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Bezeugt das Leben die Existenz eines Schöpfers?
Dr. Wolfgang B. Lindemann, Bezeugt das Leben die Existenz seines Schöpfers?, Der Ruf des Königs, Kongregation der Diener Jesu und Mariens, 5. Jahrgang, Nr. 20, 4. Quartal 2006, p. 9- 11 Die gesamte Artikelserie ist hier downloadbar ( 1,44MB, pdf)
Die Existenz Gottes kann aus den geschaffenen Dingen ganz klar und sicher erkannt werden, so lehrt es uns das Buch der Weisheit, der Apostel Paulus (Röm 1, 19- 20) und das letzte dogmatische Konzil hat es sich 1870 11 Jahre nach der Erstveröffentlichung von Darwins „On the Origin of Species“ im Kapitel 2 seiner Konstitution „Dei Filius“ zu eigen gemacht.
Wie ? Nun, normalerweise schließt man auf das Vorhandensein eines Konstrukteurs vom Vorliegen einer offenbar sinnvoll geplanten Struktur. Wenn wir einen Farbklecks und ein Rembrandt-Gemälde betrachten, sind wir uns sofort völlig sicher, was von beiden einen „Designer“ hat und ebenso bei einem Automobil oder einem „hochgezüchteten“ Stealth- Kampfflugzeug.
Viele Evolutionsbiologen geben zu, dass Organismen so aussehen, als ob sie erschaffen wären.
Hier setzt das Konzept des „Intelligent Design“ (ID) an: In den Strukturen der Lebewesen sind Eigenschaften erkennbar, die auf das Wirken eines intelligenten, planenden Urhebers (Schöpfer, „Designer“) schließen lassen. In einem Analogieschluss werden Befunde aus Technik und Kunst herangezogen, um über Lebewesen eine Aussage zu machen: Wie in Technik und Kunst bestimmte Eigenschaften eines Objektes sicher auf die Existenz seines Urhebers schließen lassen, so auch in der Biologie.
Das ID- Konzept untersucht, ob durch empirische Forschung Hinweise auf die Existenz des Schöpfers gefunden werden können. Solche Hinweise werden dann als „Design-Signale“ bezeichnet. Dabei werden außer dessen Existenz keine weiteren Aussagen über diesen Schöpfer gemacht (auch wenn viele ID- Befürworter Christen sind); es könnte sich theoretisch auch um Gottheiten wie Jupiter, Brahma oder Allah handeln oder eben auch um den wahren Gott, von dem uns Moses, Jesaja und Jesus Christus berichtet haben.
Wichtig ist weiterhin, dass das „Intelligent-Design“-Konzept kein Lückenbüßer für unbekanntes sein will, sondern „aktiv“ positive = inhaltsreiche Aussagen vorbringen will, aber nicht wie der (weltanschauliche) Naturalismus auch in Ursprungsfragen von vornherein nur natürliche Vorgänge als Erklärungen erlauben will.
Die ID- Bewegung ist letztlich eine Ausformung der 5 scholastischen Gottesbeweise (oder besser: „-aufweise“) die unser größter Theologe, der Hl. Thomas, im 3. Artikel der 2. Questio des ersten Bandes seines Hauptwerkes „Summa theologiae“ darlegt.
Die bisher beschriebenen „Design-Signale“ können in derzeit 3 große Kategorien eingeteilt werden: Irreduzible Komplexität, Spielerische Komplexität und Potentielle Komplexität.
Ein Lebewesen oder ein Teil eines Lebewesen ist „irreduzibel komplex“, wenn es aus mehreren miteinander zusammenhängenden und fein aufeinander abgestimmten Teilen besteht, so dass die Entfernung eines beliebigen Teil das Lebewesen bzw. die Funktion des betrachteten Teils restlos zerstört. Irreduzibel komplexe Strukturen können damit definitionsgemäß nicht „schrittweise“ entstehen und sind zugleich so kompliziert, daß sie nachdem was man über zufällige Mutationen im Erbgut weiß auch nicht in einem Schritt entstehen können.
