Katholische Dogmatik und die Evolutionstheorie

 

Hier soll dargestellt werden, welche Folgen sich im Bereich der katholischen Dogmatik ergäben, sofern die Evolutionstheorie sich als wahr erweisen sollte.

Methodisch wurden die Lehrsätze des Standardwerkes Ludwig Ott, Grundriss der Dogmatik 11. Auflage, mit Literaturnachträgen, Verlag Nova & Vetera Bonn 2005 ISBN 978-3-936741 25-5, von der ersten bis zur letzten Seite auf entsprechende (konflikthafte) Folgen durchgegangen und das Ergebnis nachfolgend dargestellt. Dabei wird jeweils der entsprechende dogmatische Lehrsatz mit Gewissheitsgrad  und  Seitenzahlangabe in Gruppen zusammengefasst zitiert und kurz erläutert, welche konkreten Folgen sich ergäben. Abkürzungen wie folgt (in absteigender Reihenfolge der theologischen Sicherheit):

De fide definita, fides ecclesiastica (beide zusammengefaßt als „De fide“), sententia fidei proxima (Sent. fid. prox.), sententia certa (Sent. certa), sententia communis (Sent. com.), sententia probabilis (Sent. prob.), sententia probabilior (Sent. probbior), sententia bene fundata (Sent b.f.), sententia pia (Sent. p.), opinio tolerata (Op. tol.)

In Einzelfällen, aber ohne angestrebte Vollständigkeit, wird auch auf Folgen der Existenz komplexen außerirdischen nichtintelligenten Lebens (d.h. Leben, das nicht aus Mikroorganismen besteht, sondern aus dem, was man sich gemeinhin unter Tieren und Pflanzen vorstellt) für bestimmte dogmatische Lehrsätze hingewiesen. Weil wir Polemik meiden wollen und weil Lehrverurteilungen gerade heute dem liberalen, relativistischen Zeitgeist aufs schärfste entgegengesetzt sind, werden nicht auch umgekehrt die Verletzungen theologischer Zensuren (Lehrverurteilungen) dargestellt.

 

Dogmatische Lehrsätze in Bezug auf Gott
 

  • Gott ist der Herr des Himmels und der Erde (De fide, S. 85)
  • Gott ist die absolute ontologische Güte in sich und in Beziehung zu anderen (De fide, S. 68)
  • Gott will und liebt sich selbst mit Notwendigkeit, die außergöttlichen Dinge hingegen mit Freiheit (De fide, S. 84)
  • Gott ist unendlich barmherzig (De fide, S. 87)
  • Gott ist die absolute wohlwollende Güte (De fide, S. 89)
  • In Gott sind drei Personen, der Vater, der Sohn und der Hl. Geist. Jede der drei Personen besitzt numerisch dieselbe göttliche Wesenheit (De fide, S. 96).
  • Es gibt in Gott zwei innergöttliche Hervorgänge (De fide, S. 109)
  • Subjekt der innergöttlichen Vorgänge (im aktiven und passiven Sinn) sind die göttlichen Personen, nicht die göttliche Natur (De fide, S. 109).
  • Die zweite göttliche Person (Jesus Christus, die Verf.) geht aus der ersten durch Zeugung hervor und verhält sich daher zu ihr wie der Sohn zum Vater (De fide, S. 110)
  • Der Sohn geht aus dem Intellekt des Vaters hervor (Sent. certa, S. 114)
  • Der Hl. Geist geht aus dem Willen oder der gegenseitigen Liebe des Vaters und des Sohnes hervor (Sent. certa, S. 115)
  • Alle Tätigkeiten Gottes nach außen sind den drei Personen gemeinsam (De fide, S. 123)
  • Alle diese Lehrsätze zeigen, dass der Dreifaltige Gott so ist, wie er sich in Jesus Christus dargestellt hat. Die besonders herausstehenden Eigenschaften sind seine Liebe, Barmherzigkeit und Güte – es genügt, einige Seiten der Evangelien zu lesen, um sich davon zu überzeugen.

