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Entsteht Leben von selbst?
Dr. Wolfgang B. Lindemann, Entsteht Leben von selbst?, Der Ruf des Königs, Kongregation der Diener Jesu und Mariens , 5. Jahrgang, Nr. 19, 3. Quartal 2006, p. 9 +10: Die gesamte Artikelserie ist hier downloadbar ( 1,44MB, pdf)
Ist die Evolutionstheorie gleichgültig für die katholische Religion? Wahrscheinlich nicht, da sie diverse Konsequenzen für die Wahrheit der Bibel, das Selbstverständnis des Menschen und vielleicht sogar für unsere Vorstellung von Gott hat.
Dieser Artikel soll der erste einer kleinen Serie zur Evolutionstheorie sein. Fachliche –und nicht nur philosophische oder theologische- Zweifel an der Evolutionstheorie sind auch naturwissenschaftlich vertretbar. Dazu soll skizziert werden, warum die Evolutionstheorie nicht gleichgültig für die katholische Religion ist.
Die fachliche Betrachtung wird im Vordergrund stehen; auch wenn sie wegen der immensen Breite des Themas nur schlaglichtartig geschehen kann, soll doch deutlich werden, dass die Evolutionstheorie beileibe nicht so absolut dasteht, wie es z.B. kirchenfeindliche Massenmedien glauben machen und der Interessierte wird auf weitere Literatur verwiesen.
Warum die Konzentrierung auf die fachliche Seite? Einmal, weil mittlerweile doch einiges an katholischer Literatur zu den philosophischen und theologischen Folgen der Evolutionstheorie zur Verfügung steht, auch online (z.B. hier und hier.
Hauptsächlich aber weil die Evolutionstheorie eine naturwissenschaftliche Theorie ist und ihr daher auch naturwissenschaftlich zu begegnen ist. Wenn mir jemand erzählt, ein Medikament könne aus philosophischen oder theologischen Gründen nicht wirken, lache ich oder tippe mir an die Stirn, vielleicht werde ich auch wütend, da ich das als eine Gefahr für meine Patienten erachte. So auch der Naturwissenschaftler, dem man mit solchen Argumenten kommt. Und für Theologen und Geistliche ist die Versuchung sehr groß, sich dem –vermeintlichen- Fakt der Evolution zu beugen, wenn ihnen jede Vorstellung der fachlichen Angreifbarkeit fehlt. Und dann werden sie rasch ihre Theologie und Philosophie so abändern, dass sie zu der vermeintlich absolut sicheren Evolutionstheorie passt ... und im selben Moment ist dann dem Katholiken die Motivation genommen, die Evolution noch fachlich in Frage zu stellen! Vielmehr ist dann der katholische evolutionskritische Naturwissenschaftler nur noch ein Störenfried, da er ja implizit auch gegen die entsprechend angepasste Philosophie und Theologie opponiert.
Ein analoges Beispiel ist die moderne Exegese: Heute wird oft der frühe und apostolische Ursprung der Schriften des Neuen Testamentes bezweifelt –man lese nur einmal die „Einheitsübersetzung“ mit ihrem Kommentar, welcher laut mir von deren Sekretariat erteilter Auskunft von der Deutschen Bischofskonferenz ausdrücklich approbiert wurde. Da steht zum Markusevangelium –etwas verklausuliert, aber das ist der Sinn-: Es entstand erst nach 70, weil es die Zerstörung des Tempels (erfolgt im Jahre 70) vorhersagt. Oft sind die Argumente aber besser, und unter dem vermeintlich übermächtigen Druck der „wissenschaftlichen Exegese“ wird dann die Theologie entsprechend angepasst, das Entstehungsdatum sei unwichtig, wichtig sei nur, dass die Bibel das „Wort Gottes“ sei. Damit aber wird zugleich jede Motivation zur Forschung zum echten Ursprung der Evangelien eliminiert ... und der Vatikan musste vor einigen Jahren dem bibeltreuen Protestanten Carsten Peter Thiede die Leitung seines Papyrusarchivs anbieten, weil das Ausbildungssystem der Kirche heute aufgrund der Änderung der Theologie eben keine Fachleute mehr hervorbringen kann, wie es Thiede war mit seinen Nachweisen für die Entstehung des Matthäus- und des Markusevangeliums in den 40er Jahren des 1. Jahrhunderts.
