahren die Stufe des Homo Sapiens und werden, in evolutionären Begriffen, als unsere ursprünglichen Vorfahren betrachtet. Die Anthropologie ordnet Zeichen von Kultur wie Sprache, Kunst und Religion einer viel späteren Stufe der Evolution zu, ungefähr vor achtzig bis Hundertzwanzigtausend Jahren. Deshalb hätte der frühe Mensch, der in Gruppen lebte, jagte und Feuer benutzte, keine der Ansätze einer primitiven Kultur, wie oben definiert, gehabt. Ihr Ursprung war eine langsame natürliche Entwicklung von unvernünftigen zu vernünftigen Wesen. An einem bestimmten Punkt in diesem Ablauf wären diese Vormenschen mit einer menschlichen Seele ausgestattet worden. Wie oben bemerkt, ist dieses Szenario im Gegensatz zur Lehre der Kirche aus den folgenden Gründen.
Der erste Mensch, Adam, wurde einzeln, direkt und augenblicklich von Gott erschaffen. Sein Körper und seine Seele wurden zusammen erschaffen. Das ist inbegriffen in der Lehraussage des ökumenischen Konzils von Vienne, dass die vernünftige oder verstandesmäßige Seele die Form des menschlichen Körpers ist (DZ 481). Er wurde geboren: (i) mit einer vollständig vernünftigen Seele und nicht auf dem Weg zu vollständiger Vernunft (Katholizismus der katholischen Kirche (KKK) 365); der heilige Paulus vergleicht seine Vollkommenheit mit derjenigen von Christus: Adam aber ist die Gestalt, die auf den Kommenden hinweist (Röm 5,14); Sirach 49,16 betrachtet ihn folgendermaßen: ... Adam übertrifft alle Menschen an Ruhm; (ii)als ein vollständig reifer Mann mit den Gnaden der Gerechtigkeit, Heiligkeit, Unversehrtheit und Unsterblichkeit (KKK 376), die ihm Kenntnis von Gott und seiner Schöpfung erlaubten und nicht ohne religiöses Verständnis; (iii)mit konzeptionellem Denken, das genügte, um den Tieren Namen zu geben; (iv)er hatte die Fähigkeit, mit seiner Frau Eva das Problem von Gut und Böse hinsichtlich des Gebotes, nicht die verbotene Frucht zu essen, zu diskutieren, anstelle des Fehlens von Sprache beim frühen Menschen; (v)und deshalb hatte er keine Vorfahren, ob teilweise vernünftig oder anders, ungeachtet der angenommenen fossilen Belege von Prä-Adamiten; (vi)und hatte Kinder, die das Land bebauten und Vieh hüteten, anstelle von nomadischen Jägern, die die Stufe des Pflanzens und Zähmens von Tieren nicht erreicht hatten; (vii)und wurde in eine Welt gestellt, in der alle Dinge von Gott aus nichts erschaffen worden waren (Lateran IV), d. h. augenblicklich, und nicht in Millionen von Jahren, in denen sich leblose Materie langsam in „einfache“ lebende Materie umwandelte, die sich graduell weiter veränderte in komplexere Materie und schließlich in den Menschen.
Lateran IV – die wichtigste dogmatische Glaubenslehre der Kirche über die Schöpfung
Es ist deshalb wesentlich, die ursprüngliche Bedeutung zu ermitteln, die von den Konzilsvätern von Lateran IV hinsichtlich ihrer dogmatischen Aussage über die Schöpfung beabsichtigt war. Das Argument, das der Wortlaut des Konzils lange Zeitalter nicht ausschließt, und deshalb Zeit lässt, damit die Evolution stattfinden kann, ist im Grunde auf zwei Worten im Text aufgebaut, simul und utramque. Diese beiden Ausdrücke werden untersucht. SIMUL – Schöpfung durch Gott aller Dinge zusammen oder nach einem gemeinsamen Plan?
Befürworter langer Zeitalter interpretieren simul so, dass es bedeutet, dass alle Dinge nach einem gemeinsam Plan hervorgebracht wurden und nicht alles zugleich. Falls sie alle zugleich geschaffen wurden oder gleichzeitig hinsichtlich ihrer gesamten Substanz, am Beginn der Zeit, wären sie schon vollkommen, so dass keine Notwendigkeit für Hunderttausende oder Millionen Jahre von Evolution bestünde. Um zu entdecken, welches die richtige Bedeutung ist, muss man zu der Zeit zurückgehen,als geologische Hypothesen zum ersten Mal begannen, die traditionelle Schöpfungstheologie ernsthaft herauszufordern.
Im Jahr 1895 erklärte Father (Fr. = Pater) J. M. A. Vacant, einer der Verfasser des Dictionnaire de théologie catholique (Frankreich) in seinen theologischen Studien über das Erste Vatikanische Konzil (Études théologiques sur les Constitutions du Vatican d'après les actes du Concile), dass simul, wie es im Wortlaut von Lateran IV über die Ex-nihilo-Schöpfung gebraucht wurde, und im Wortlaut des 1. Vatikanums wiederholt wurde, das viel diskutierte Thema unter den Theologen war. Diejenigen, die die (damals) neue Hypothese angenommen hatten, dass jeder Tag der Schöpfungswoche mehrere Jahrhunderte darstellte (heute ausgedehnt auf Millionen Jahre) interpretierten simul in Übereinstimmung mit ihrem Glauben. Sie argumentierten, dass simul einfach bedeutete, dass Gott der gemeinsame Urheber oder Schöpfer aller Dinge war, der die Schöpfung über die Zeit ausdehnte.
Diese Interpretation kam der neuen Theorie des „Tag-Zeitalter“ entgegen, indem sie die Schöpfung der Dinge über einen längeren Zeitraum als in Genesis 1 angegeben, erlaubte. Sie sagten, dass die Pflanzen und Bäume, zum Beispiel, falls sie einfach nach einem gemeinsamen Plan geschaffen wurden, Jahrhunderte vor den Vögeln und den Fischen geschaffen worden sein konnten. Diese Argumentation von Schöpfung über einen langen Zeitraum, die bereits im Konflikt mit der Lehre der Kirchenväter über die sechs Tage stand, führte innerhalb einer relativ kurzen Periode zu einer Annahme der biologischen Evolution, wie sie von Charles Darwin 1859 vorgeschlagen wurde, zehn Jahre vor dem 1. Vatikanum. Der Hauptunterschied zwischen Darwins Evolutionstheorie und theistischer Evolution war, dass die kompromittierenden Theologen Darwins Zufall durch die lenkende Hand Gottes ersetzten. Fr. Vacant offenbart, dass diese Interpretation von simul, im Sinne eines gemeinsamen Planers oder Schöpfers für das Hervorbringen aller Dinge, unter den Theologen des „Tag-Zeitalter“ populär war.)
Nach ihnen bedeutet simul „gemeinsam“; es könnte bedeuten, dass Gott alle Dinge gleichermaßen gemacht hat oder dass er sie alle nach dem einen und selben Plan gemacht hat. Es ist diese letztere Interpretation, die heute weitläufig angenommen wird, weil die andere weniger leicht mit einem System von Tag-Zeitaltern, das lange Zeiträume zwischen die Schöpfung der Himmel und der Erde und des Menschen stellt, in Einklang zu bringen ist.2 Post-Darwinsche Theologen interpretierten den Wortlaut des 4. Lateran-Konzils falsch, um lange Zeiträume zu erlauben, und glauben, dass das lateinische Wort simul mit dem griechischen Wort koϊne synonym wäre. Der Grund hierfür wird jetzt erklärt. Der deutsche Text der Aussage von Lateran IV über die Schöpfung lautet: Gott ... der Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren, des Geistigen und des Körperlichen: er schuf in seiner allmächtigen Kraft am Anfang der Zeit aus nichts zugleich jedes Geschöpf erschuf, geistig und körperlich, nämlich engelhaft und weltlich und schließlich das menschliche, das sozusagen gleichermaßen aus Geist und Körper besteht (DZ 428).
Nachfolgend der entscheidende Satz im IV. Laterankonzill:Deus unum… universorum principium: creator omnium visibilium et invisibilium, spiritualium et corporalium: qui sua omnipotenti virtute simul ab initio temporis utramque de nihilo condidit creaturam, spiritualem et corporalem, angelicam videlicet et mundanam ac deinde humanam quasi communem ex spiritu et corpore constitutam.
Gemäß Fr. Vacant (oben erwähnt) versuchten einige Theologen der „langen Zeitalter“, simul in Lateran IV mit Lyells langen geologischen Zeiträumen zu vereinbaren, indem sie simul im firmiter mit einem Vers aus Sirach 18,1 verbanden: Der Herr, der in Ewigkeit lebt, hat alles insgesamt erschaffen (Einheitsübersetzung). Die Übersetzung dieses Verses aus dem ursprünglichen griechischen ins lateinische qui vivit in aeternum, creavit omnia simul erklärt die angenommene Verbindung. Das Wort simul war die Velus-Latina-Übersetzung von koϊne ins Lateinische. Es war späteren griechischen Gelehrten offenkundig, dass die Übersetzung anfällig für Fehlinterpretationen war, denn koϊne bedeutete „gemeinsam“ oder „gemäß dem selben göttlichen Plan“, das heißt, dass Gott der gemeinsame Schöpfer aller Dinge im Universum war. Im Text von Lateran IV hat es jedoch die normale lateinische Bedeutung von „alles zugleich“ „zur selben Zeit“ und „gleichzeitig“ - Bedeutungen, die keinen Platz ließen für die langen Zeitalter des theistischen Evolutionismus und der Lehre der fortschreitenden Schöpfung. Simul war das Wort, das die Konzilsväter von Lateran IV benutzten, die alltäglich Latein sprachen. Es war nicht aus dem Griechischen, Hebräischen oder irgendeiner anderen Sprache übersetzt worden. Es war ein Wort, das von den Vätern der Zeit gesprochen und geschrieben wurde.
Obwohl es auf mehrere Arten übersetzt werden kann, wie zum Beispiel ins Deutsche als „alles zusammen“, „zugleich“ oder „zur selben Zeit“, drücken alle diese Übersetzungen den Gedanken von Gleichzeitigkeit aus und gebe keinen Anlass zu Mehrdeutigkeit. Die KKK-Übersetzung von simul als „zugleich“ und die Denzinger-Übersetzung als „auf einmal“ geben beide die Bedeutung wieder, dass alle Dinge praktisch zur selben Zeit geschaffen wurden. Nachdem geklärt ist, dass simul in Lateran IV keine Verbindung mit koϊne in Sirach 18,1 hat, kann es in dem Sinne gelesen werden, wie es von den Konzilsvätern beabsichtigt war 3.
Fr. Vacant gab ein Beispiel für die Bedeutung von simul als relative Gleichzeitigkeit in dem Vers „Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel, Erde und Meer gemacht und alles, was dazugehört“ (Exod. 20,11), indem er zeigte, dass alles, was innerhalb von sechs Tagen erschaffen wurde, als zugleich erschaffen betrachtet wurde. Er sagte auch, dass die Theologen vor seiner Zeit, das Wort in diesem Sinne verstanden. Diese Bedeutung von Gleichzeitigkeit des Datums wurde ohne ein Zögern von fast allen früheren Theologen unseres Jahrhundert übernommen. Einige, wie Sylvestre der Ferrare, forderten, es sollte seit Lat. 4 als de fide gelten4.
