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Ein Gegenbeispiel ...
wie Evolutionskritik aus katholischer Perspektive nicht aussehen sollte ist das rechts abgebildete Buch “Alles Zufall” von H.H. Dr. Peter Blank.
Der Autor, Jurist und als Spätberufener promovierter Theologe und Priester des Opus Dei, bezeichnet sich zwar als fachlicher Laie, hat sich aber doch in die Materie sehr gut und intensiv eingearbeitet. Er hat sogar, und das ist selten, die existierende evolutionskritische Literatur wenigstens in ihrem wichtigsten Werk, dem Buch “Evolution - Ein kritisches Lehrbuch” von Junker/ Scherer zur Kenntnis genommen. (Wenn auch eine ältere Auflage von 1998).
Bis zur Mitte etwa liest sich das Büchlein sehr angenehm und erbaulich. Autor gibt sehr schön und verständlich wichtige Argumente, warum eine Evolution der Lebewesen nicht funktioniert und nicht funktionieren kann. Aber leider geschieht dann ein Bruch: Nachdem Autor gezeigt hat, dass Evolution nicht funktioniert, da Lebewesen dafür viel zu kompliziert sind und die bekannten genetischen Mutationsmechanismen nicht zur Erklärung ausreichen (was Darwin beides noch nicht wußte), schließt er nicht etwa auf die erfolgte Schöpfung, d.h. die Erschaffung aller Grundtypen von Lebewesen durch den Schöpfer. (Der Begriff “Grundtyp” fehlt übrigens bezeichnenderweise im gesamten Buch). Vielmehr bricht der Autor in einen etwas unklar- diffusen theistischen Evolutionismus auf. Er sagt es nicht ausdrücklich, aber z.B. auf S. 74 oder S. 119 suggeriert er, dass da der Evolutionsprozeß ja nicht von alleine “läuft” oder “funktioniert”, die Evolution von Gott direkt am Evolvieren gehalten wurde. Dass also bei den zahllosen evolutionär nicht vorstellbaren Übergängen, Neukonstruktionen und Sprüngen, die zwischen den einzelnen Grundtypen nötig wären und die nach dem Eingeständnis des Autors selber evolutionär nicht vorstellbar wären, Gott den blinden Zufall milliardenfach so gelenkt hat bzw. direkt übernatürlich eingegriffen hat, dass sozusagen aus einem Fischei ein Frosch kroch, eine Maus Hautflügel bekam, eine Kuh Flossen und eine Walschnauze und so fort.
Eine solche Theorie ist für den atheistischen Naturwissenschaftler mit Sicherheit um soviel mal mehr unannehmbar, wie häufigeres Eingreifen Gottes gegenüber einer einmaligen Schöpfung am Anfang erforderlich ist. Man will die Evolutionstheorie, weil sie Gott sozusagen aus der Welt hinauswirft. Und nun soll er nicht nur einmal bei der Schöpfung zu Beginn, sondern auch nach dieser während der Naturgeschichte milliardenfach direkt eingegriffen haben. Sicherlich spürt der Autor diesen Widerspruch und bleibt deswegen in seinen Formulierungen gerade so unklar, dass man ihm nicht direkt dies vorwerfen kann - aber sinngemäß sagt H.H. Dr. Blank genau dies.
Und biblisch-thomistisch ist diese Theorie auch nicht. Die Lehre von der guten, abgeschlossenen Schöpfung zu Beginn, die anschließend in der Ordnung der Natur nach ihren gewöhnlichen Gesetzmäßigkeiten abläuft, wird völlig ad absurdum geführt.
Überhaupt nicht wird thematisiert, ob Evolution -ob derart gelenkt oder nicht- überhaupt als Schöpfungsmechanismus angemessen ist. Die Welt wurde von Gott geschaffen, da Er Seine Güte und Liebe mitteilen (“bonum diffusivum est”) und offenbaren wollte. Das heißt, die ursprünglich geschaffene Welt -die nicht mit der jetzigen identisch ist, vgl. Röm 8, 19- 21- dient also in allen ihren geschaffenen Teilen der Manifestation Gottes, Seiner Liebe und Güte wie auch Seiner anderen Eigenschaften oder Prädikate. So spiegelt die fast unendliche Vielfalt der Lebensformen die Unendlichkeit ihres Schöpfers wieder, Gang und Kraft des Löwen oder die Größe und Höhe der Schneeberge spiegeln die Majestät Gottes wieder und so fort.
Nach dem Schlussevangelium der Heiligen Messe, dem Johannesprolog, ist die ganze Schöpfung durch Jesus Christus geschaffen. Nun ist aber ein “Schöpfungsmechanismus” Evolution, d.h. brutaler Survival of the fittest, brutaler darwinscher Konkurrenzkampf nicht vereinbar mit dem guten Jesus der Evangelien, der das Schwache aufbaute, das geknickte Rohr aufrichtete und alle Krankheiten heilte.
Und das schlimmste an diesem Buch ist, dass es seinen katholischen Lesern mit naturwissenschaftlicher Vorbildung jede Motivation nehmen wird, evolutionskritisch fachlich zu arbeiten. Und das obwohl H.H. Dr. Blank die fachlichen Schwächen der Evolutionstheorie sehr gut beschreibt - dass ihm das überhaupt möglich ist verdankt er der mühsamen, langwierigen und geistlich motivierten Arbeit von christlichen -überwiegend evangelischen- Naturwissenschaftlern. H.H. Dr. Blank gehört einer als konservativ geltenden katholischen Organisation an, die alleine in Europa zwei Universitäten betreibt (in Rom und Spanien), davon eine mit einer großen naturwissenschaftlichen Fakultät. Dieses Büchlein, dass die “Lehrmeinung” innerhalb der Organisation von Dr. Blank spiegelt, lässt verstehen, dass und warum es völlig undenkbar wäre, dass an einer dieser kaholischen Universitäten echte, fachliche evolutionskritische Arbeit getan würde. Aber: Wer sollte die Evolutionstheorie jemals durch eine Alternativtheorie ersetzen, die die naturwissenschaftlichen Befunde etwa der Paläontologie unter der Voraussetzung von Schöpfung erklärt, wenn nicht die Christen? Doch sicherlich nicht die Atheisten, die heute die Naturwissenschaft fast vollständig dominieren mehr und für die ja die “Alternativtheorie” Schöpfung à priori indiskutabel ist.
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