In Wirklichkeit aber ist bereits für die fachliche Exegese der zeitliche Kontext z.B. des Johannesevangeliums wichtig. Und wenn Jesus Christus oder die Propheten erwiesenermaßen Geschehnisse vor ihrem Eintreten vorhersagen konnten, so ist dies die beste Bestätigung der göttlichen Kraft, die durch sie wirkte ... und macht es uns leichter, auch ihren übrigen Aussagen zu folgen, auch denen, die wir nicht nachprüfen können (z.B. über die Realpräsenz Joh 6, 22- 69, 1Kor 11, 23- 30 u.a.) oder die gegen den Zeitgeist und unsere sündhaften Wünsche sind (z.B. zur Keuschheit Mt 5,28 1Tim 2,9 u.a. ).
Das Leben soll sich nicht nur aus primitivsten Anfängen von selbst, ohne äußere Leitung und schon gar nicht unter Einfluss eines genialen Konstrukteurs bis zu seiner heutigen Vielfalt entwickelt haben, sondern sogar zu Beginn von selbst, aus unbelebter Materie entstanden sein. (Die philosophische Unterscheidung zwischen anima vegetativa, sensitiva und intellectualis wäre also eigentlich sinnlos).
Nur drei Jahre nach der Veröffentlichung von „On the Origin of Species“ durch Darwin 1859 gelang dem weltberühmten französischen Arzt und Mikrobiologen Pasteur (Bild 1) der Beweis, dass Leben nur aus anderem Leben entsteht „omne vivum ex vivo“ (Bild 2) Das wäre eigentlich ein vernichtender Schlag für die Evolutionstheorie gewesen; hatten doch die Alten die „generatio spontanea“ von Lebewesen aus unbelebter Materie selbstverständlich angenommen. Z.B. hatte Aristoteles aus der Beobachtung, dass feuchtes Material häufig und rasch von Organismen besiedelt wird, den Schluss gezogen, dass Lebewesen aus unbelebter Materie entstehen und wurde dies von der Evolutionstheorie unbedingt benötigt. Aber im allgemeinen Taumel, endlich den Schöpfergott und mit ihm die damals noch in der Gesellschaft mächtige katholische Kirche mit all ihren unbequemen Morallehren und unverständlichen Dogmen in die Rumpelkammer schicken zu können, wurde das wohl übersehen ... : Leben könne zwar heute nicht mehr spontan entstehen, aber auf der frühen Erde sei das anders gewesen – es müsse ja so gewesen sein, sonst wären wir ja jetzt nicht alle hier.
Kann Leben von selber entstehen ? Dazu einige Schlaglichter – in jedem Falle bleibt dies solange Spekulation, bis in einem Laboratorium genau dies geschehen ist, und das ist bis heute nicht der Fall (schon deswegen ist es also fachlich mehr als vertretbar, die Evolutionstheorie abzulehnen!).
Damit lebende Zellen entstehen können, müssen die nötigen Bauteile vorhanden sein. Eine stark vereinfachte Darstellung der notwendigen Stationen auf dem Weg zum Leben zeigt Bild 3.
In Biologiebüchern werden gerne die „Ursuppenexperimente“ von Stanley Miller und Nachfolgern zitiert. Auf der jungen Erde müssten die für Lebewesen nötigen Bausteine von selber entstanden sein. Das sind Aminosäuren, aus denen die Eiweiße aufgebaut sind, Nukleinsäuren, die die DNS, den Träger der Erbinformation bilden und schließlich Fettsäuremoleküle, aus denen Zellmembranen bestehen. Man spekuliert, daß durch Energieeinwirkung –z.B. Blitze- auf das Gasgemisch der „Uratmosphäre“ der Erde organische Moleküle entstanden seien, die in die „Urozeane“ gelangten.