 

Dogmatische Lehrsätze in Bezug auf die Schöpfung
 

  • Alles, was außer Gott existiert, wurde seiner ganzen Substanz nach von Gott aus nichts hervorgebracht (De fide, S. 131)
  • Gott wurde durch seine Güte bewogen, die Welt frei zu erschaffen (De fide, S. 134)
  • Die Welt wurde zur Verherrlichung Gottes erschaffen (De fide, S. 135).
  • Die Welt ist das Werk der göttlichen Weisheit (Sent. certa, S. 134)
  • Gott stand es frei, diese oder eine andere Welt zu erschaffen (Sent. certa, S. 138)
  • Gott hat die Welt gut erschaffen (De fide, S. 138)
  • Die drei göttlichen Personen sind ein einziges, gemeinsames Prinzip der Schöpfung (De fide, S. 136)
  • Der Tod ist in der gegenwärtigen Heilsordnung eine Straffolge der Sünde (De fide, S. 640)
  • Die Leiber der Gerechten werden nach dem Vorbild des auferstandenen Leibe Christi umgestaltet und verklärt werden (Sent. certa , S. 663)
  • Die gegenwärtige Welt wird am Jüngsten Tage untergehen (Sent. certa, S. 667)
  • Die gegenwärtige Welt wird am Jüngsten Tage neugestaltet werden (Sent. certa, S. 668)


Die gesamte Welt einschließlich der Weiten des Universums wurde von Gott ursprünglich anders geschaffen, als sie sich heute präsentiert: Heute ist sie gekennzeichnet von Vergänglichkeit und Tod, wie auch der Apostel Paulus im Römerbrief ausführt, aber zu Beginn war dem nicht so und es wird eine Wiederherstellung der ursprünglichen Schöpfung am Ende der Zeit geben, der mit dem Terminus „Jüngster Tag“ bezeichnet wird. Der verklärte Jesus, der sich nach der Auferstehung den Jüngern zeigte, trug menschliche Gestalt.

 

Dogmatische Lehrsätze in Bezug auf den Menschen
 

  • Der erste Mensch wurde von Gott erschaffen (De fide, S. 151)
  • Das ganze Menschengeschlecht stammt von einem einzigen Menschenpaar ab (Sent. certa, S. 153)
  • Die Stammeltern waren vor dem Sündenfall mit der heiligmachenden Gnade ausgestattet (De fide, S. 163)
  • Die übernatürliche Ausstattung der ersten Menschen (iustitia originalis) umfaßte (...) gewisse praeternaturale Gaben, die sog. dona integritatis
  • das donum rectidudinis oder integritatis im engeren Sinne, d.i. die Freiheit von der Konkupiszenz (Begierlichkeit) (Sent. fid.  prox, S. 164)
  • das donum immortalitatis, d.i. die leibliche Unsterblickeit (Sent. certa, S. 164)
  • das donum impassibilitatis, d.i die Freiheit von Leiden (Sent. com., S. 165)
  • Adam empfing die heiligmachende Gnade nicht bloß für sich, sondern auch für seine Nachkommen (Sent. certa, S. 166)
  • Die Stammeltern verloren durch die Sünde die heiligmachende Gnade und zogen sich den Zorn und Unwillen Gottes zu (De fide, S. 169)
  • Die Stammeltern verfielen dem Tod und der Herrschaft des Teufels (De fide, S. 169)
  • Die Sünde Adams ist durch Abstammung, nicht durch Nachahmung auf alle seine Nachkommen übergegangen (De fide, S.170)
  • Die Erbsünde besteht in dem Zustand des Gnadenberaubtseins, der durch die freie Sündentat des Stammhauptes verschuldet ist (Sent. com., S. 173)
  • Die Erbsünde wird durch natürliche Zeugung fortgepflanzt (De fide, S. 175)
  • Im Stande der Erbsünde ist der Mensch der heiligmachenden Gnade und ihrer Gefolgschaft sowie der präternaturalen Integritätsgaben beraubt (De fide bzgl. der heiligmachenden Gnade, S. 176)
     

Außerirdische sind per definitionem nicht Abkömmlinge der menschlichen Stammeltern Adam und Eva und können daher nicht der Erbsünde und ihren Folgen unterliegen. Andererseits leben sie im heutigen, von Vergänglichkeit und Tod gekennzeichneten Universum und sind dessen Gesetzen – z.B. die Endlichkeit der Sternlebensdauer oder den kosmischen Katastrophen – unterworfen. Dieser Widerspruch ist schwer aufzulösen.

 

Dogmatische Lehrsätze in Bezug auf Jesus Christus
 

  • Christus hat einen wirklichen Leib, nicht einen Scheinleib angenommen (De fide, S. 213)
  • Christus hat nicht bloß einen Leib, sondern auch eine vernünftige Seele angenommen (De fide, S. 215)
  • Die göttliche und die menschliche Natur sind in Christus hypostatisch, d.i. in der Einheit der Person, miteinander verbunden (De fide, S. 218).
  • Jesus Christus ist auch als Mensch der natürliche Sohn Gottes (De fide, S. 233)
  • Die menschliche Natur Christi war körperlichen Leiden unterworfen (De fide, S. 257)
  • Der Sohn Gottes ist Mensch geworden, um die Menschen zu erlösen (De fide, S. 260)
  • Christus hat sich am Kreuze als wahres und eigentliches Opfer Gott dargebracht (De fide, S. 272)
  • Christus hat uns durch seinen Opfertod am Kreuz losgekauft und mit Gott versöhnt (De fide, S. 274)
     

In Bezug auf anatomisch zweifellos anders aufgebaute Außerirdische könnten diese Dogmen verletzt erscheinen: Außerirdische haben per definitionem keine menschliche Natur und damit erscheint die Möglichkeit ihrer Erlösung durch Christus fraglich.