Der Fehler der Anhänger des „Tag-Zeitalter“, als sie das Griechische für die Übersetzung von simul im Text von Lateran IV benutzten, um die nun entkräftete Lyellsche Geologie (unten erwähnt) mit der Lehre der Kirche zu harmonisieren, ist ein Beispiel dafür, dass zwei Falsch kein Richtig ergeben. Sie taten dies, um die normale lateinische Bedeutung von simul als der „relativen Gleichzeitigkeit“, die von Fr. Vacant erwähnt wurde, zu vermeiden, die den Genesisbericht der Schöpfung in sechs Tagen anerkennt. Wenn sie in der richtigen Weise gelesen werden, schließen die Bedeutungen der Texte von sowohl Lateran IV als auch dem 1. Vatikanum eine lange Schöpfungszeit aus, und deshalb jede Möglichkeit von Evolution. Das ökumenische Konzil von Trient lieferte in seinem Kommentar über das Glaubensbekenntnis von Nizäa eine maßgebliche Grundlage, auf der der Text von Lateran IV über die Schöpfung verstanden werden muss, insbesondere im Hinblick auf die Worte „Ich glaube an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde, aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge.“ Gemäß der Einführung in den Katechismus des Konzils von Trient, erachteten es die Konzilsväter als von erster Wichtigkeit, dass ein Werk erscheinen sollte, gebilligt von der Autorität des Konzils, aus dem Seelsorger und alle anderen, denen die Aufgabe, Unterweisungen zu erteilen, obliegt, fähig sein sollten, verlässliches Material für die Erbauung der Gläubigen zu suchen und zu finden, dass, wie da ein Herr, ein Glaube ist, auch eine Einheit und vorgeschriebene Form des Vorlegens der Glaubensdogmen sei
Der Katechismus von Trient erklärte, indem er Ausdrücke im Glaubensbekenntnis von Nizäa definierte, dass die Schöpfung „aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge“ (visibilium omnium et invisibilium) augenblicklich und unmittelbar durch Gott erfolgte. Dies bringt die Bedeutung der praktisch gleichen Formulierung creator omnium visibilium et invisibilium, die im Lateran-Konzil von 1215 verwendet wurde, ins Blickfeld.
So wie es Seine eigene Güte war, die Ihn beeinflusste, als er alle Dinge tat, welche immer es auch waren, so folgte er auch im Werk der Schöpfung keiner äußeren Form oder keinem äußeren Vorbild, sondern indem er das universale Modell, das in der göttlichen Intelligenz enthalten war, betrachtete, und als ob er es nachahmte, schuf der höchste Architekt mit unendlicher Weisheit und Macht, der Gottheit eigentümliche Merkmale, alle Dinge am Anfang. Er sprach und sie wurden gemacht: er gab den Befehl und sie wurden erschaffen (Ps 148,5)
Im Gegensatz zur verbreiteten Interpretation, die heutzutage weite Kreise zieht, wonach der Satz „alle sichtbaren und unsichtbaren Dinge“ aus Lateran IV am Anfang der Schöpfung sich nur auf die Erschaffung der Engel und ursprünglichen Materie bezieht, lehrte der Katechismus des Konzils von Trient, dass „die Himmel und die Erde“, die „am Anfang“ erschaffen wurden, die Sonne, den Mond und die Sterne sowie auch die Erde und alles, was sie enthält, einschließlich der Pflanzen und jeder Art von Geschöpf der Luft, des Landes und des Meeres, mit einschloss.
Die Worte Himmel und Erde schließen alle Dinge ein, die die Himmel und die Erde beinhalten, denn neben den Himmeln, die der Prophet die Werke seiner Finger (Ps 8,4) genannt hat, gab Er auch der Sonne ihren Glanz und dem Mond und den Sternen ihre Schönheit, und dass sie sein mögen als Zeichen und für Jahreszeiten und für Tage und Jahre (Gen 1,14). So ordnete er die Himmelskörper in einem bestimmten und einheitlichen Verlauf an, damit nichts sich in größerem Maße ändert als ihr fortwährender Umlauf, während nichts in größerem Maße festgehalten ist als ihre Veränderung...
Auch gab Gott der Erde den Befehl, in der Mitte der Welt zu stehen, verwurzelt in ihrem eigenen Fundament, und machte, dass die Berge sich erhoben und die Ebenen sich absenkten in den Platz, den Er für sie begründet hatte. Damit die Wasser die Erde nicht überfluten sollten, setzte er eine Begrenzung, die sie nicht überschreiten sollten, noch sollten sie zurückkehren, um die Erde zu bedecken. Als nächstes bekleidete und verzierte er sie nicht nur mit Bäumen und jeder Art von Pflanze und Blume, sondern füllte sie, wie er bereits die Luft und das Wasser gefüllt hatte, mit unzähligen Arten von lebenden Geschöpfen...
Zuletzt formte er den Menschen aus dem Schlamm der Erde, so geschaffen und gebildet in seinem Körper, dass er unsterblich und unempfindlich war, nicht jedoch durch die Stärke der Natur, sondern durch die Großzügigkeit Gottes. Die Seele des Menschen schuf er als Sein eigenes Abbild und Ihm ähnlich (Gen 1,26), beschenkte ihn mit freiem Willen und mäßigte all seine Bewegungen und Neigungen, damit sie zu jeder Zeit dem Gebot der Vernunft unterworfen seien. Er fügte dann die herrliche Gabe der ursprünglichen Gerechtigkeit hinzu und gab ihm als nächstes die Herrschaft über alle anderen Tiere.
Indem er sich auf die heilige Geschichte der Genesis bezieht, wird der Seelsorger sich leicht mit diesen Dingen für die Unterweisung der Gläubigen vertraut machen. Es ist erwähnenswert, dass gemäß den Konzilsvätern der einfache Sinn der „heiligen Geschichte“ der Genesis ein so sicherer Weg zur Wahrheit der Schöpfung und frühen Geschichte der Welt und des Menschen ist, dass die Konzilsväter die Seelsorger anwiesen, die heilige Geschichte zu lesen, so dass sie sich „leicht“ selbst mit den Fakten vertraut machen konnten. Es ist auch bedeutsam, dass der Katechismus des Konzils von Trient die Lehre von Lateran IV näher ausführt, dass Gott den Menschen „schließlich“ („deinde“) am Ende der Schöpfungszeit erschuf. In ihrer Erörterung über das Dritte Gebot lehren die Konzilsväter explizit, dass der sechste Tag – der Tag, an dem Gott Adam und Eva erschuf – der letzte Tag der Schöpfungswoche war: Der siebte Tag wurde der Sabbat genannt, weil Gott, nachdem er die Erschaffung der Welt beendet hatte, an diesem Tag ruhte von seinem ganzen Werk, das er getan hatte. So wird er vom Herrn in Exodus genannt.
Kapitel 1 der dogmatischen Konstitution Dei Filius des 1. Vatikanums, das den Simul-Abschnitt einbezogen hat, zeigt die Kontinuität der kirchlichen Lehre:“simul ab initio temporis utramque de nihilo condidit creaturam, spiritualem et corporalem, angelicam videlicet et mundanam ac deinde humanam quasi communem ex spiritu et corpore constitutam”.
Lateran IV stellte sich dem Glauben entgegen,
1. wonach die Welt ewig sei, wie von vielen Aristotelikern vorgeschlagen – daher bringt die Definition zum Ausdruck, dass die Welt am Beginn der Zeit erschaffen wurde, um die genaue Bedeutung von Endlichkeit klar zu machen.
2. den die Manichäaer hatten, wonach die sichtbare materielle Welt nicht innerhalb Gottes Macht sei, indem es erklärte, dass „alle sichtbaren... Dinge... aus nichts erschaffen wurden“ de nihilo (d.h. augenblicklich).
3. dass die Welt nicht ausschließlich (unum) durch Gottes allmächtige Kraft (omnipotenti virtute, d.h. ohne Mithilfe von Werkzeugen) erschaffen wurde, wie von den mittelalterlichen Neu-Platonikern geglaubt wurde.
Diese Vorstellungen sind genau diejenigen, die entweder insgesamt oder einzeln von der Evolutionstheorie oder der Lehre der fortschreitenden Schöpfung vorgebracht werden. Gemäß dem Dogmatiker Fr. Peter Fehlner:
Die Wurzeln der „modernen“ Evolutionstheorie, insofern als „modern“ eine vergleichsweise neue Form einer sehr ergrauten Theorie kennzeichnet, können nicht im 18. und 19. Jahrhundert entdeckt werden, sondern im 13. Jahrhundert mit dem Erscheinen des „lateinischen Aristotelismus“, einer Weise, Aristoteles zu interpretieren, so dass aus aristotelischem Gedanken ein passendes Werkzeug für eine radikale Ablehnung des gesamten katholischen Glaubens und der gesamten katholischen Tradition gemacht wird. Wie der heilige Bonaventura so klar sah, war der Grundstein dieser Position die Verneinung, dass das Dogma der Schöpfung unvereinbar ist mit einer geistigen Bejahung der Ewigkeit der Welt, eigentlich ein durchgängiger Säkularismus5 .
Das 1. Vatikanum führte die Lehre von Lateran IV fort, um sich anderen falschen Glaubenslehren zu widersetzen. Diese wiederum waren von evolutionärer Natur. Erneut, gemäß Fr. Fehlner: In dieser Hinsicht liefern die Lehren des Ersten Vatikanischen Konzils über Schöpfung, über das Wesen von Offenbarung und Glaube und ihrer Beziehungen zu Philosophie und Wissenschaft eine hervorragende Zusammenfassung der Ansicht der Kirche über die Jahrhunderte hinsichtlich zweier Schlüsselthemen (Pantheismus und Rationalismus) im Zentrum der Diskussionen über Evolution und katholischen Glauben6 .
Es ist interessant, die relative Schnelligkeit zu beachten, mit der der Glaube der Theologen an sechs 24stündige Schöpfungstage durch den Glauben an „Tag-Zeitalter“ ersetzt wurde, bei dem jeder Tag eine unbestimmte Anzahl von Jahrhunderten bedeutete. Diese Revolution in der katholischen Exegese beschleunigte sich zwischen 1860 und 1885. Es kann mit Sicherheit festgestellt werden, dass zu der Zeit, als Fr. Vacants theologische Studie im Jahr 1895 veröffentlicht wurde, die „Tag- Zeitalter“ bereits ein akzeptierter Weg geworden waren, um die neue geologische Hypothese aufzunehmen, dass die Geschichte der Erde in vielen hunderttausend Jahren gemessen werden sollte, anstelle der wenigen tausend, die von den biblischen Stammbäumen angegeben werden.
Darwin veröffentlichte sein Werk „Ursprung der Arten“ 1859 und verwendete Lyells Prinzipien der Geologie (erste Ausgabe 1830 veröffentlicht) als Grundlage für die langen Zeitalter, die notwendig waren, um seine evolutionäre Hypothese zu rechtfertigen.
Abgesehen vom Glauben des heiligen Augustinus, dass Gott keine Zeit benötigte, um zu erschaffen und deshalb alle Dinge in einem Augenblick erschuf, hatte die große Mehrheit der anderen Kirchenväter die sechs Tage von Genesis 1 als wörtliche Tage anerkannt. Keiner interpretierte die sechs Tage als länger als sechs Zeiträume von 24 Stunden. So lehrten, wie die hebräischen Rabbiner vor Christus, die ersten achtzehneinhalb Jahrhunderte des Christentums, dass der Zeitraum der Schöpfung allenfalls nicht länger als sechs gewöhnliche Tage war. In weniger als 25 Jahren jedoch, beeinflusst durch nichts stärkeres als eine spekulative (d. h. nicht auf empirischen Tatsachen gründende) Hypothese in der Geologie, wurden nahezu zweitausend Jahre katholischer Lehre umgestürzt. Die scheinbare Hast, das wegzuwerfen, was bis dahin von der Kirche als unantastbare Lehre festgehalten wurde, spiegelte eine Umkehrung der Rollen von Theologie und Wissenschaft wider. Nach der Anklage Galileos wegen des Gebrauchs der Wissenschaft zur Auslegung der Schrift, kamen viele zum Glauben, dass Galileos Prozess bewies, dass die Wissenschaft im Namen der Religion verfolgt worden war. Danach, anstatt dass die Theologie als Königin aller Wissenschaften geschätzt wurde, wurde sie entthront und zur Dienerin der Naturwissenschaft gemacht. Als Ergebnis ist die Offenbarung abhängig geworden von den veränderlichen Glaubenslehren der naturwissenschaftlichen Gemeinschaft. In dem Fall, wo es zu einem Zusammenprall zwischen allgemein akzeptierten wissenschaftlichen Hypothesen und Aussagen des kirchlichen Lehramts kommt, wird nun gesagt, dass die letzteren falsch interpretiert worden sind.