Miller und seine Nachfolger haben versucht, in Laborexperimenten die „Uratmosphäre“ nachzubilden und z.B. durch elektrische Entladungen die Gase zu Reaktionen anzuregen. Bild 4 zeigt eine typische Versuchsanordnung. Auf ein heißes Gasgemisch von Ammoniak, Kohlenmonoxid, Methan, Wasserdampf und Wasserstoff wirken elektrische Entladungen ein („Blitze“). In der Lösung sammelt sich ein übelriechendes, dunkelgefärbtes und dickflüssiges Produktgemisch, das aus einer großen Vielfalt organischer Substanzen besteht (Bild 5). Eine Analyse findet unter vielen anderen Stoffen –von denen viele für heutige Lebewesen giftig sind- auch Aminosäuren, darunter auch einige der 20 Aminosäuren, die in Eiweißen vorkommen.
Das Gasgemisch wurde von Miller so gewählt, dass ein entsprechendes Ergebnis möglich ist: Kohlenstoff ( C ) wurde in Form von Methan vorgegeben. Würde der Kohlenstoff dagegen als Kohlendioxid vorliegen, so stünde er aus chemischen Gründen für den Aufbau organischer Moleküle nicht zur Verfügung. Es ist insgesamt viel wahrscheinlicher, dass in der „Uratmosphäre“ Kohlendioxid und nicht Methan vorlag.
In einem einzigen Reaktionsansatz werden niemals alle benötigten Aminosäuren gebildet; im „Ursuppenmodell“ muss daher postuliert werden, dass die an verschiedenen Stellen, unter jeweils günstigen äußeren Bedingungen (Druck, Temperatur, eingesetzte Rohstoffe) gebildeten Stoffe später zusammengespült wurden. Die basischen Aminosäuren Lysin,
Arginin und Histidin wurden in solchen Simulationsexperimenten bisher niemals nachgewiesen, dafür aber zahlreiche andere, die jedoch nicht in Lebewesen vorkommen (Bild 6). Es gibt keine Erklärung, wie in diesem Kontext die ersten Eiweiße nur aus den 20 heute in Proteinen vorkommenden Aminosäuren hätten gebildet werden können.
Aminosäuren hätten sich in wässeriger Lösung von selbst zu längeren Ketten und kurzen Proteinen zusammenfügen müssen. (Bild 7): Eiweiße bestehen aus langen, unverzweigten Ketten von Aminosäuren, die durch die typische „Peptidbindung“ entstehen.
Da die „Ursuppe“ der „Urozeane“ größtenteils aus Wasser bestanden, verläuft eine solche Reaktion allerdings nicht spontan; vielmehr bewirkt der Wasserüberschuss, dass bestehende kurze Proteine wieder in Aminosäuren gespalten werden. In heutigen Proteinen sind die Peptidbindungen im Inneren gelegen und vor Wasser geschützt.
Weiterhin müssten die zu Eiweißen reagierenden Aminosäuren aus der Gegenwart vieler der anderen entstanden organischen Stoffe entfernt werden. Die Anwesenheit monofunktioneller Komponenten (Stoffe mit nur einem „reaktiven Ende“ statt zweien) verhindert nämlich grundsätzlich die Ausbildung längerer Ketten, indem die überschüssigen monofunktionellen Moleküle die Enden der wenigen kurzen Kettenfragmente blockieren und für eine weitere Kettenverlängerung unzugänglich machen (Bild 8). Man kann sich das so veranschaulichen: in einer großen Menschenmenge gibt jeder seinen beiden Nachbarn eine Hand. Wenn darunter mehr einarmige als zweiarmige Menschen sind, so können die entstehenden Menschenketten nicht lang werden, weil immer wieder ein „Einarmiger“ die Kette abbrechen wird.