 

Dogmatische Lehrsätze in Bezug auf die Erlösung
 

  • Gott ist unendlich gerecht (De fide, S. 86) (Zusammen mit einer der oben angeführten grundsätzlichen Eigenschaften Gottes – seine Güte –  und der ursprünglich guten Schöpfung ist dieses Dogma für die Beurteilung der nachfolgenden Lehrsätze bezüglich Außerirdischer von zentraler Bedeutung.)
  • Im Zustand der gefallenen Natur ist es dem Menschen moralisch unmöglich, ohne übernatürliche Offenbarung alle natürlichen religiösen und sittlichen Wahrheiten leicht, mit fester Gewissheit und ohne Bemischung von Irrtum zu erkennen  (Sent. certa, S. 338)
  • Im Zustand der gefallenen Natur ist es dem Menschen moralisch unmöglich, ohne heilende Gnade (gratia sanans) auf längere Zeit das ganze Sittengesetz zu erfüllen und alle schweren Versuchungen zu überwinden (Sent. certa, S. 338)
  • Christus hat die Kirche gestiftet, um sein Erlösungswerk für alle Zeiten fortzuführen (De fide, S. 389)
  • Von Christus, dem Haupt, strömt die heiligmachende Gnade auf die Glieder seines mystischen Leibes über (Sent. com., S. 254)
  • Nach der Anordnung Christi soll Petrus im Primat über die gesamte Kirche für alle Zeiten Nachfolger haben (De fide, S. 399)
  • Die von Christus gestiftete Kirche ist einzig und einig (De fide, S. 426)
  • Glieder der Kirche sind diejenigen, die das Sakrament der Taufe gültig empfangen haben und von der Einheit des Glaubensbekenntnisses und von der Einheit der Rechtsgemeinschaft der Kirche nicht getrennt sind (Sent. certa, S. 434)
  • Die Gläubigen auf Erden können einander durch das Fürbittgebet Gaben von Gott erflehen (Sent. certa, S. 442)
  • Die Seelen, die im Stande der Erbsünde aus dem Leben scheiden, sind von der beseeligenden Anschauung Gottes ausgeschlossen (De fide, S. 178)
  • Alle Sakramente des Neuen Bundes verleihen dem Empfänger die heiligmachende Gnade (De fide, S. 461)
  • Die Sakramente des Neuen Bundes sind für die Menschen zum Heile notwendig (De fide, S. 471)
  • Als Sakrament der Lebendigen (im Glauben, die Verf.) bewirkt die Firmung (per se) die Vermehrung der heiligmachenen Gnade (Sent. certa, S. 503)
  • Die Hauptfrucht der Eucharistie ist die innigste Vereinigung des Empfängers mit Christus (Sent. certa, S. 538)
  • Die Eucharistie als Seelennahrung erhält und vermehrt das übernatürliche Leben der Seele (Sent. certa, S. 539)
  • Die Kirche hat von Christus die Gewalt empfangen, die nach der Taufe begangenen Sünden nachzulassen (De fide, S. 567)
  • Die Letzte Ölung verleiht dem Kranken heiligmachende Gnade, um ihn aufzurichten und zu stärken (De fide, S. 606)
  • Die Letzte Ölung bewirkt bisweilen, wenn es dem Seelenheil dienlich ist, die Wiederherstellung der leiblichen Gesundheit (De fide, S. 607)
     

Es wäre zutiefst ungerecht, dass Außerirdische für etwas bestraft werden, was sie nicht getan haben. Die Annahme mehrerer „Sündenfälle“ verletzt direkt mehrere der oben genannten dogmatische Lehrsätze über den Menschen. Außerirdische werden aufgrund der immensen kosmischen Entfernungen und der nicht existierenden Raumfahrttechnologien, die diese Entfernungen überwinden könnten, niemals die Möglichkeit erhalten, die Heilsbotschaft Christi zu hören, durch die Taufe Mitglieder der Kirche zu werden und durch die anderen Sakramente gestärkt zu werden: Da sich ein Körper aus physikalischen Gründen maximal mit Lichtgeschwindigkeit fortbewegen kann, wird es niemals eine Möglichkeit geben, auch nur zu unserem nächstgelegenen 4.2 Lichtjahre entfernten Nachbarstern Alpha Centauri zu gelangen.