Sogar die berühmte exegetische Regel des heiligen Augustinus wird falsch ausgelegt, um diese Lage zu rechtfertigen. Im vierten Jahrhundert schrieb der heilige Augustinus: Was immer sie (die Wissenschaftler) durch echte Beweise hinsichtlich der Natur der Dinge demonstrieren können, lasst uns zeigen, dass es nicht unseren Schriften entgegengesetzt ist, aber was immer sie im Gegensatz zu unseren Schriften darlegen, das heißt zum katholischen Glauben, lasst uns durch irgendeine Methode zeigen, oder lasst uns ohne Zögern glauben, dass es in höchstem Maße falsch ist (D 1947) .
Indem fälschlicherweise angenommen wurde, dass die Naturwissenschaftler durch echte Beweise das große Alter der Gesteine zeigen können, wurde der zweite Teil des Textes in hervorgehobener Schrift völlig ignoriert. Als Ergebnis wurde der Rat des heiligen Augustinus auf den Kopf gestellt, und der katholische Glaube wurde durch Behauptungen über die Natur der Dinge ohne Beleg durch echten Beweis ernsthaft herausgefordert. In der Tat steht, wie der Dogmatiker Fr. Peter Fehlner beobachtet hat, die erste Prämisse der Lyellschen Geologie – die Möglichkeit, das Alter von frühzeitlichen Gesteinen durch rückwärtige Extrapolation von heutigen geologischen Prozessen zu bestimmen – in Konflikt mit einer anderen gleichbleibenden Lehre der Kirche:
Der heilige Petrus lehrt in seinem zweiten Brief, dass ... die Gleichförmigkeit, die wir gegenwärtig in der Welt beobachten, nicht absolut ist und keine Grundlage darstellt, um ohne Grenze in die Vergangenheit und in die Zukunft zu extrapolieren und ohne Gottes Macht zu berücksichtigen, die Form der Welt und die Ordnung, die unter den Bewegungen der Geschöpfe herrscht, zu verändern. In Wirklichkeit hat der Schöpfer mindestens einmal diese Ordnung verändert, seit er seine ursprüngliche schöpferische Arbeit vollendet hatte. Er tat dies zur Zeit der weltweiten Flut und wird dies wieder tun durch Feuer, in der Zeit der glorreichen Wiederkunft Christi... Weder die ursprüngliche Existenz der Welt noch die Beschaffenheit ihrer ursprünglichen Ordnung kann im Sinne von bloß natürlicher Aktivität erklärt werden, indem von der Natur dieser Aktivität aus, die gegenwärtig beobachtet wird, extrapoliert wird. Es ist ganz klar, dass eine der Hauptmethoden, die von den Evolutionisten benutzt wird, um ein Ereignis zu beweisen, das für die Wissenschaftler nicht mehr beobachtbar ist, nämlich die Gleichförmigkeit der Natur und die angenommene Stetigkeit zwischen der Weise, wie die Arten und die Welt entstanden sind und der gegenwärtigen, anscheinend gleichförmigen Verhaltensweise in dieser Welt, in Konflikt steht mit einer gleichbleibenden Lehre der Kirche und der Möglichkeit von Wundern (insbesondere physikalischen) 7.
„Der Anfang der Zeit“ oder „am Anfang“
Der Ausdruck „vom Beginn der Zeit an“ (oder „am Beginn der Zeit“) ab initio temporis ist der Angelpunkt, um den sich das Zeitelement der Lehre von Lateran IV über die Schöpfung dreht. Der Kontext liest sich folgendermaßen:
Gott ... der Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren, des Geistigen und des Körperlichen: er schuf in seiner allmächtigen Kraft am Anfang der Zeit aus nichts auf einmal jedes Geschöpf...
Man sieht einen Widerhall hiervon in den Worten Christi an die Pharisäer: „Habt ihr nicht gelesen, dass er, der sie am Anfang schuf, sie als Mann und Frau geschaffen hat...?“ (Mt 19,4) Kann der „Anfang“, von dem unser Herr spricht, sich möglicherweise auf die 15 Milliarden Jahre beziehen, die seit dem gegenwärtig geschätzten Zeitpunkt des „Urknalls“ vergangen sind, der angeblich die Evolution des Kosmos einleitete? Im Licht der Tatsache, dass die Konzilväter die Lehre zu einer Zeit definierten, in der der „Anfang der Zeit“ als „Tag Eins“ der ersten sechs Schöpfungstage oder als der Hexameron im Ganzen verstanden wurde, kann die Frage sicherlich mit nein beantwortet werden.
Diese Position wird durch den heiligen Bonaventura, einen Kommentator des Konzils von Lateran IV aus dem 13. Jahrhundert, bestätigt. Er schrieb in seinem Breviloquium (Teil II): „ ... wir müssen insbesondere festhalten, dass die physikalische Natur in sechs Tagen ins Dasein gebracht wurde.“
Zu dieser Zeit wurde der Ausdruck „Anfang“ auch dazu verwendet, um die gesamten „Sechs Tage“ zu bezeichnen, wie es durch die Kirchenväter von der Zeit der Apostel an getan wurde.
Papst Innozenz III, der das Konzil von Lateran IV einberief, schrieb: Am Anfang wurde eine Rippe in eine Frau umgewandelt (DZ, 408). Petavius, in seinem de Opificio Sex Dierum (Paris, ed. 1866) schreibt, dass das Wort Anfang so verstanden werden kann, dass es alle sechs Tage mit einschließt.
Der Glaube der theistischen Evolutionisten hinsichtlich der göttlichen Kausalität, gründend auf der allgemeinen Theorie der Evolution, folgt dem Urknall-Modell, wobei die Himmelskörper über Milliarden von Jahren vor der Erde geformt wurden. Ihr „Anfang“ ist unvermeidlich ganz verschieden von dem der Päpste, der Konzilien, der Väter und der Heiligen Schrift.
UTRAMQUE
Im lateinischen Text von Lateran IV wird utramque folgendermaßen verwendet:
Deus ... simul ab initio temporis utramque de nihilo condidit creaturam, spiritualem et corporalem, angelicam videlicet et mundanam ac deinde humanam quasi communem ex spiritu et corpore constitutam.
Die deutsche Entsprechung ist: Gott ... erschuf in seiner allmächtigen Kraft am Anfang der Zeit aus nichts zugleich jedes Geschöpf, geistig und körperlich, nämlich engelhaft und weltlich und schließlich das menschliche, das sozusagen gleichermaßen aus Geist und Körper besteht (DZ 428).
Diejenigen, die nicht damit übereinstimmen, dass Lateran IV theistische Evolution ausschließt, zeigen auf die Wörterbuch-Bedeutung von utramque, wonach es „jedes von zweien“ bedeutet. Ihr Argument ist, dass der Ausdruck „jedes Geschöpf“ sich auf jede der engelhaften und weltlichen Ordnungen bezieht und nicht die Engel auf der einen Seite und jede der einzelnen Tierarten auf der anderen Seite bedeutet. Der Ausdruck „Geschöpf“, so stellen sie ganz richtig heraus, bezieht sich nicht notwendigerweise auf Lebewesen. Er kann sich genauso gut auf unbelebte Dinge beziehen.
Folglich argumentieren sie, dass Lateran IV nicht erklärt, dass alle Dinge aus nichts erschaffen wurden, sondern nur die Himmel und die schlichte Erde, geschaffen am Tag Eins. Dieses Argument ist aus mehreren Gründen hinfällig:
(a) Lateran IV bezieht sich ganz sicher auf das Geistige und Körperliche als zweier „Geschöpfe“ ( Das 1. Vatikanum, Abschnitt III, Kapitel I, verwendet den Ausdruck „die zweifach geschaffene Ordnung“)8, aber das körperliche (oder weltliche) „Geschöpf“9 schließt gemäß dem katholischen Katechismus (KKK, 327) die gesamte irdische „Welt“ ein. Deshalb beziehen sich die ersten Worte des Lateran-Textes „Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren“ auf alle Dinge, die am Anfang aus nichts erschaffen wurden. Diese Tatsache wird durch den Text des 1. Vatikanums bestätigt, der darlegt, dass: ... die Welt und alle Dinge, die in ihr enthalten sind - sowohl die geistigen als auch die materiellen -, ihrer ganzen Substanz nach von Gott aus nichts hervorgebracht wurden (Kanon 5).
Die Verwendung des KKK von „die der Welt“ (im Sinne von weltlich oder körperlich – jene Dinge mit Körpern) ist die Entsprechung von mundanam oder corporalem im ursprünglichen lateinischen Text von Lateran IV. Es ist das Gegenteil von geistigen oder engelhaften Dingen ohne Körper (spiritualem und angelicam).
Gemäß dem Aufsatz Am Anfang (Christ to the World, 1988) des Dogmatikers Fr. Fehlner lehrt dieser Kanon:
Das Wesen endlicher Arten und die wesenhafte Struktur der Weltordnung sind nicht die Frucht der Aktivität dieser Arten, sondern ihre notwendige Voraussetzung, nur möglich vermöge eines ausgeprägten, göttlichen schaffenden Aktes
Der heilige Augustinus von Hippo hat die gleiche Sache Jahrhunderte vor Lateran IV gesagt:
... Er (Gott) machte und schuf alle Dinge, die existieren, insofern sie existieren. Das bedeutet, dass jedes Geschöpf, ob geistig oder körperlich, - oder, um es kürzer mit den Worten der heiligen Schriften selbst zu sagen: ob sichtbar oder unsichtbar – nicht aus Gott geboren ist, sondern aus nichts von Gott erschaffen ist (Unvollendetes Buch über die wörtliche Interpretation der Genesis).
(b) In seinem Kommentar aus dem Jahr 1895 über den Text des 1. Vatikanums, macht es Fr. Vacant klar, dass das Konzil das Wort utramque nicht mit Bezug auf die beiden „Geschöpfe“ Himmel und Erde aus Genesis 1 verwendet, sondern auf das „weltliche“ (als gegenüber dem engelhaften), d. h. alle geschaffenen Dinge außer dem Menschen. Er schreibt:
Das 1. Vatikanum bestätigt die Schöpfung und folglich die Existenz und verschiedene Natur von drei Klassen von Geschöpfen. Es zeigt auch die Zeit der Schöpfung an. Die drei erwähnten Klassen sind die Engel, materielle Körper und Menschen, deren Existenz und Natur im Kapitel 1 und im fünften Kanon definiert werden ... Unser Text nennt Engel Geister, als entgegengesetzt zu Körpern, die von ganz anderer Art sind; somit zeigt er, dass Geister keine Körper sind. Ferner vergleicht er Engel mit Menschen, die aus Körper und Geist aufgebaut sind... Die zweite Klasse von Geschöpfen ist aus körperlichen oder materiellen Dingen aufgebaut, die die Welt formen. Das Konzil erwähnt, dass sie verschieden sind von reinen Geistern und Menschen ... Hier ist zu beachten, dass die Worte „corporalem“ und „materiales“ nicht nur „rohe“ Materie bezeichnen, sondern auch organisierte Materie, sogar die „bewussten“ Wesen, denen die Einsicht vorenthalten ist und die mit sinnlichen Fähigkeiten ausgestattet sind. Es ist hier klar, dass der Ausdruck sich auf alle unter den Engeln und Menschen stehenden Geschöpfe erstrecken muss... Der Kontext des Kapitels (Kapitel 1 – Dei Filius Vat. I ) zeigt, dass das Wort „mundanam“ nur für materielle Geschöpfe gilt, während das Wort „mundus“ im Kanon allen Geschöpfen, sowohl den geistigen als auch den materiellen, entspricht... Das Konzil definiert die drei Klassen von Geschöpfen als hervorgebracht aus nichts in der Gesamtheit ihrer Substanz. Ohne sie als solche zu definieren, sagt das Konzil indirekt, dass die drei Klassen Substanzen sind im Unterschied zu einfachen Akzidenzien 10.