Noch größere Schwierigkeiten bestehen bei der Entstehung von Bausteinen der DNS, dem Träger der Erbinformation in Lebewesen. DNS besteht aus ein Ribose, Phosphorsäure und den 4 Stickstoffbasen Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin. Ein Blick auf die chemischen Formeln von Ribose und Adenin, der am ehesten unter Ursuppenbedingungen entstehbaren Base, kann diese Schwierigkeiten andeuten (Bilder 9 und 10)
Guanin beispielsweise entsteht bei Vorliegen unrealistisch hoher Cyanwasserstoffkonzentrationen in einer Ausbeute von 0.1% und nur bei Abwesenheit des für die Riboseentstehung für notwendig befundenen Formaldehydes.
In jedem Falle müssten in irgendeinem Stadium der Lebensentstehung die bis dahin gebildeten Vorstufen in einzelne Einheiten oder Kompartimente getrennten worden sein – die Vorstufen der ersten Lebewesen- in deren Inneren dann die weitere Evolution stattgefunden haben müsste. Ein Hauptbestandteil heutiger biologische Membranen sind Phospholipide (Bild 11). Sie zeichnen sich durch ein hydrophiles (wasserannehmendes) und ein hydrophobes (wasserabweisendes) Ende aus: die langkettige Fettsäure ist hydrophob, während sich der Phosphorsäureester gut in Wasser löst. Diese müssten auf ungeklärte Weise aus unbekannten Vorläufern von selbst entstanden sein und sich anschließend zu kleinen Aggregaten zusammengelagert haben. (Bild 12), letzteres geschieht in der Tat spontan und wird z.B. bei Seifen ausgenutzt, die fettige Substanzen lösen können.
Die Kompartimentierung von so entstandenen „Biomolekülen“ an sich ist aber keinesfalls ausreichend für eine weitere Evolution, sondern bedeutet vielmehr zugleich deren Ende, wenn nicht zugleich Transportprozesse durch die umhüllende Membran gewährleistet sind. Heutige biologische Membranen (Bild 13) haben neben Phospholipiden eine Vielzahl von Bestandteilen, die Stoffaustausch und Kommunikationsmechanismen gewährleisten (z.B. Erkennung von Futterquellen). Dieses notwendig gekoppelte und damit gleichzeitige. Auftreten von Membran und Transportmechanismen macht die „von-selbst“-Entstehung solcher Urlebewesen kaum noch vorstellbar.
Wieviele Gene und Proteine braucht überhaupt selbst das einfachste Lebewesen, um überleben zu können? Das Bakterium Mycoplasma genitalium ist der heute bekannte Organismus mit dem kleinstem Genom.Mycoplasmen (Bild 14) sind in der Medizin bekannte üble Gesellen, die u.a. schwer zu behandelnde Lungenentzündungen und Infektionen des Harntraktes verursachen. Ihr Genom wurde 1995 sequenziert und erhält immerhin noch 470 Gene, von denen alleine 145 auf den Apparat zur Kopie der DNS entfallen. M. genitalium lebt innerhalb von Wirtszellen als Parasit und benötigt viele von seinem Wirt hergestellte Stoffe, aber es ist in jedem Falle undenkbar, dass ein so komplizierter Organismus spontan entstehen könnte.
Evolutionsbiologen wissen um das bisherige völlige Scheitern aller Experimente, die unter großem finanziellem Aufwand (hundertfach mehr, als für evolutionskritische Forschung zur Verfügung steht!) die spontane Entstehung von Leben auf der frühen Erde plausibel machen sollten.