Beispiele solcher Strukturen sind Legion: Im vorigen Artikel besprachen wir die Von-selbst-Entstehung der ersten Lebewesen und haben die Schwierigkeiten gesehen, die sich z.B. der „spontanen“ Bildung der ersten Zellmembranen auftun: Eine Zellmembran ist eine solche „irreduzibel komplexe“ Struktur, denn sie muss zugleich Abgrenzung, selektiven Stoffaustausch und Informationsübertragung zwischen Zellinnerem und Umgebung erlauben. Eine wie auch immer geartete einfachste erste Zelle, die keine Nährstoffe aufnehmen und Abfallstoffe abgeben kann und keine Möglichkeit hat, Veränderungen der Umgebung zu erkennen um auf diese zu reagieren, ist nicht lebensfähig. Es ist bisher vollständig unbekannt, wie eine solche Struktur von selbst entstehen könnte, vielmehr zeigt all unser bisheriges Wissen in der Molekularbiologie, dass dies unmöglich ist.
Die evolutionskritischen, allgemein verständlichen Kleinschriften des in katholischen Kreisen bekannten Autors Prof. Dr. Kuhn basieren im wesentlichen auf diesem Argument, auch wenn es noch nicht unter der Bezeichnung „Irreduzible Komplexität“ in den größeren Rahmen von „Intelligent Design“ eingeordnet wird. Im Grunde besteht mit den Erkenntnissen der Molekularbiologie für fast alle biologischen Strukturen das Problem „irreduzibel komplex !“, aber in populäreren Schriften beschränkt man sich gerne auf solche Beispiele, die auch dem biologisch nicht vorgebildetem Leser nachvollziehbar sind.
„Spielerische Komplexität“ bezeichnet das Vorkommen von Konstruktionsmerkmalen, die ausgefallener oder komplizierter erscheinen, als die Funktion der Struktur erwarten lässt. „Warum einfach wenn’s auch kompliziert geht“, könnte man sagen und von „Luxusstrukturen“ oder „Selbstdarstellung“ sprechen.
Es gibt Beispiele dafür in Hülle und Fülle, man studiere nur ein Werk über Blütenbiologie:
So der „Aronstab“, eine Pflanze unserer Laubwälder (Bild 1): Sein Blütenstand mit dem einhüllenden Hochblatt ist als regelrechtes Insektengasthaus ausgebildet. Der obere Teil des Hochblattes ist halb geöffnet und gibt das Ende einer Keule frei, der untere Teil bleibt geschlossen. Zwischen der Keule und dem Blatt befindet sich eine Ende Öffnung, die durch abwärts gerichtete Reusenhaare zusätzlich verengt ist. Das verdickte Ende der Keule verströmt gegen Abend einen Duft, der kleine nachtaktive Insekten anlockt. In der Keule wird Stärke verbrannt, was zu Erwärmung und besserer Duftabgabe führt sowie zum Aufheizen des Inneren des Hochblattes. Die Insekten landen, rutschen nach unten, das das Blatt durch unzählige abgesonderte Öltröpfchen glitschig ist und streifen den mitgebrachten Pollen auf der Narben der Stempelblüten ab. Sie laben sich an Nektar, werden in der Wärme putzmunter und nach einigen Stunden öffnen sich die Pollenfächer und pudern die Insekten mit Pollen ein, die sie zum nächsten Aronstab bringen: die Reusenhaare welken jetzt und geben den Weg nach draußen frei.
Die meisten Pflanzen haben viel einfacher aufgebaute aber offenbar ebenso gut funktionierende Blüten! (Übrigens ist der Aronstab auch ein Beispiel für nichtreduzierbare Komplexität: alle Strukturen –Hochblatt, Keule, „Heizung“, Reusenhaare, glitschige Blattoberfläche müssen gleichzeitig vorhanden sein und koordiniert zeitgleich zusammenwirken, damit dies funktioniert. Wie soll das in kleinen Schritten entstehen?)
Ebenso ist fraglich, ob die Schönheit vieler Schmetterlinge durch Selektion erklärt werden kann; welchen Nutzen sollten so schöne Flügelzeichnungen bringen, um einen Selektionsvorteil zu gewähren? Außerdem haben nur einige Schmetterlinge wahre Ästhetikwunder auf den Flügeln.
Die dritte bisher beschriebene Kategorie von Design- Signalen sind Fähigkeiten von Lebewesen, die durch die Selektionsbedingungen ihrer behaupteten Vorfahren nicht erklärt werden können und entsprechend als „Potentielle Komplexität“ bezeichnet werden. Ein geschaffenes Ding hat sein „aktuelles“ Sein, den „Akt“ und zugleich die Möglichkeit oder „Potenz“ zu meist begrenzter Veränderung; es gibt auch Dinge, die nur in der Potenz existieren, z.B. kreative neue Ideen eines Künstlers, während Gott wiederum reiner Akt ist, Actus purus oder reines Sein, da es in Ihm keine Veränderung gibt.