Die obigen Auszüge aus Fr. Vacants Studie über das 1. Vatikanum zeigen, dass er keinen Zweifel daran hat, dass der Ausdruck utramque de nihilo (jedes Geschöpf aus nichts) sich auf die Prototypen lebender Gattungen bezieht, die von Gott einzeln aus nichts erschaffen wurden. Theistische Evolutionisten und Anhänger der fortschreitenden Schöpfung versichern, dass die einzigen Dinge, die nicht aus bereits existierender Materie erschaffen wurden, die Himmel und die Erde waren, die am ersten Schöpfungstag erschaffen wurden. Sie folgern deshalb, dass die lebende Materie, die anschließend hervorgebracht wurde, nicht erschaffen wurde. Genesis 1, so sagen sie richtig, erklärt, dass jede Art oder Gattung aus bereits existierender Materie erschaffen wurde. Die Pflanzen und Tiere, zum Beispiel, wurden aus der Erde ins Dasein gerufen, Adam aus dem Staub der Erde und Eva aus Adams Rippe. Zu sagen, dass die Dinge, von denen sie kamen, nicht Teil oder enthalten waren in ihrer Substanz, erscheint ihnen unlogisch. Dieses Denken kommt aus der menschlichen Erfahrung, dass alle Lebewesen aus anderen Lebewesen kommen. Hunde kommen aus Hunden, Katzen aus Katzen und Elefanten aus Elefanten. Die Auffassung von einem Lebewesen, das aus einem nicht-lebenden Wesen kommt, steht im Gegensatz zur Erfahrung. Von allen lebenden Hervorbringungen in Genesis 1 wird jedoch berichtet, dass sie aus nicht-lebender Materie kamen, z. B. aus Wasser, Erde oder Staub. Zu sagen, dass das Wasser und die Erde Atome beinhalteten, die von Gott verwendet werden konnten, um lebende Wesen hervorzubringen, ist wie wenn man sagt, dass ein Künstler eine Leinwand verwendete, um ein Bild zu schaffen. Das Bild war nicht in der Leinwand, es war eine Vorstellung im Bewusstsein des Künstlers. Es war immateriell, bis der Gedanke durch Öle und Farbe auf die Leinwand übertragen wurde. Gott erdachte die verschiedenen Arten, bevor er ihnen die Existenz gab. Sie waren als Gedanke in seinem Bewusstsein, bis der Gedanke auf das Wasser, die Erde oder den Staub übertragen wurde; ihnen wurde durch Gottes Wort Materialität gegeben. Somit trugen der Staub, das Wasser und die Erde nichts zur Schöpfung des Menschen, des Fisches oder der Bäume bei; die letzteren wurden augenblicklich in ihrer gesamten Substanz erschaffen. Nach dem heiligen Thomas von Aquin: ... die leiblichen Formen, die die Körper hatten, als sie zuerst hervorgebracht wurden, kamen unmittelbar von Gott, dessen Gebot alleine die Materie gehorcht, als seine eigene echte Ursache. Um dies zum Ausdruck zu bringen, leitet Moses jedes Werk mit den Worten, die Gott sagte, ein, Dieses Ding soll sein, oder jenes, um die Entstehung aller Dinge durch das Wort Gottes anzuzeigen...11
Als er im Jahr 1845 schrieb, kommentierte der Übersetzer einer maßgeblichen französischen Ausgabe der Summa Theologiae, Fr. Lachat, die Erschaffung der leiblichen Geschöpfe wie folgt:
Die Dinge sollen in zwei Fällen zusammengesetzt sein: erstens, wenn sie unterschiedliche Einheiten oder mehrere Teile umfassen, wie Körper; zweitens, wenn sie endgültig, vollständig, durch die Einheit ihrer Prinzipien gebildet werden. Um den letzteren Fall sollte es in dem diskutierten Artikel gehen (ST, I, Q.45, a.4). Auf der anderen Seite können die Dinge entweder durch sich selbst fortbestehen, und gemäß dieser Hypothese sind sie Substanzen, oder durch Anhaftung im Subjekt existieren, und dann sind sie Akzidenzien. Was sollte unter zusammengesetzten oder fortbestehenden Dingen verstanden werden? Sie sollten als Substanzen verstanden werden, die vollständig, abgeschlossen, vollkommen sind, die alle ihre Elemente, Materie, Form und Akzidenzien umfassen.
Also was hat Gott erschaffen? Einige Lehrer in der Alten Kirche sagten, dass er die Ur-Materie erschaffen hat, mit den durchmischten Elementen, die Dichter nennen diese ungeformte Masse Chaos... dann, sagen sie, fertigte er aus ihnen die Sterne, die Planeten, die Erde, die Pflanzen, die Substanzen, die Formen und Akzidenzien, die das Weltall aufbauen. In diesem System wirkt der höchste Arbeiter vom Einfachen zum Komplexen, wobei er sich in der Ausführung seiner Arbeit graduell bewegt, sie in etlichen schrittweisen Arbeitsgängen macht und sie sorgfältig unterbaut.
Wir lesen in Genesis 1,1: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde“. Die Mutter der Makkabäer sagt zu ihrem Sohn (2 Mak 7,28): „Ich bitte Dich, mein Kind, schau dir den Himmel und die Erde an; sieh alles, was es da gibt, und erkenne: Gott hat das aus dem Nichts erschaffen, und so entstehen auch die Menschen.“ Und das (Vierte Lateran-) Konzil ... erklärt: „Der Schöpfer aller sichtbaren und unsichtbaren Geschöpfe, der geistigen und der körperlichen, machte aus nichts die geistigen und körperlichen Geschöpfe, die Engel, die Welt, danach den Menschen, der aus Körper und Seele aufgebaut ist.“ Versuche, zu zeigen, dass sich diese Worte nur auf Ur-Materie beziehen; alles, was wir sehen können, sind Substanzen in ihrer abgeschlossenen Vollständigkeit(Kommentar zu S th, I, Q. 45, a.4) [kursiv im Original].12
Dieser Auszug eines maßgeblichen Kommentators des Hl. Thomas aus der Vor-Darwinschen Zeit zeigt, wie die Erklärungen von Lateran IV über die Schöpfung, in Verbindung mit 2 Makkabäer 7,28, als Lehre verstanden wurden, gemäß derer Gott alleine die vollständigen Substanzen aller Gattungen von körperlichen und geistigen Wesen erschaffen hat, gerade so, wie man es von einem einfachen Lesen der Genesis, Kapitel 1 und 2, erwarten würde13. Derselbe Kommentar hilft, den radikalen Unterschied zwischen der Umwandlung von, sagen wir, Uran in Blei und der (gedachten) Umwandlung eines Reptils in einen Vogel zu verstehen. Im ersten Fall ist mit der Umwandlung bloß eine neue Anordnung der atomaren Bausteine der Materie verbunden – eine neue Anordnung, die auf natürlichem Wege passieren kann, ohne Erzeugung. Im letzteren Fall ist mit der Umwandlung einer organischen Einheit in eine andere unterschiedliche organische Einheit eine Umwandlung einer irreduzibel komplexen organischen Einheit in eine andere, völlig unterschiedliche, irreduzibel komplexe organische Einheit verbunden, und – und das ist ein entscheidender Punkt – ohne Erzeugung! Gemäß Lachat sind Substanzen, die diese irreduzibel komplexe organische Einheit besitzen, „vollständige, abgeschlossene, vollkommene Substanzen, die alle ihre Elemente, Materie, Form und Akzidenzien umschließen.“ Solche Substanzen können nicht durch nicht-erzeugende natürliche Vorgänge ins Dasein kommen, noch könnten sie jemals erzeugt werden, wenn nicht zuerst ihre Prototypen auf göttliche Weise erschaffen wären. In der Tat, selbst wenn die Materie der ersten Vögel, Reptilien, Säugetiere und anderen Lebewesen nicht „miterschaffen“ wäre, wäre die Bildung dieser Geschöpfe immer noch ein göttlicher Akt. Wie der Hl. Thomas lehrt, konnte alleine Gott, ex nihilo, die Form eines Vogels oder eines Wales erschaffen und Materie gemäß dieser Form durch sein Fiat gestalten. Kein natürlicher Vorgang würde in der Hervorbringung eines Wales aus Wasser oder eines Löwen aus dem Staub der Erde resultieren. Die Erklärungen von Lateran IV und des 1. Vatikanums über die Schöpfung stimmen mit der gleichbleibenden Lehre der Kirche völlig überein, dass die Formung der Prototypen aller Gattungen von Lebewesen Teil der schöpferischen Arbeit Gottes war, die mit der Erschaffung von Adam und Eva endete.
Auf ähnliche Weise wurde Adam, ein Gedanke im Bewusstsein des Schöpfers, aus Staub hervorgebracht. Aber der Körper und die Seele des ersten Menschen waren weder im Staub noch durch ihn verursacht. Aphraates, einer der Kirchenväter, erklärt: In Hinsicht, dann, auf die Auferstehung der Toten, meine Lieben, werde ich euch unterweisen, so gut, wie ich kann. Denn am Anfang erschuf Gott Adam. Aus dem Staub formte er ihn und erweckte ihn. Und wenn, als Adam nicht existierte, Er ihn aus nichts erschuf, wie viel einfacher wird es jetzt für Ihn sein, ihn zu erwecken; denn er wurde wie ein Same in die Erde gesät14.