Eine zur „Rettung“ der Evolutionstheorie aufgestellte Hypothese ist, dass die ersten Lebenskeime aus den unendlichen Weiten des Weltalls auf die frühe Erde kamen und hier günstige Bedingungen zur Vermehrung vorfanden. Der Entdecker der DNS-Doppelhelix, der Nobelpreisträger F. Crick vertritt diese Theorie. Das mag so sein, verschiebt aber das Problem der Lebensentstehung zugleich in nicht- beobachtbare Ferne und ist damit definitionsgemäß keine Wissenschaft mehr (Wie und wo entstanden diese „Weltraumkeime?“).
Zudem ist neben den unermesslichen interplanetarischen Entfernungen und der Kälte im freien Raum besonders die energiereiche Strahlung z.B. im Röntgenbereich äußerst schädlich für jedes Leben; deswegen geben wir uns ja so große Mühe, die weitere Zerstörung der schützenden Ozonschicht zu stoppen.
Nach diesen Schlaglichtern zur Lebensentstehung „von selbst“ (mehr in dem Buch „Evolution“ herausgegeben von Dr. Reinhard Junker und Prof. Dr. Scherer Bild 18) zu einem anderen zentralen Thema in der Evolutionstheorie: Die Ähnlichkeiten zwischen Lebewesen (Bild 19).
Die Evolutionstheorie deutet Ähnlichkeit zwischen Lebewesen sehr oft als Folge der Abstammung gemeinsamer Vorfahren und geht daran, aufgrund der systematischen Beschreibung von Ähnlichkeiten „Stammbäume“ zu erstellen, die über die Verwandtschaftsbeziehungen etwa zwischen Laubfröschen, Haifischen und Menschenaffen Auskunft geben sollen: Über den Bau des hypothetischen gemeinsamen Vorfahren (ein unbekanntes Tier, von dem Laubfrosch, Haifisch und Menschenaffe abstammen sollen) und wann dieser behauptete Vorfahr gelebt haben soll. Nebenbei bemerkt, findet man solche Vorfahren fossil durchweg nicht.
Offensichtlich sind sich etwa Gliedmaßen oder Sinnesorgane verschiedener Wirbeltiere ähnlich oder die Blüten verschiedener Samenpflanzen. Anatomische Untersuchung zeigt weitere Ähnlichkeiten, so ähneln sich die Brustflossen der Fische, die Vogelflügel oder die Vorderbeine von Landwirbeltieren im Knochenbau und in der Anordnung der Muskeln, Nerven und Blutgefäße. Dasselbe gilt für die inneren Organe wie Nieren oder Leber. Man nutzt sinnvollerweise solche Ähnlichkeiten zwischen Tier und Mensch in der Ausbildung von Medizinstudenten und die Mitarbeit von Tieren ist bei der Medikamenten- oder Operationstechnikerprobung unverzichtbar.
Der Biologe unterscheidet zwei Formen von Ähnlichkeit: Homologie und Analogie oder Konvergenz. Homologie kann definiert werden als die Gleichwertigkeit von Strukturen im Bauplan von Lebewesen: „Gleichwertigkeit“ kann bedeuten, dass die Strukturen vergleichbare Stellen im Gefügesystem verschiedener Organismen einnehmen, demnach sind die Brustflossen der Fische, die Vorderextremität der Landwirbeltiere und der Vogelflügel homolog.
Dass die Strukturen im ihrem Bau sehr weitgehend übereinstimmen, auch wenn sie eine recht verschiedene Lage im Organismus besitzen; demnach werden beispielsweise die Hautschuppen der Haifische mit den Zähnen der Säugetiere homologisiert (Bild 20). Ein Evolutionsbiologe wird unter Homologie eine stammesgeschichtliche Herkunft verstehen wollen: homologe Organe wären dann Organe mit gleicher evolutionärer Herkunft.