Lebewesen zeigen dieses Design-Signal z.B. in ihrem genetischen Anpassungspotential. Lebewesen haben oft „eingebaute“ Programme und Mechanismen, die angelegte Fähigkeiten „bei Bedarf“ zur Geltung bringen, die ansonsten sozusagen „schlafen“. Wenn im Einzelnen plausibel gemacht werden kann, dass Lebewesen existieren, die gezielt Potential „abrufen“ können, das weder gegenwärtig noch in der Vergangenheit benötigt wurde, wäre das ein starkes Argument für die Existenz eines „Designers“, denn naturalistische Ansätze wie das blinde Spiel von zufälliger Mutation und anschließender Selektion kennen ja keine vorausschauende Instanz und können solche Befunde wie die folgenden nicht erklären:
Finken sind kleine körnerfressende Singvögel. Ein Vogelschnabel kann kurz und dick sein und damit geeignet zum Knacken harter Kerne, oder fein und lang, was Insekten in Baumrinden durch „Stochern“ leicht aufzufinden ermöglicht. Irgendwann einmal wurde ein Finkenpärchen auf eine bisher vogellose Insel verschlagen. Ihre zahlreichen Nachkommen waren alle leicht verschieden –das ist in der Biologie immer so-, z.B. hatten hinsichtlich der Schnabelform. Sie fanden verschiedene ökologische Nischen vor, die sie abhängig von ihrem Körperbau verschieden gut nutzen konnten und sich schließlich in neugebildeten Rassen darauf spezialisierten. Auf den Galapagos-Inseln vor der Küste Ecuadors ist genau dies geschehen: Es finden sich 13 Finkenarten, die sog. Darwinfinken, die nirgendwo sonst auf der Welt vorkommen (Bild 2) und sich dort nicht mehr untereinander verpaaren – einige dieser Finkenarten können aber noch Mischlinge bilden.
Man muss nicht sonderlich helle sein, um zu merken, dass Gottesaufweise, ob sie nun vom Hl. Thomas oder von der Intelligent- Design-Bewegung stammen, viele Menschen nicht zu Gott führen. Man kann sie aufgrund von Erziehung oder Weltanschaung verdrängen oder wegrationalisieren. Das Buch der Weisheit und Paulus sehen einen Zusammenhang zwischen, wie wir heute sagen würden, dem Verharren im Stande der Todsünde und ungenügender Gotteserkenntnis.
Es ist bezeichnend für unsere Zeit, dass einerseits die Schmierereien moderner „Künstler“ wie zufällig entstanden aussehen (und es oft auch sind, z.B. durch Bespritzen einer Leinwand mit Farbe, was die bezahlten Preise nicht mindert), andererseits aber echte Kunstwerke, denen wir in Blüten oder Schmetterlingsflügeln gegenüberstehen, als zufällig entstanden dargestellt werden.
Beides hat eine gemeinsame Ursache: die durch die Erbsünde verletzte Menschennatur mit ihrer Neigung zum Bösen. Wir wollen der Gegenwart Gottes, die uns schließlich in Frage stellt, ausweichen, und darum leugnen wir diese, wo wir können (in der Schöpfung) bzw. wollen nicht ihr Abbild reproduzieren (in der Kunst).
Dennoch können Gottesaufweise sicheren, zwingenden Charakter annehmen, so wie der gute Schüler sicher weiß, dass ein mathematischer Satz richtig ist, auch wenn das seinen Mitschülern, die diesen nicht verstanden oder gar nicht erst studiert haben, nicht einleuchtet.
Der genannte Analogieschluss ist als ein Schluss „a posteriori“ eine der beiden Arten von wissenschaftlicher Beweisführung, wie der Hl. Thomas im 2. Artikel der oben genannten Questio ausführt: „Denn wenn in einem Falle die Wirkung für uns klarer und bekannter vorliegt, als die wirkende Ursache derselben, so gehen wir von der Wirkung her zur Kenntnis der betreffenden Ursache vor.“
Darwin ging an Bord der Beagle im Glauben an die absolute Konstanz der Arten, d.h. dass alle heute existierenden Tierarten auch so von Gott geschaffen wurden, da es im Schöpfungsbericht vielfach heiße geschaffen „nach seiner Art“.