Interessanterweise verteidigte ein großer Theologe des neunzehnten Jahrhunderts, Scheeben, die einzelne Erschaffung jeder Gattung von Geschöpfen am Anfang der Zeiten auf der Grundlage, dass der einfache Sinn von Genesis 1, wie er durch die Väter und Konzilien gedeutet wurde, diese Deutung verlangte. Ein berühmtes Handbuch der katholischen Theologie basierend auf Scheebens Dogmatiklehrbuch erklärt:
“Die materielle Welt verdankt ihr Dasein einem schöpferischen Akt Gottes; die verschiedenen Arten von Dingen, ihre Unterschiede, ihre Stellung und Funktionen im Weltall, sind, im ganzen, das direkte Werk Gottes, der sie nach einem eindeutig festgelegten Plan gemacht hat. Weder die Engel noch die ausschließlich natürliche Evolution machten aus der Welt, was sie ist. Organische Wesen, die sich jetzt durch Erzeugung selbst fortpflanzen, verdanken ihr Dasein weder spontaner Erzeugung noch unbewusster Evolution anorganischer Materie und Kräfte; jede Art wurde erschaffen, um ein göttliches Exemplar darzustellen, und hat die Macht erhalten, sich durch Hervorbringung von Individuen der selben Art weiterzuführen. Diese Lehre ist ausdrücklichst in der Schöpfungs-Erzählung in der Genesis enthalten [Betonung hinzugefügt]”15
Die Rationes seminales des Hl. Augustinus
Um ihr Argument glaubwürdig zu machen, wenden sich moderne theistische Evolutionisten der Idee des Hl. Augustinus von den geschaffenen Samen zu, aus denen im Anschluss an die Schöpfungsperiode Formen in Erscheinung traten. Zum Beispiel folgern sie, dass ein Same von Gott erschaffen wurde, der einige Millionen Jahre später einen Dinosaurier hervorbringen würde. Sie gehen sogar noch weiter und zitieren den Hl. Thomas, wie er die These des Hl. Augustinus bestätigt. Abgesehen davon, dass weder Augustinus noch Thomas irgendein Interesse daran hatten, eine Schöpfungszeit, die länger dauerte als ein einziger Augenblick oder sechs Tage, anzunehmen, wurde von Fr. Francesco Suarez S. J. gezeigt, dass das theologische Argument für die Erschaffung von Dingen in ihren Ursachen oder als metaphysische Samen, falsch ist. Dieser jesuitische Theologe wird als einer der größten, den die Kirche hervorgebracht hat, betrachtet. Er lebte im siebzehnten Jahrhundert, als Theorien von langen Zeitaltern und Evolution noch nicht eingeführt worden waren.
Seine Argumente spiegeln seine offensichtliche Kenntnis des Dogmas der Ex-nihilo-Schöpfung wieder, das 1215 von Lateran IV verkündet wurde. Das war sein Vorteil gegenüber Augustinus, der acht Jahrhunderte vor dem Konzil lehrte. Er zeigte auch, dass der heilige Thomas das Argument von Augustinus für Samen nicht unterstützte. In seinem zweiten Buch Über die Werke jedes der sechs Tage und über die Ruhe des siebten Tages schrieb er:
Weshalb, da die vorige Grundlage entfernt wurde und ein echter zeitlicher Abstand für diese Tage geschaffen wurde, wie andere Väter gelehrt haben, und woran wir festhalten, die Erklärung von Augustinus nicht notwendig ist. Und darüber hinaus, falls diese seine Diskussion auf festem Grund steht, könnte das selbe über die Hervorbringung der Fische und Vögel am fünften Tag gesagt werden, und anderer Tiere am sechsten Tag, weil alle diese Tiere zusammengesetzt sind, und deshalb wurden sie nicht in sich selbst im ersten Augenblick erschaffen: deshalb wird es notwendig sein, zu sagen, dass sie am fünften und sechsten Tag nur in der Möglichkeit oder im Samen gemacht wurden. Aber das kann in keiner Weise gesagt werden. Erstens, weil das offenkundig den Worten der Schrift entgegengesetzt ist, denn sie sagt zuerst: Gott schuf die großen Seetiere und jedes Lebewesen und jedes fliegende Wesen etc. Diese Worte sind in sich selbst eindeutig genug, werden aber dennoch offensichtlicher klar gemacht, weil, sobald die Dinge so hervorgebracht wurden, Gott [sie] segnete und sagte, Seid fruchtbar und vermehrt euch. Diese Worte setzen klar voraus, dass die Tiere bereits geschaffen worden waren, [Tiere], die ihresgleichen erzeugen konnten. Und auf die selbe Weise können die Worte des sechsten Tages herangeführt werden, in dem das Gesagte höchst augenscheinlich ist:
Und Gott erschuf den Menschen. Außerdem ist ein besonderer Vorgang (ratio) in den Tieren hinzugefügt, weil sie nicht durch Samen hervorgebracht werden können, denn der Same muss vom Tier selbst getrennt sein, und weder kann er natürlicherweise außerhalb des Tieres selbst erhalten werden, noch [kann er] seine eigene Tätigkeit beeinflussen, und deshalb war es notwendig, dass jede Tierart zuerst unmittelbar durch den Verfasser der Natur in irgendeinem Individuum oder in irgendwelchen Individuen gemacht wurde.
Somit wenden wir uns deshalb mit der selben Argumentationsweise den Pflanzen zu. Erstens allerdings, weil nicht nur gesagt worden war, Die Erde bringe hervor, sondern auch, So geschah es, hinzugefügt worden war. Aber was getan wurde, wird klar gemacht, denn hinzugefügt [sind die Worte]: Das Land brachte grünen Pflanzenwuchs hervor, alle Arten von Pflanzen, die Samen tragen, alle Arten von Bäumen, die Früchte bringen, mit ihrem Samen darin. Wobei ich an erster Stelle nicht sehe, wie dieser Satz, Das Land brachte hervor, die Wirklichkeit der Hervorbringung in Samen bestätigen kann. Denn die Erde, falls sie Samen hätte vor den Pflanzen, brachte den Samen nicht hervor, sondern erhielt ihn von Gott; deshalb, wenn sie den Pflanzenwuchs hervorgebracht hat, wie die Schrift sagt, ist es notwendig, dass sie den Pflanzenwuchs in der Tat und nicht im Samen oder in der Möglichkeit hervorgebracht hat. Auch erklärt die Schrift unmittelbar, was für eine Art von Pflanzenwuchs das war, grüner Pflanzenwuchs, der Samen trägt, alle Arten von Bäumen, die Früchte bringen, mit ihrem Samen darin, wobei es durch die Unterscheidung zwischen Pflanzenwuchs und Bäumen gegenüber Samen offensichtlich klar ist, dass die Erde den Pflanzenwuchs nicht in Samen oder Bäume nicht in Samen hervorbrachte, sondern vielmehr Pflanzenwuchs und Bäume hervorbrachte: von welchen der Same von ähnlichen Dingen stammte. Außerdem kann das unterschiedliche Verfahren, das für Tiere gemacht wurde, auf analoge Weise (cum proportione) für Pflanzen oder für Pflanzenwuchs gemacht werden. Denn diese Dinge sind nicht ohne ihren bestimmten Samen gemacht, insbesondere jene Dinge, die vollständiger sind; auf der anderen Seite sind in einigen Produkten der Erde die Frucht und der Same das selbe Ding; deshalb konnten sie nicht im Samen gemacht werden, bevor [sie] in der Frucht [gemacht wurden], wie im Weizen augenfällig ist und ähnlichen [Gräsern]. Deshalb konnten sie im ersten Augenblick der Schöpfung nicht in der Möglichkeit oder im Samen gemacht worden sein, sondern in der Tat, denn sie sind in jedem Fall von gleicher Beschaffenheit. Deshalb wurden sie am dritten Tag nicht als Samen, sondern als Früchte gemacht, oder wenigstens im Pflanzenwuchs, gerade wie die Tatsachen wörtlich erzählt werden. Aber in hölzernen Pflanzen oder Bäumen ist, obwohl der Same gewöhnlich von der Frucht unterschieden wird, sogar der Same selbst ein gewissermaßen zusammengesetztes Ding, das nicht am Anfang mehr erschaffen werden kann als andere zusammengesetzte Dinge. Aber nach dem Augenblick der Schöpfung, müssen wir sagen, dass solche Samen aus hölzernen Pflanzen oder Bäumen gemacht wurden, wie die Schrift sagt, und nicht umgekehrt. Aber falls zufällig jemand sagen sollte, dass Augustinus unter Möglichkeit oder Macht nicht die Samen von Pflanzen solcher Arten verstand, sondern dass der Erde eine andere Kraft zur Keimung gegeben wurde, muss dass mit der selben Leichtigkeit, mit der es behauptet wurde, zurückgewiesen werden, weil es keine Grundlage in der Schrift hat, und Augustinus selbst macht das klar, dass die Art von Kraft, die es ist, nicht gemäß der Naturen der Dinge erklärt werden kann: sondern man muss Glauben haben an (audienda non sunt) übernatürliche Werke, entweder durch außergewöhnliche Notwendigkeit oder durch hinreichendes Zeugnis. Das wird durch die Beantwortung der Argumente oder der vorigen Meinung bestätigt werden.
Er alleine brachte diese Dinge auf dem Wege von erster Schöpfung hervor, bevor sie von der Erde selbst auf eine natürliche oder gewöhnliche Weise hervorgebracht werden konnten. Wir haben diese Erklärung aus dem Zusammenhang und den darauf folgenden Worten bestätigt, und der Hl. Thomas lehrt sie, und sie ist üblich und ausreichend klar. Im Hinblick auf das zweite, lautet aus dem Ausdruck Die Erde bringe hervor, die erste Antwort, falls dieser Satz alleine, ohne eine weitere Aussage aufgestellt worden wäre, wäre die Erklärung zulässig gewesen; dennoch ist es aus den Worten, die folgen, klar, dass Gott der Erde nicht nur die Kraft zum Keimen gab, sondern sie auch veranlasste, unmittelbar zu keimen, oder Er schuf in ihr durch Seine Kraft Pflanzenwuchs und Pflanzen. Weswegen auch hinzugefügt werden kann, dass Gott der Erde an diesem Tag die Kraft gab, für immer durch eine fortlaufende Reihe von Generationen hervorquellen zu lassen, und das war in dem Ausdruck bringe hervor sicherlich gemeint; trotzdem war der Erde diese Kraft gegeben, um in ihr Pflanzen, Bäume, etc. hervorzubringen, aus denen Samen hervorkamen, wodurch die Erde fruchtbar wurde, um andere ähnliche Dinge hervorzubringen. Das scheint auch in den Worten selbst angezeigt zu werden, wenn erklärt wird, dass die Erde Pflanzenwuchs, der Samen trägt, alle Arten von Bäumen, die Früchte bringen, mit ihrem Samen darin hervorbrachte.
Im Hinblick auf das dritte, antwortet der hl. Thomas am besten, dass die Arbeit, insofern sie an diesem Tag getan wurde, nicht zur Arbeit der Verbreitung gehörte, denn sie wurde nicht auf die gewöhnliche Weise der Erzeugung aus verteilten Samen gemacht, sondern [sie gehörte] zur ersten Verfassung des Weltalls, in dem Maße, dass es vom Urheber der ganzen Natur unmittelbar hervorgebracht wurde, nicht nur was einfache Körper betrifft, sondern auch was außergewöhnliche Zusammensetzungen betrifft (wie ich deshalb behaupten sollte), die per se in das Weltall ausgebreitet wurden. Und sie gehörte besonders zur Arbeit der Verzierung im Hinblick auf die Erde, denn am Anfang war sie unbewohnt und leer, und auch unsichtbar und mit Wasser bedeckt. Mit der Entfernung der Wasser wurde sie sichtbar, wenigstens mit der Entfernung des Hindernisses. Damit sie nicht unbewohnt und leer sei, wurde sie unmittelbar mit Pflanzenwuchs und Bäumen geschmückt. Dies kann im Kapitel 2 der Genesis bestätigt werden, wo gesagt wird, dass in diesen sechs Tagen die Himmel vollendet wurden und ihr ganzer Schmuck. Aber niemand kann leugnen, dass Pflanzen und Gräser, die in der Tat hervorgebracht wurden, und in der Erde wurzelten, zu ihrem großen Schmuck gehören, was Samen allein oder die Macht, sie hervorzubringen, nicht gewähren [kursiv im Original, fett hinzugefügt]16.
Das Zeugnis des Lehramts durch die Päpstliche Bibelkommission von 1909
Die Anweisungen der Päpstlichen Bibelkommission (PBK) zur Auslegung des Buches der Genesis sind – zusammen mit Humani Generis, aber sogar mehr als diese – einige der letzten lehramtlichen Äußerungen zum Thema. Im Motu Proprio „Praestantia Scripturae“ vom 18. November 1907 erklärte der hl. Papst Pius X, dass niemand die Anweisungen der PBK anfechten könnte ohne „schwere Sünde“.