Homologe Strukturen sind einander meist augenscheinlich ähnlich; allerdings kann trotz offensichtlicher Ähnlichkeit keine Homologie vorliegen. Beispielsweise wenn Strukturen mit verschiedenem Grundbauplan dieselbe Funktion erfüllen (Bild 21 und 22). So ähneln sich äußerlich die Grabbeine von Maulwurf und Maulwurfsgrille, doch liegen ganz verschiedene anatomische Baupläne zugrunde, die beiden Strukturen sind also analog. Ebenso sind die Flügel von Insekten und Vögeln analoge Strukturen; die große fliegende Insekten wie Hornissen sind etwa so groß wie die kleinsten Vögel wie Kolibris – aber die Flügel sind neben einigen äußeren Gemeinsamkeiten eben doch völlig verschieden.
Ein Evolutionsbiologe wird unter Analogie funktionell bedingte Strukturähnlichkeit ohne stammesgeschichtliche Herkunft verstehen wollen. Solche analogen Ähnlichkeiten wird er als Konvergenzen bezeichnen.
Homologien gibt es in großer Zahl, ihr Vorhandensein kann kein Zufall sein, sondern deutet vielmehr auf eine gemeinsame Ursache hin. Evolutionstheoretisch wird diese Ursache im Erbgut eines behaupteten Vorfahren gesehen, welches in mehr oder weniger abgewandelter Form auf die Nachkommen übertragen wurde und nicht mehr grundsätzlich verändert wurde.
Das kann so sein, aber wichtig ist festzuhalten, dass dies nicht so sein muss. Vielmehr ist zu unterscheiden zwischen dem Befund – Ähnlichkeit - und der Deutung „Ursache ist evolutionäre Abstammung“.
So ähneln sich Automobile derselben Firma im allgemeinen (Bild 23) – aufgrund unserer Kenntnisse über die Entstehung von Autos wissen wir, dass die Ursache der Ähnlichkeit eben die gemeinsame Konstrukteursgruppe ist, die nicht immer wieder von vorne beginnt, sondern vorhandene Firmenmarken abwandelt.
Nun können zwar Lebewesen anders als Automobile Nachkommen zeugen, und z.B. mit einander verwandte Menschen sehen sich oft ähnlich: Bekannt ist die eigentümliche Form der „Habsburger Unterlippe“.. Andererseits ähneln sich oft Menschen, die nicht aus derselben Familie stammen und man macht sich das z.B. im Film zu nutze, wenn Personen der Zeitgeschichte wie Churchill, Adenauer oder zuletzt die Hl. Bernadette Soubirous in einer neuen, sehr gelungenen Verfilmung durch ihnen ähnlich sehende Schauspieler dargestellt werden.
Wenn wir wüssten, dass die Lebewesen auseinander durch Evolution hervorgegangen sind, wäre Homologie ein Weg, etwas über die Stammesgeschichte der Lebewesen herauszufinden. Aber das wissen wir ja eben nicht sicher bzw. ist nicht die einzige Erklärungsmöglichkeit. Eine andere Möglichkeit ist die Herkunft der Lebewesen aus dem „Geist“ eines überintelligenten Schöpfers.
Ähnliche Funktion erfordert in vielen Fällen eben auch einen ähnlichen Bauplan. Von evolutionärer Seite wird nun oft argumentiert, viele homologe Strukturen wie etwa die Vorderextremitäten der Landwirbeltiere seien ähnlicher, als es funktionell erforderlich sei. Dies könne nur durch gemeinsame Abstammung erklärt werden: der Grundbauplan hätte nach der erstmaligen Erwerbung nicht mehr grundsätzlich verändert werden können. Zum einen enthält dieses Argument –wenn es verwendet wird, um einen Schöpfer abzulehnen- ein verstecktes theologisches Argument: der schaffende Gott hätte nur solche Ähnlichkeiten konstruieren können, die funktionell notwendig sind und nichts darüber hinaus.