Auf seiner fünfjährigen Weltreise fand Darwin dann zahlreiche Beispiele, die diese Idee umzustürzen schienen. So die berühmten „Darwinfinken“ (Siehe oben).
Es gibt viele weitere Beispiele für die rasche Entstehung neuer Tierarten (Bild 3). So gelangten im 17. Jahrhundert einige Hausmäuse von anlegenden Schiffen auf die Färöer-Inseln und entwickelten sich binnen dreihundert Jahren zu einer neuen biologischen Art, die sich mit den Hausmäusen, von denen sie nachweislich abstammen, normalerweise nicht mehr kreuzen. Ähnlich entwischten im 15. Jahrhundert einige Kaninchen auf der Insel Porto Santo nördlich von Madeira dem Smutje aus der Schiffskombüse, verwilderten und kreuzen sich heute normalerweise nicht mehr mit den Hauskaninchen, von denen sie ja abstammen. Daher sind auch sie als eine neue biologische Art anzusehen.
Der genannte Prof. Kuhn schließt in seinen Büchern (siehe z.B. den Beleg am Ende dieser Seite) aus diesem Befund, dass die Bibel hier eine gravierende Unwahrheit berichten würde und sie daher völlig anders zu interpretieren sei; Die zahlreichen Beispiele in seinen Büchern von irreduzibler Komplexität bei Lebewesen, die deren zufällige Entstehung ausschließt, bringen ihn dann zu der Behauptung, Gott habe an all den Stellen eingegriffen, wo die Evolution alleine sozusagen nicht weiter wusste, das muss millionenfach gewesen sein. Kuhn geht nicht ins Detail, wann welchen Quastenflosser, Archäopterix (Urvogel) oder Schnabeltier Gott wie „umgeformt“ habe, damit sozusagen aus einem Fischei ein Frosch kroch. Und das ist vielleicht auch besser so, denn wenn in der weltweiten atheistischen Scientific community das Geschrei über die Zumutung einer einmaligen Schöpfung am Beginn der Geschichte schon gewaltig ist, so wäre es wohl ganz vorbei, wollte jemand behaupten, in der Naturgeschichte selber habe Gott über hunderte Jahrmillionen immer wieder aktiv eingreifen müssen, um den Evolutionsprozess am Evolvieren zu halten. Man will die Evolutionstheorie, weil sie Gott aus der Biologie hinauswirft!
In Wirklichkeit ist also die Bibel schlicht falsch übersetzt worden, wenn hier ein Widerspruch auftaucht. Man weiß nicht genau, was das hebräische Wort „min“, das meist mit „Art“ übersetzt wird, genau heißt, aber ganz sicher nicht „Biospecies“ im heutigen Sinne, da es diesen modernen Begriff frühestens seit Linné gibt. Nemo dat, quod non habet (Niemand gibt, was er nicht selber hat’); Moses konnte nicht einen modernen Fachbegriff gebrauchen, den es in seiner Sprache noch gar nicht gab.
Die Übersetzung ist also schwierig, nicht nur wegen unserer begrenzen Kenntnis des Hebräischen – min meint wohl soviel wie Typ, Kategorie, unterscheidbare Gruppe - sondern auch, weil in der Biologie der Begriff „Art“ nicht klar definiert ist. In den letzten 30 Jahren wurden mindestens 15 verschiedene Artbegriffe vorgeschlagen und Bücher publiziert wie „Philosophische Probleme der Arttheorie“. Die meisten Artbegriffe können zwei Hauptgruppen zugeordnet werden: der genetisch „begründeten“ Biospecies und der auch den Merkmalen begründeten Morphospecies (Bild 4). Über- bzw. unter dem „Niveau“ der Art liegen der Artenkreis und die Rasse.
Das Problem liegt in der „Schärfe“ der Definitionen: Zu einer Biospecies („biologische Art“) sollen alle Individuen gehören, die sich natürlicherweise kreuzen. Was ist „natürlicherweise“? Im Freiland, im Wildreservat oder -park oder gar im Zoo? Müssen die Nachkommen fruchtbar sein? Wenn ja, alle, mehr als die Hälfte, oder noch weniger Prozent? Je nachdem gehören z.B. Pferd und Esel derselben oder zwei verschiedenen Biospecies an, da sie sich bekannterweise kreuzen lassen und die entstehenden Maultiere bzw. Maulesel fast immer steril sind. Hunderassen wie Bernhardiner und Zwergpinscher, die sich nicht mehr paaren können, würden wiederum zwei verschiedenen Arten angehören
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