Die Antworten der PBK auf mehrere Fragen legen bestimmte Wahrheiten unmissverständlich fest. Ihre Antwort auf Frage I legt fest, dass der wörtliche geschichtliche Sinn der ersten drei Kapitel der Genesis nicht in Frage gestellt werden kann.
Ihre Antwort auf Frage II legt fest, dass die Genesis „Geschichten von Ereignissen, die wirklich geschahen, die der geschichtlichen Wirklichkeit und objektiven Wahrheit entsprechen“ enthält, nicht „Legenden, die teilweise geschichtlich und teilweise erfunden sind.“ Kurz gesagt, die PBK schließt definitiv die Möglichkeit aus, dass ein Teil der Erzählung von Genesis 1-3 erfunden und nicht-historisch sein könnte.
Die Antwort der PBK auf Frage III legt fest, dass die wörtliche und geschichtliche Wahrheit folgender Tatsachen nicht in Frage gestellt werden kann:
1) „Die Erschaffung aller Dinge, die von Gott am Anfang der Zeit gefertigt wurden.“
Kommentar: Dieser Abschnitt hält die Lehre von Lateran IV aufrecht, dass alle Dinge von Gott „am Anfang der Zeit“ erschaffen wurden.
2) „Die einzelne Erschaffung des Menschen“
Kommentar: Das schließt jedes Fortschreiten in der Bildung des Menschen aus und erfordert, dass die Erschaffung des Menschen unmittelbar und augenblicklich war.
3) „Die Bildung der ersten Frau aus dem ersten Mann“
Kommentar: Auch dies schließt jedes Fortschreiten in der Bildung der ersten Frau aus und erfordert, das die Erschaffung von Eva unmittelbar und augenblicklich war.
Als Kardinal Suhard im Jahr 1948 versuchte, die PBK dazu zu bewegen, ihre früheren Anweisungen zur Genesis zu verleugnen, wurde er abgewiesen und es wurde ihm geantwortet, dass die PBK nicht wünschte, „neue Dekrete zu diesen Fragen“ (DZ 2302) zu erteilen. Konsequenterweise muss das nächste lehramtliche Dokument, das sich explizit mit den geschichtlichen Ereignissen, die in Genesis 1-3 erzählt werden, Humani Generis, im Zusammenhang mit den Anweisungen der PBK von 1909 verstanden werden. In diesem Zusammenhang – und NUR in diesem Zusammenhang – kann und sollte die Erlaubnis von Papst Pius XII verstanden werden, Forschungen anzustellen „über den Ursprung des menschlichen Körpers als aus bereits existierender und lebender Materie kommend“. Im Blick auf die Weigerung des Vatikans, das Dekret zu Genesis 1 von 1909 zu ändern, sind Katholiken immer noch durch sie gebunden. Papst Pius XII selbst verurteilte in Humani jene, die diese Freiheit der Erörterung [überschreiten], da sie so tun, als sei der Ursprung des menschlichen Körpers aus einer bereits bestehenden und lebenden Materie bereits sicher und durch bestimmte bereits gefundene Hinweise bewiesen, und abgeleitet durch Schlussfolgerungen, und als ob es nichts in den Quellen der göttlichen Offenbarung gäbe, das auf diesem Gebiet die größte Mäßigung und Vorsicht gebietet (DZ 2327).
Obwohl Pius XII „Exegeten“ mit der Arbeit beauftragte, zu bestimmen, in genau welchem Sinn die ersten elf Kapitel der Genesis Geschichte sind, beharrte er darauf, dass die ersten elf Kapitel der Genesis „eine Art von Geschichte“ sind und dass sie eine weitverbreitete Beschreibung der Ursprünge des Menschengeschlechts und des auserwählten Volkes enthalten. Er hielt auch die gleichbleibende Lehre der Kirche aufrecht, dass diese Kapitel „frei von jedem Fehler“ (DZ 2329) sind.
Die Initiative ergreifen
Nun, wenn die Geologen des neunzehnten Jahrhunderts recht hätten und das Alter von Gesteinsschichten in Zeiten von Tausenden oder Millionen von Jahren gemessen werden könnte, dann gäbe es guten Grund, das ursprüngliche Verständnis des Alters der Gesteine neu zu untersuchen. Dieses Verständnis war ganz einfach, dass die Fossilien-tragenden Gesteine durch die Erosion von unzählbaren Millionen Tonnen von Ablagerungen zur Zeit der Großen Flut gebildet wurden. Alle Luft-atmenden Landlebewesen ertranken und wurden in den Ablagerungen begraben.
Dieses Ereignis wäre, errechnet aus den biblischen Stammbäumen, spätestens etwa 4500 Jahre vor der Gegenwart geschehen. Falls ohne einen Schatten von Zweifel bewiesen werden könnte, dass sich diese Gesteinsformationen über enorme Zeitepochen aufgebaut haben, dann müsste die traditionelle Lehre über die Schöpfung und die Flut, die von Moses bis zu den Geologen des neunzehnten Jahrhunderts weitergegeben wurde, ernsthaft hinterfragt werden. Um einen derart radikalen Schritt zu tun, müsste jedoch ein sehr klarer Beweis geliefert werden. Es scheint, dass in der Eile, die „langen Zeitalter“ aufzunehmen, die Zuverlässigkeit der neuen geologischen Hypothese nie hinterfragt wurde.
Der Glaube an „Tag-Zeitalter“ verschmolz rasch mit einem Glauben an biologische Evolution. Der letztere hing von Fossilien ab und von Lyells Interpretation sehr „alter“ Gesteinsschichten, in denen sie gefunden werden. Ein weiteres Mal dachte man nicht, dass ein Rückgriff auf empirische Beweise notwendig wäre. Die Materialisten fanden so, unwidersprochen, einen hervorragenden Weg, um zu zeigen, dass die Lehre der Kirche nicht nur fehlbar ist, sondern ganz falsch.
Eingeschüchtert durch die praktische Macht der Wissenschaften in einer zunehmend technischen Welt, nahmen die meisten Theologen, anstatt die Voraussetzungen der exegetischen Revolution in Frage zu stellen, die neue Synthese von Schöpfung und Evolution an. Unter diesen Umständen begann man, den von der Evolution angetriebenen Naturalismus in den Klassenzimmern zu lehren.
Er erklärte den Ursprung der Dinge durch natürliche wissenschaftliche Gesetze. Die augenblickliche Erschaffung jedes lebenden Wesens durch göttliches Fiat wurde durch das Konzept eines schrittweisen Evolutionsprozesses ersetzt. Innerhalb dieses Paradigmas war die Allmacht Gottes weniger augenscheinlich und es lag nur wenig im Weg, um sie vollständig zu verwerfen.
Ein Grund für das scheinbar fehlende Interesse von Seiten der Kirchenmänner, die Wahrheit der großen Zeitalter, die man den Gesteinen beimaß, zu prüfen, war der weitläufige Glaube, dass das Alter der Erde in keiner Beziehung zur Glaubenslehre der Kirche stünde. Jedoch zeigten die Schriften von Theologen des neunzehnten Jahrhunderts, wie Fr. Vacant, dass das Alter der Gesteine der hauptsächliche Grund hinter der Aufgabe der traditionellen Schöpfungstheologie war. Zum Beispiel stellt Fr. Vacant fest, dass, anstatt die traditionelle Lehre aufrechtzuerhalten, dass der Mensch am sechsten Schöpfungstag erschaffen wurde, die Gesteine zeigen, dass der Mensch nach einer langen Linie von vorangegangenen Bewohnern erschienen ist: Die Geologie hat auch begründet, dass der Mensch das letzte Wesen ist, dass auf der Erde erschien, und dass sie durch eine lange Reihe von anderen Bewohnern darauf vorbereitet wurde, ihm als Herrschaftsbereich zu dienen17.
In geologischer Hinsicht hängt die Frage, ob die Erde jung ist, vom Alter ihrer Bestandteile ab. Das Alter dieser Teile wird durch die Zuverlässigkeit der Datierungsmethoden, die auf sie angewendet werden, bestimmt. Dieses Thema wird in diesem Artikel später genauer untersucht. Was die Menschen jedoch wirklich interessieren sollte, ist, ob die geologischen Daten zum Ursprung des biologischen Lebens, einschließlich des Menschen, mit der Lehre der Kirche zusammengehen. Kurz gesagt, eine umfassende Bewertung der Beanstandung kann unter drei Überschriften erfolgen:
1. geologische Daten 2. Auswirkungen des Glaubens an lange Zeitalter auf die Lehre der Kirche 3. Zeugnis der Schrift.
1. Geologische Daten
Gemäß der Evolutionstheorie war die erste Spur lebender Zellen in der frühen kambrischen Epoche vor ungefähr 540 Millionen Jahren (Internationale stratigraphische Karte – Internationale stratigraphische Kommission – Januar 2002). Es wird behauptet, dass das Fortschreiten des einzelligen Lebens durch die verschiedenen Stufen der Evolution hin zu den lebenden Formen, die heute auf der Erde gefunden werden, einschließlich des Menschen, anhand des Fossilberichts dokumentiert worden wäre. Die Fossilien werden direkt aus dem Alter der Gesteinsschichten, in denen sie gefunden werden, datiert und indirekt durch radiometrische Datierung von Lava-Tuffstein in der Nähe des Fossils. Im Falle eines Konflikts zwischen den beiden Daten, erhält die stratigraphische Datierung den Vorrang.
Unter der Annahme, dass die stratigraphischen Prinzipien, die große Zeitalter für Gesteinsschichten beweisen, richtig sind, steht das Argument für eine langsame und unnachgiebige biologische Evolution lebender Materie außer Frage. Sie wurde von den führenden Biologen, Genetikern, Anatomen, Paläontologen und Geologen unserer Zeit untersucht und für “todsicher” erklärt. Die Aussage wird in allen Stätten des Lernens, einschließlich Seminaren, als praktisch feststehende Tatsache gelehrt. Unvermeidlich wurden die Öffentlichkeit und der Klerus nach Jahrzehnten der Verbreitung durch die Kommunikationsmedien überzeugt. Logischerweise lässt die Aussage keine wissenschaftliche Alternative zu einem langen hingezogenen Evolutionsverlauf zu. Diejenigen, die damit nicht übereinstimmen, aber dennoch an die großen Zeitalter der Gesteinsschichten glauben, haben wirklich keine wissenschaftliche oder intellektuelle Grundlage, um dies zu tun. Das Alter der Gesteine und der Fossilien in ihnen liefert den unanfechtbaren Beweis. Wenn deshalb Leute behaupten, dass der Glaube an die langen Zeitalter der Gesteine vom Glauben an die Evolution getrennt werden kann, dann muss man annehmen, dass sie die Fakten, die von allen Bereichen der wissenschaftlichen Gemeinschaft präsentiert werden, nicht ausreichend studiert haben.
Wie es jedoch bei den meisten wissenschaftlichen Theorien ist, wurde in der Stratigraphie ein stabil konstruierter Überbau auf einem Unterbau begründet, der eine oder mehrere Annahmen enthält.