Viel grundsätzlicher lässt sich dies aber auch fachlich in Frage stellen: wie wird im einzelnen nachgewiesen, dass zwei Strukturen ähnlicher sind als funktionell erforderlich ? Das ist bisher noch nie zweifelsfrei gelungen, vielmehr zeigen moderne Forschungsgebiete wie die Biomechanik oder die Bionik immer mehr das genaue Gegenteil: jedes Lebewesen ist bis ins letzte Detail geradezu genial konstruiert. Außerdem stehen andere Teilbereiche der Evolutionstheorie dem oft entgegen, z.B. wird neuerdings diskutiert, dass die Landwirbeltiere mehrfach unabhängig aus fischähnlichen Vorfahren entstanden und dabei das Grundmuster ihres Extremitätenbauplans unabhängig erworben haben. Damit würde die offensichtliche Ähnlichkeit nur noch auf funktionellen Erfordernissen beruhen.
Es ist sehr wichtig, dieses „Hintergrundwissen“ über den Unterschied zwischen dem Befund „Ähnlichkeit“ und der Deutung „gemeinsamer Vorfahr“ zu kennen, wenn man evolutionistische Literatur liest. Nahezu sämtliche Stammbäume oder Ideen zur Evolution einer Art oder eines Organs beruhen auf diesem Argument „Ähnlichkeit“, das kein unabhängiger Beweis für Evolution ist.
So versucht man, anhand des Aufbaus – der Aminosäuresequenz - von Eiweißen die Verwandtschaftsbeziehungen zwischen verschiedenen Arten herauszufinden; je ähnlicher bestimmte, in allen betrachteten Lebewesen vorkommenden Proteine sind, desto näher sollen sie verwandt sein. Das beweist nicht die Evolution, sondern setzt sie voraus ... und oft ergeben sich Ungereimtheiten: je nach dem betrachteten Merkmal ist ein anderer Stammbaum anzunehmen (Bild 24).
Ein ähnlich gelagertes Beispiel habe ich als Frucht einer halbjährigen Tätigkeit in der Schlafmedizin berichten können mehr .
Für den Evolutionstheoretiker wird die Lage weiter kompliziert durch das Vorliegen von Konvergenzen. Konvergenzen sind einander sehr ähnliche Strukturen, die von gemeinsamer
Abstammung herrühren sollen, weil aufgrund überwiegender anderer Merkmale ein Stammbaum angenommen werden muss, nach dem die direkten Vorfahren die konvergenten Strukturen nicht besaßen. So findet sich eine Leimrute mit dem meist dazugehörenden anatomischen und physiologischen Apparat in weit „entfernten“ Gruppen: Erdferkel, Ameisenbär, Schuppentier und Specht, deren angenommene Vorfahren diese nicht besaßen. (Bild 25)
Nikotin und Koffein kommen in verschiedensten Pflanzengruppen vor, die nach vielen anderen Merkmalen verwandtschaftlich weit „entfernt“ sein sollen Diese Liste lässt sich beliebig verlängern; der Evolutionsbiologe wird hier von Analogie im Sinne von Konvergenz sprechen, wohlwissend, dass es sich um Strukturen handelt, die ohne Betrachtung der hypothetischen Stammesgeschichte aufgrund ihrer oft bis ins Detail reichenden Ähnlichkeit genauso gut als Homologie gelten könnten. Lebewesen scheinen eher nach dem „Baukastenprinzip“ zusammengesetzt: vergleichbare Bauelemente kehren in unterschiedlicher Kombination immer wieder, aber dazu – die Deutung der naturwissenschaftlichen Befunde unter Voraussetzung von Schöpfung und die real beobachtete Evolution - wird der nächste Artikel dieser Serie mehr bringen, und der ganze dritte Artikel wird der Königsfrage der Evolutionsbiologie gehören: Der Ursprung des Menschen – und warum überhaupt ist die Evolutionstheorie herrschende Grundlage des modernen Weltbildes geworden?
Wir danken der Studiengemeinschaft „Wort und Wissen“ für die Genehmigung zum Abdruck der Bilder 1 bis 13 sowie 19 bis 24
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