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Ein besonders erschreckendes Gegenbeispiel
der Akzeptanz der Evolutionstheorie aus offiziös katholischer Perspektive ist das Buch “Das Säugetier von Gottes Gnaden” von Ulrich Lüke, der Mitglied der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften mehr, ist.
Nachfolgend eine Rezension von Wilhelm Overhoff mehr zu seiner Person, der selber mehr als ein Buch hier) zur Evolutionstheorie verfasst hat, in dem er einen Zusammenhang zwischen ihr und der gegenwärtigen kirchlichen Situation aufzeigt. :
Irrlehre konservativ ummantelt: 'Das Säugetier von Gottes Gnaden', von Ulrich Lüke
In der Tagespost wurde das Buch empfohlen und allzu kurz nach dem Erscheinen mehrmals überschwänglich gelobt.
Es scheint, dass nicht wenige zeitgeistige Wortführer nicht fähig oder willens sind, zu begreifen, daß der menschliche Organismus das komplexeste Gebilde im Universum ist (Stephan Hawking). Alle gegenwärtig existierenden Organismen, so auch der menschliche, sind die Realisation eines Planes, eines Programms, das in der DNS steckt. Die menschliche DNS ist einem Computerprogramm vergleichbar, nur ist sie unendlich viel komplexer als alle Software, die bisher geschrieben wurde (Bill Gates). Evolution ist daher Evolution (Entwicklung) von Herstellungsinformation, gleich (weil gleichen Naturgesetzen unterworfen), ob es sich dabei um Organismen oder Computer handelt. Anzunehmen, dass durch Zufall (Zufallsmutation) oder Affenintelligenz Herstellungsinformation sich aufwärts evolviert, ist blanker Unsinn. Der Zwang, dies trotzdem gegen jede Vernunft behaupten zu müssen, resultiert allein aus dem Willen, die Welt ohne Gott erklären zu wollen. Die Geschichte der Welt, wie immer sie auch verlaufen sein mag, kann so nicht überzeugend gedeutet und aufgezeigt werden.
Der Autor des Buches hat, wie er sich ausdrückt, gegen die amerikanischen Kreationisten nicht den geringsten Zweifel an einer im Sinne des Neodarwinismus allmählichen Entwicklung bis zum Menschen hin (S. 14). Ein eingefügtes langes Gedicht von Erich Kästner soll diesen Prozess verdeutlichen. Positiv beurteilend folgt der Hinweis auf das "bahnbrechende Werk Darwins" 'Über die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl' (17). Das überaus kunstvolle evolutive (Selbst)Gewordensein des Menschen habe zur Erkenntnis eines Gottes geführt (18). Der große Vermittler von naturwissenschaftlicher und theologischer Rationalität sei Teilhard de Chardin gewesen (32).
Weit entfernt von der christlichen Offenbarung zeigt das Gerede des Autors, dass Religiosität 'eher' (was noch?) zu verstehen ist als eine nicht nur auf pure Biologie reduzierbare Verhaltensanpassung, die wir allenfalls ahnen und mit der Chiffre 'Gott' benennen (57).
Die Evolutionstheorie ist nach seiner Ansicht eine der am besten begründeten Theorien (101) (besser als die Relativitätstheorie?). Richtig weist er auf diverse diesbezügliche Aussagen des Lehramtes hin, so auf die von Johannes Paul II. in der berühmten Botschaft an die Vollversammlung der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften: "Die Evolution hat (allein) auf der Ebene von Physik und Chemie begonnen (mit einem möglichen roten Faden bis zum Menschen hin)". Der Kasseler Biologieprofessor Kutschera, der an exponierter Stelle in der Gottlosenbewegung immer wieder im Fernsehen die (Trottel)Christen besänftigt mit der Behauptung, dass die großen Kirchen keine Probleme mehr mit der Evolutionstheorie haben, schreibt aber im Internet: "Wenn die Christen die naturalistische Evolution annehmen, müssen sie zwangsläufig ihren Glauben aufgeben". Seine Hoffnung ist deshalb berechtigt, weil das Heer der nützlichen Idioten scheinbar unerschöpflich ist.
Wenn der Autor mit Chardin feststellt: "Dieser Designer macht eine Welt, die sich macht" (113), so muss er aufzeigen können, wie die Welt das macht. Kann er es nicht, sollte er schweigen. Es ist geradezu perfide, bedeutende Kirchenleute aus der Zeit vor Darwin, wie Niels Steensen, die immer von einer direkten Schöpfung ausgingen, mit ins atheistisch evolutionistische Boot zu nehmen (115).