Glücklicherweise entdeckte ein Experimentator vor etwa 20 Jahren, dass die grundlegenden Prinzipien, anhand derer die Ablagerungsschichten datiert werden, seit ihrer Veröffentlichung im siebzehnten Jahrhundert durch einen dänischen Naturalisten namens Nicolas Steno mehr zu ihm, niemals im Labor überprüft wurden. Über drei Jahrhunderte später unternahmen Guy Berthault und Kollegen an der Colorado State University Schwimmrinnen-Versuche, die zeigten, dass sich in einer Wasserströmung Schichten nicht nacheinander und in vertikaler Richtung eine über der anderen bilden, wie von Steno vorgeschlagen. Ihr Bericht wurde geprüft und von der Französischen Geologischen Gesellschaft veröffentlicht. Darauf folgende Feldstudien, die die Colorado State-Versuche bestätigten und vervollständigten, wurden 2002 und 2004 durch die Russische Akademie der Wissenschaften in ihrer Zeitschrift Lithologie und mineralische Bodenschätze veröffentlicht. Als sie auf geologische Formationen angewendet wurden, deren Bildung vermeintlich hunderte von Millionen von Jahren dauerte, (z. B. die Tonto Gruppe im Grand Canyon in der kambrischen Periode), setzten experimentelle Daten und paleohydraulische Analysen die Dauer der Bildung auf ein Maximum von mehreren Wochen. Die geologische Zeitskala und Datierung des Fossilberichts wurden so durch Beobachtungen, die durch sorgfältige Laborversuche überprüft wurden, entkräftet.
Die Proteste von Geologen und Evolutionisten sind bitter und Ad-hominem-Angriffe auf den Experimentator sind zahlreich. Dennoch wurde kein experimentell gestütztes Argument gegen die Labor- und Feld-Beweise hervorgebracht. In jedem Fall sind die Versuche, die durch professionelle Gutachter überprüft wurden, die Art von empirischem Beweis, die die Wissenschaft entwickelt. Er kann beobachtet werden, wiederholt werden und bleibt unverändert für alle zukünftigen Generationen abwägbar18.
Obwohl die Methode, mit der den Gesteinen lange Zeitalter zugeordnet wurden, lange bevor radiometrische Datierungsmethoden eingeführt wurden, vorgeschlagen wurde, wurden die letzteren dazu benutzt, um die stratigraphischen Daten und das Alter der in den Gesteinen gefundenen Fossilien zu bestätigen. Übereinstimmung zwischen den beiden wurde behauptet. Jedoch schließen die Annahmen, auf denen die Datierung mit Radio-Isotopen gründet, ausnahmslos die Anerkennung langer Zeitalter ein. In der Tat werden einige Methoden, z. B. Kalium/Argon (die am weitesten verbreitete Methode der Fossiliendatierung), als unpassend betrachtet, wo bekannt ist, dass die Gesteinsproben aus jüngerer Zeit stammen. Sie werden nur auf Gesteine angewendet, von denen man annimmt, sehr alt zu sein. Hier ist nicht der Ort, um die physikalischen Prozesse zu diskutieren, die mit der Radiometrie verbunden sind, aber es soll genügen, zu sagen, dass, wo es einen Konflikt zwischen den beiden gibt, stratigraphische Daten als zuverlässiger betrachtet werden19.
2. Auswirkungen des Glaubens an lange Zeitalter auf die Lehre der Kirche
Wir haben gesehen, dass die Lehre der Kirche über die Ex-nihilo-Schöpfung und ihre wesentlichen Grundsätze 1215 durch Lateran IV formuliert wurden, Jahrhunderte vor geologischen Spekulationen über lange Zeitalter. Sowohl Lateran IV als auch das 1.Vatikanum, das die selbe Lehre über die Schöpfung 1870 wiederholte, befassten sich mit dem Pantheismus in der einen oder anderen Form. Das Konzil des dreizehnten Jahrhunderts war inter alia (unter anderem) gegen die Albigenser und Waldenser gerichtet und das 1. Vatikanum gegen Materialisten und Pantheisten per se. Der Pantheismus leugnet, dass: ... die Welt und alle Dinge, die in ihr enthalten sind - sowohl die geistigen als auch die materiellen -, ihrer ganzen Substanz nach von Gott aus nichts hervorgebracht wurden (1. Vatikanum - Kanon 5).
Er ist unvereinbar mit den ersten Worten der Zusammenfassung des katholischen Glaubens, dem Credo, das in der Messe bekannt wird: Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Die Bedeutung der Worte „Himmel und Erde“ wird im katholischen Katechismus angegeben:
Das Apostolische Credo bekennt, dass Gott „der Schöpfer des Himmels und der Erde“ ist, und das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel verdeutlicht: „der sichtbaren und der unsichtbaren Welt“ (KKK 325).
In der Heiligen Schrift bezeichnet das Wortpaar „Himmel und Erde“ alles, was existiert: die gesamte Schöpfung (KKK 326).
Mit den Worten des Theologen Fr. Peter Fehlner: Die Formel des Glaubensbekenntnisses für die Schöpfung, gesehen vor ihrem Hintergrund in der Schrift, enthält ganz explizit die folgenden Punkte:
1. Der Eine und einzige Gott, der völlig unvergleichliche, ist der Schöpfer von allem anderen; aus diesem Grund hat der gesamte Kosmos einen Anfang in der Zeit. Er ist nicht ewig – unendlich.
2. Nicht nur ist alleine der Schöpfer für die Existenz der Welt verantwortlich, sondern es ist grundsätzlich sein charakteristisches Handeln, das der Welt die Ordnung gibt, in dem es die charakteristischen Beschaffenheiten oder Arten in ihrem Wesen festlegt und indem es die Gesetze oder Strukturen, die die darauf folgenden Aktivitäten der geschaffenen Stoffe regeln, festlegt 20
Da, gemäß Lateran IV, alle Dinge am Anfang erschaffen wurden (KKK 327) und der Ausdruck „erschaffen“ augenblickliche Hervorbringung eines Dinges aus nichts in all seinen Teilen (1. Vatikanum: „in seiner ganzen Substanz“) bedeutet, ist das Postulat, dass Gott am Anfang Materie programmierte, damit sie sich aus einer Wesenheit in eine neue umwandelt, ausgeschlossen.
Theistische Evolutionisten halten daran fest, dass die Arten, die heute auf der Erde gefunden werden, das Ergebnis eines fortwährenden evolutionären Prozesses sind, der von Gott gelenkt wird. Indem sie das tun, widersprechen sie der Lehre des hl. Thomas von Aquin, der zeigte, dass kein Geschöpf an der Erschaffung eines anderen Geschöpfs teilnehmen kann. Gemäß dem hl. Thomas:
Doch so etwas kann nicht sein, denn die sekundäre mithelfende Ursache nimmt nicht an der Handlung der übergeordneten Ursache teil, außer insoweit, dass sie durch etwas, das ihr eigen ist, bestimmend auf die Wirkung auf den grundlegenden Stoff handelt. Wenn sie deshalb nichts bewirkt, gemäß dem ihr eigenen, wird sie zu keinem Zweck verwendet, noch wäre irgendein Bedarf an bestimmten Hilfsmitteln für bestimmte Handlungen... Nun ist die eigentümliche Wirkung von Gottes Erschaffen das, was alle anderen Wirkungen erfordern, und das ist absolutes Sein. Deshalb kann nichts anderes bestimmend und als Hilfsmittel für diese Wirkung handeln, denn die Schöpfung geht nicht von etwas Erforderlichem aus, das durch die Handlung des mitwirkenden Stoffes bestimmt werden kann. So ist es deshalb unmöglich für irgendein Geschöpf, zu erschaffen, weder aus seiner Kraft noch als Hilfsmittel – das heißt, unterstützend21.
Theistische Evolutionisten können nicht glauben, dass jede Art von Lebewesen in seiner ganzen Substanz unmittelbar von Gott erschaffen wurde, ganz verschieden von anderen Arten von Lebewesen. Sie können nicht glauben, dass all die Arten von Lebewesen getrennt und verschieden aus nichts erschaffen wurden. Sie glauben, ipso facto, dass ursprünglich von Gott erschaffene Lebewesen sich entweder durch die Macht Gottes oder durch die Kraft der Natur mit anderen geschaffenen Dingen verbinden können, um aus dem ursprünglich geschaffenen Ding ein unterschiedliches Wesen zu bilden. Die Idee, aber, dass Gott geschaffene Organismen mit der Fähigkeit begabt hat, neue Arten von Organismen zu erschaffen, ist reiner Pantheismus.
In der Praxis verläuft der angenommene evolutionäre Fortschritt der Lebewesen durch die Vermittlung von genetischen Mutationen. Ein Gen, das für eine oder mehr Proteinfunktionen kodiert, mutiert und verursacht eine Veränderung im Organismus. Wenn die Veränderung vorteilhaft für den Organismus wäre, könnte sie mit anderen vorteilhaften Mutationen beibehalten werden, bis genügend neue Information verfügbar wäre, um eine neue Art von Organismus zu erschaffen. Obwohl die experimentelle Forschung immer noch ein einziges Beispiel einer Information-erhöhenden Mutation vorlegen muss, die zur Hervorbringung eines neuen Organs geführt hat, behauptet die theistische Evolution, dass Gott indirekt die Umwandlung der Arten verursacht, indem er mutierten Genen die Kraft gibt, solche Veränderungen zu bewirken22.
Die Verbindung zwischen theistischer Evolution und Pantheismus wurde vom franziskanischen Dogmatiker Fr. Peter Fehlner erwähnt, dem früheren Dozenten an der Hochschule Seraphicum in Rom, wie folgt: Die Tätigkeit eines geschaffenen Stoffes erfordert die vorangehende Existenz der Welt und der Arten und kann nicht über diese Grenzen hinausreichen. Die Tätigkeit des Schöpfers erfordert dies nicht. Jede Ablehnung der Erkenntnis der radikalen Unzulänglichkeit natürlicher Vorgänge als eine Erklärung für den Ursprung der Welt und des Unterschieds der Arten muss logischerweise dazu führen, dass die Wahrnehmung des Unterschieds zwischen Gott und Seiner Schöpfung misslingt (Pantheismus). Der Pantheismus im Gewand christlicher Terminologie wird eine besonders heimtückische Form des Synkretismus23.
3. Das Zeugnis der Schrift
Auf lange Zeitalter wird in der Bibel nicht einmal angespielt. Die ersten elf Kapitel der Genesis machen keinen Andeutung auf Millionen Jahre oder dergleichen, die zwischen der Erschaffung Adams und der Erwähnung Abrahams vergangen wären. Die Stammbäume in den frühen Kapiteln der Genesis zeigen Kontinuität. Warum sollte plötzlich, während weniger Jahre um 1860 herum, die Geschichte von Adam und seinen Nachfahren einschließlich der Flut als eine Allegorie über Bord geworfen werden? Eine zuerst vom hebräischen Volk und dann von den Christen bejahte Geschichte, die ohne Frage einen Zeitraum über mehrere Tausend Jahre beschreibt. Ist es möglich, dass Gott den Patriarchen, Aposteln, Kirchenvätern, Lehrern und Päpsten, die nicht die Beihilfe der geologischen Hypothese des neunzehnten Jahrhunderts von langen Zeitaltern hatten, erlaubte, jahrhundertelang Irrtum zu lehren? Könnte es nicht wahrscheinlicher sein, dass die Vertreter der Kirche Recht hatten und die Geologen Unrecht?
Ist es nicht bedeutsam, dass Jesus Christus selbst lehrte, dass der Schöpfungsbericht und die Sintflut geschichtlich waren? Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen. (Mk 10,6) Denn wie es in den Tagen des Noach war, so wird es bei der Ankunft des Menschensohnes sein. Wie die Menschen vor der Flut aßen und tranken und heirateten, bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging, und nichts ahnten, bis die Flut hereinbrach und alle wegraffte... (Mk 24,37-39)
Ergebnis
Lange Zeitalter fuhren mit der zerstörerischen Kraft von Bulldozern in neunzehn Jahrhunderte sorgfältig aufgebauter katholischer Lehre hinein. Der erste größere Verlust waren die ersten drei Kapitel der Genesis. Der Alarm der Glaubenshüter, die diese Kapitel angegriffen sahen, brachte eine Erklärung der Kardinäle der Päpstlichen Bibelkommission von 1909 hervor, dass der wörtliche und geschichtliche Sinn von Genesis 1-3 nicht in Frage gestellt werden könne. Die Entscheidung der Kommission wurde durch Pius X in das Lehramt aufgenommen (Motu Proprio, „Praestantia Scripturae“, 18. Nov 1907, das sich auf nachfolgende Entscheidungen der Bibelkommission erstreckte). In der Begeisterung, mit der die geologischen Spekulationen aufgenommen wurden, war diese präventive Maßnahme bald nichts mehr als ein toter Brief. Das zweite Opfer war Genesis 4-11. Der höhere biblische Kritizismus schloss sich dem Angriff an und erklärte alle die Kapitel, die langen Zeitaltern entgegengesetzt waren, für allegorisch. Die Große Flut und der Turm von Babel, die nicht in das Szenario der langen Zeitalter passten, fielen in der Schlacht. Nicht dass eine wirkliche heftige Kontroverse stattgefunden hätte. In der Rückschau scheint es, dass das theologische Denken überhaupt keinen Widerstand geleistet hatte. Es hatte sich mit den gewaltigen geologischen Epochen in einer erstaunlich kurzen Zeit in Einklang gebracht. Abgesehen vom Schaden, der der Lehre zugefügt wurde, hätten die archäologischen Entdeckungen vom neunzehnten Jahrhundert an zur Vorsicht mahnen sollen. In der Tat zeigten diese Entdeckungen, dass die biblische Geschichte untermauert wurde durch freigelegte Gebäude, Gegenstände und Tontafeln, die chronologische Daten lieferten. Sie gaben zu erkennen, dass die Länge der aufgezeichneten biblischen Geschichte nicht mehr als wenige Tausend Jahre war. Sie zeigten, dass die heiligen Texte von Tatsachen sprachen und nicht nur Symbolen. Weil die gesamte Schrift als Wegweiser zum Heil geschrieben wurde, scheint es legitim, zu fragen, warum der Leser plötzlich all die Texte, die Genesis 12 vorangehen, als allegorisch behandeln sollte. Weshalb sollte man plötzlich, anstelle einer kontinuierlichen Geschichte über relativ kurze Zeiträume, Hunderttausende von Jahren zurückspringen ohne solide Begründung? Warum sollte man biblische Texte (Genesis 1-11) in die Nebel unvorstellbarer vergangener Zeit zurückdrängen, die sich auf Vorfahren von Persönlichkeiten beziehen, die im Kapitel 12 erwähnt werden, wie Abrahams Vater, seinen Bruder und seine Frau Sarah in Genesis 11? Wenn der Autor es für sein Volk als notwendig erachtete, die Ursprünge zu kennen, weshalb sind dann die wichtigsten Heilslehren in einem Teil der Heiligen Schrift offenbart, der vom Hauptteil abgekoppelt ist und einer unvorstellbaren und unsicher entfernten Vergangenheit zugeordnet wird? Die Erbsünde, in Genesis 3, wurde als Ursache, seit dem Sündenfall, für die Neigung des Menschen zur Sünde und für jede Schwierigkeit, der man im täglichen Leben begegnet und für Leid und Tod, gelehrt. Warum sollte die Wirkung einer solchen Lehre, die für die Existenz des Menschen so bedeutsam ist, für all diese Hunderttausende von Jahren nicht aufgezeichnet werden? Warum werden die Wurzeln der Erlösung, der Taufe und der Eucharistie, die sich aus der ersten Sünde des Menschen erheben, derart durch die Zeit verschleiert, dass sie unwichtig erscheinen? Warum wird der Grund für die Unbefleckte Empfängnis durch Äonen von Zeit vom Rest der offenbarten Wahrheit getrennt?
Warum geben die ersten elf Kapitel der Genesis, ohne einen Bruch in ihrem Erzählstil, den Eindruck, dass ihnen Kapitel 12 fortschreitend folgen sollte? Möchte uns der Autor täuschen?
Eine schwierig zu beantwortende Fragen, es sei denn, diese langen Zeitalter hat es nie gegeben.
Für Katholiken ist eine De-fide-Lehraussage eines Kirchenkonzils unfehlbar. Das ist sowohl für Lateran IV als auch für das 1. Vatikanum hinsichtlich der Schöpfungslehre der Fall. Sowohl die Evolutionstheorie als auch die Lehre der fortschreitenden Schöpfung werden durch die einfachen Erklärungen der Konzilien, richtig dargelegt, ausgeschlossen: (i) Gott, der Schöpfer alles sichtbaren und unsichtbaren,... zugleich am Anfang der Zeit (Lat. IV) und (ii) die Welt und alle Dinge, die in ihr enthalten sind... ihrer ganzen Substanz nach von Gott aus nichts hervorgebracht wurden (Vat. I).
Diejenigen, die damit nicht übereinstimmen, verschließen ihre Augen vor der theologischen Bedeutung der Ausdrücke zugleich, am Anfang der Zeit, alle Dinge, Schöpfer und erschaffen, wie sie vor dem Hintergrund der Schrift von allen Vätern und Lehrern der Kirche verstanden wurden. Dies ist der Grund, weswegen unhaltbare Debatten über die Übersetzung dieser dogmatischen Dekrete durch theistische Evolutionisten und Anhänger der fortschreitenden Schöpfung die Gläubigen dazu verleitet haben, an der maßgeblichen Auslegung von Gottes Wort durch die Konzilien zu zweifeln. Die gegenwärtige Krise des Glaubens, die sich in den letzten Jahren verstärkt hat, ist das direkte Ergebnis des Glaubens und der Lehre, dass es eine natürliche Erklärung für den Ursprung aller Dinge gibt. Der Materialismus, angetrieben durch den Naturalismus, hat den Glauben an die Allmacht Gottes, die die Welt und alles, was in ihr ist, aus nichts hervorbrachte, ersetzt. Kinder, die von den seltenen Eltern, die noch an göttliche Schöpfung glauben, vor dem Naturalismus beschützt wurden, werden letztendlich erliegen, sobald sie im akademischen System aufgehen. Paradoxerweise sind Anhänger der fortschreitenden Schöpfung, jene, die lehren, dass Gott neue Arten ex nihilo einführte, jede durch lange Zeiträume getrennt, die Hauptverantwortlichen. Sie scheinen Rechtgläubigkeit zu lehren, indem sie hinsichtlich der Ex-nihilo-Schöpfung an die Kirchenväter appellieren, während sie sich lange Zeitalter zu eigen machen, die durch die selben Väter widerlegt werden.
Zu meinen, die katholische Kirche habe darin versagt, sich selbst gegen den fortwährenden Kampf gegen ihre Lehre zu schützen, heißt, die Allwissenheit und die Allmacht Gottes zu bezweifeln. Sein Schutz war von Anfang an da mit dem ersten Satz des Apostolischen Glaubensbekenntnisses. Es wurde wiederholt und ausgeweitet durch die Konzilien von Nizäa (325) und Konstantinopel (381), das Firmiter von Lateran IV (1215) und das Dei Filius des 1. Vatikanums (1870). Das Übergehen der Kirchenväter und Lehrer und das Auslegen lehramtlicher Dokumente auf eine unterschiedliche Weise als die ursprünglichen Autoren müssen aufhören. Es mag einer weitgehend materialistischen wissenschaftlichen Gemeinschaft Befriedigung verschaffen, aber zu einem hohen Preis für unsterbliche Seelen.
Hugh Owen & Peter Wilders Kolbe-Zentrum für das Studium der Schöpfung Übersetzung von Dr. Peter Seiler www.kolbecenter.org
Anmerkungen 1 Mit dem Ausdruck „Fortschritt der Wissenschaft“ meint der Kanon die Entwicklung der Wissenschaft, die aus einer katholischen Perspektive gut oder schlecht sein kann. Die Kirche begrüßt echten Zuwachs an wissenschaftlichem Verständnis, das niemals der katholischen Lehre widersprechen kann.
2 Fr. A. Vacant, Études théologiques sur les Constitutions du Vatican d'après les actes du Concile, Art. 205
3 „Das Wort simul ('zu einer Zeit', 'alles zugleich') in der lateinischen Version scheint eine Fehlübersetzung des griechischen koϊne ('üblich', 'ohne Ausnahme') zu sein. Deshalb wäre wahrscheinlich eine genauere Übersetzung: „Er, der in Ewigkeit lebt, schuf das ganze Universum“ (John Hammond Taylor, S.J., in A. Augustine, The Literal Meaning of Genesis (übersetzt und kommentiert von John Hammond Taylor, New York: Newman Press, 1982, Buch
4, Kap. 33, Fußnote 69, S. 142
4 Fr. A. Vacant, Études théologiques sur les Constitutions du Vatican d'après les actes du Concile, Art. 224
5 Fr. Peter D. Fehlner, O.F.M., Conv. STD, In the Beginning, 1987, S. 19
6 Fr. Peter D. Fehlner, op. cit., S. 30
7 Fr. Peter D. Fehlner, op. cit. S. 12
8 Diese Übersetzung von „creaturam“ findet sich in Decrees of the Ecomenical Councils, Band 2, Norman P. Tanner S. J. (Georgetown University Press, 1990).
9 Fr. Vacant erklärt, dass das Wort „Geschöpf“ dem Menschen, wie den Engeln und den Körpern (corps) zugeordnet wird, und (der Text) erklärt, dass der Mensch aus nichts erschaffen wurde WIE die anderen Geschöpfe – de nihilo conditit (Art. 208).
10 Fr. A. Vacant, Études théologiques sur les Constitutions du Vatican d'après les actes du Concile, Art. 199, 202
11 St. Thomas Aquinas, ST, 1 Q. 65 a.4
12 Lachat hat dieses Zitat aus Lateran IV versehentlich dem Konzil von Florenz zugeordnet.
13 Kommentar von F. Lachat, der die Summa des Hl. Thomas aus dem Lateinischen ins Französische übersetzt hat (Paris, Vivier, 1855).
14 Aphraates der persische Weise, Aufsätze (8,6)
15 Ein Hanbduch der katholischen Theologie basierend auf Scheebens Dogmatik, Joseph Wilhelm und Thomas B.Scannell, Vol. I , Kap. IV, Absch. 122, 1, S. 383 (London: Kegan Paul, 1890)
16 Francisco Suarez, Über die Werke jedes der sechs Tage und über die Ruhe des siebten Tages, S. 139-141 Generis
17 Fr. A. Vacant, Études théologiques sur les Constitutions du Vatican d'après les actes du Concile
18 Die Forschung von Guy Berthault kann auf www.sedimentology.fr eingesehen werden.
19 Für eine detaillierte Kritik von Methoden, die verwendet werden, um das Alter der Erde und des Weltalls zu bestimmen, s. Dr. Robert Bennett (Physiker), „Radiodating and Specious Creativity“, Internationales katholisches Symposium über Schöpfung in Rom, Italien, Kolbe-Zentrum für das Studium der Schöpfung,, Woodstock, VA (2002).
20 Fr. Peter D. Fehlner, op. cit., S. 12
21 ST, 1, Q. 45, a. 5
22 Mit den Worten von Pierre-Paul Grassé, dem früheren Präsidenten der Französischen Akademie der Wissenschaften, „Es spielt keine Rolle, wie zahlreich sie sein mögen, Mutationen bringen nicht irgendeine Art von Evolution hervor.“ (Pierre-Paul Grassé, Evolution of Living Organisms, Academic Press, New York, 1977, S. 88)
23 Fr. Peter Fehlner, In the Beginning, S. 45
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