Die kosmischen Strukturen seien in den Dienst des Menschen gestellt (120). Ein sinnlos Wiedergekäutes! Keine Galaxie kümmert sich um den Menschen. Der Kosmos ist zwar so strukturiert, daß der Mensch in ihm leben kann, er hat den Menschen aber keineswegs geschaffen, auch nicht als beauftragter Zweitverursacher. Dafür gibt es außer der Behauptung kein Indiz.
Seele meint ein wechselseitiges Kommunikationsgeschehen (152). Sie ist also nicht unsterblich, sondern 'ereignet' sich. Das erinnert an eine Neudefinition des Gottesbegriffes in den 70er Jahren: "Gott ereignet sich in zwischenmenschlichen Beziehungen", existiert also nur zeitweilig. In der wohl nicht glücklichen o. g. Botschaft hat Johannes Paul II. aber keinen Zweifel daran gelassen, dass die Seele von Gott geschaffen wurde und sich nicht nur 'ereignet'.
Geist ist nach den Gehirnforschern Singer und Roth das Feuern und gegenseitige Kombinieren von Neuronen im Gehirn (217). Da nach ihrer a priori hartnäckig vertretenen Weltanschauung der Mensch nur eine durch Zufall entstandene mechanistisch funktionierende Maschine ist, ist er wie ein Computer nicht verantwortlich für sein Tun. Nach dem Evolutionsmodell ist ja die Materie durch (zufällige) Selbstorganisation in dem Gebilde 'Mensch' zu Selbstbewusstsein gelangt, wie auch Karl Rahner glaubte. Eine vom Gehirn unabhängige Geistseele, ein autonomes, sich vielleicht eines Tages vom Computer Gehirn lösendes, selbstverantwortliches Ich ist in diesem Denkrahmen nicht möglich. Die Grundsatzfrage ist hier aber weniger die Determiniertheit des Gehirns als vielmehr die Frage nach seiner Entstehung selbst, die auch der Autor fälschlicherweise im Zufall ortet (siehe oben).
Unter naturalistischer Denkweise können die von Singer und Roth behaupteten kognitiven Prozesse argumentativ rhetorisch nicht eindeutig widerlegt werden. Dies trotzdem aufzuzeigen ist auch dem vom Autor immer wieder wohlwollend zitierten (gottlosen) Habermas, einst Kopf der Frankfurter Schule, nicht überzeugend gelungen (219). Der Autor selbst verneint ein Bewusstsein, das nicht den neuronalen Erregungsmustern entspringt (238). Damit ist letztlich jede Form von übernatürlicher Offenbarung oder Mitteilung hinfällig. Falsch ist es auch, wenn auch nicht erstmalig, vom (scheinbar) Sprunghaften nach der Quantentheorie assoziierend auf die Möglichkeit von sinnvollen Zufallsmutationen zu schließen (244).
Eine objektive Wahrheit gibt es für den Autor nicht, weshalb er wohl nicht zuletzt aus der Einbildung heraus, auf der Höhe des Zeitgeistes zu sein, glaubt, zu diesem Zweck bei Berthold Brecht in dem Gedicht 'Der Zweifler' Anleihen machen zu müssen (280) - immerhin einem Subjekt, das Christus den "Galiläischen Herumtreiber" nannte und meinte, "dass er (Christus) nicht ausgepfiffen, sondern getötet worden sei, sei eine der großartigsten Handlungen, deren die Menschheit sich rühmen kann". "Sage mir, mit wem du umgehst, und ich sage dir, wer du bist"! (der bekennende Atheist Günter Grass erfährt im Übrigen die gleiche Ehre (287). 'Wahrheit', so Lüke, wird nur deshalb im Dogma konstituiert, um den Willen zur Gewissheit zu befriedigen (284).
Wie sein großes Vorbild Teilhard de Chardin sieht auch er, das die Evolution weitergeht, wir also nicht etwas endgültig Gewolltes sind (301). Sicher ist, dass Chardin erstmalig das Tor zum Evolutionismus aufgestoßen hat und damit die in ihrer Geschichte größte Krise von Kirche und Glaube verursacht hat mit der Möglichkeit gemäß Lk 18,8 ("Doch wird der Menschensohn, wenn er kommt, noch Glauben finden auf Erden?").
Oberregierungsrat a.D. Dipl. Ing. Wilhelm Overhoff +
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