 

Die Genugtuung Christi erstreckt sich nicht auf die gefallenen Engel (Sent. certa, S. 279)

Per analogiam ließe sich argumentieren, das Erlösungswerk Christi erstrecke sich nicht auf Außerirdische, was im Widerspruch zu den zentralen Eigenschaften Gottes „Güte“ und „Gerechtigkeit“ stehen würde. Jeder Mensch, auch der, der ohne eigene Schuld Christus nicht kennt, erhält genügend Gnade, um sein ewiges Heil erlangen zu können. Die christliche Mission ist eine weitere, zusätzliche und unverdiente Möglichkeit, das ewige Heil zu erlangen und obwohl Gott nicht dazu verpflichtet war, uns diese Möglichkeit zu geben, würde es jetzt, nachdem Christus die Kirche gegründet hat, nur schwer mit Gottes Güte und Gerechtigkeit vereinbar sein, wenn intelligente Außerirdische grundsätzlich von dieser zusätzlichen Heilsmöglichkeit ausgeschlossen wären. In letzter Konsequenz will Gott nicht die Verurteilung, sondern die Rettung des Sünders.

  • Die Gläubigen auf Erden können durch die im Gnadenstand verrichteten guten Werke füreinander Gaben von Gott de congruo verdienen (Sent. prob., S. 443)
  • Die Gläubigen auf Erden können durch die im Gnadenstand verrichteten Bußwerke füreinander Genugtuung leisten (Sent. certa, S. 443).
     

Diese Lehrsätze setzen implizit voraus, dass es nur auf der Erde Gläubige gibt.

  • Gott kann die Gnade auch ohne die Sakramente mitteilen (Sent. certa, S. 471)
  • Die Wassertaufe kann im Notfall durch die Begierdetaufe und die Bluttaufe ersetzt werden (Sent. fid. prox., S. 490)
     

Diese Aufstellung der dogmatischen Lehrsätze, die durch die Existenz vernünftiger Außerirdischer betroffen wären, soll vollständig und nicht durch selektive Auswahl manipulativ werden. Aufgrund dieser beiden Lehrsätze ließe sich argumentieren, dass Gott für Außerirdische andere Wege zum Heil gefunden hat als für uns Menschen. Im Kontext der gesamten anderen Lehrsätze sowie unter Berücksichtigung der  ursprünglichen Intention  der beiden letztgenannten Sätze, die sich auf die Menschen der Erde richtet, werden jedoch die großen Konflikte zwischen allen genannten dogmatischen Lehrsätzen und der Existenz Außerirdischer im wesentlichen kaum verringert bestehen bleiben.

Abschließend eine kurze Erörterung, ob die außerirdische Existenz mikrobiellen Lebens  Schwierigkeiten  für die katholische Religion bedeuten würde. Dabei sind 2 Fälle zu unterscheiden: 1. Mikrobielles Leben innerhalb unseres Planetensystems und 2. mikrobielles Leben außerhalb unseres Planetensystems.

Im 1. Falle ließe sich mit großer Wahrscheinlichkeit argumentieren, dass beispielsweise Bakterien auf dem Mars oder in den Ozeanen des Jupitermondes Europa von der Erde dorthin gelangt sind. Mikroben können grundsätzlich Reisen durch die Kälte und Atmosphärenlosigkeit des Alls überstehen und etwa bei Meteoriteneinschlägen mit Felsbrocken von der Erde in den Raum geschleudert sein und später an den entsprechenden Orten unseres Planetensystems Fuß gefasst haben. Solche Reisen sind grundsätzlich möglich; so verkündigte im Jahre 1996 kein geringerer als der US-Präsident in persona, ein Team von NASA- Wissenschaftlern habe auf dem 1984 in den Eisfeldern der Arktis gefundenen vom Mars stammenden Meteoriten ALH84001 (in diesem Falle allerdings nur fossilierte) Kleinstbakterien gefunden. Auch wenn sich die Sensationsmeldung im Nachhinein als Flop erwies mehr, zeigt sie doch die grundsätzliche Möglichkeit der „Verfrachtung“ von Trägern mikrobiellen Lebens innerhalb des Sonnensystems. Die NASA unternimmt große Anstrengungen, Raumfahrzeuge die auf anderen Objekten innerhalb des Sonnensystems landen sollen, zu sterilisieren, um nicht spätere Forschungen über das dortige Vorhandensein von Leben zu beeinträchtigen.

Die Apollo-Astronauten fanden auf ihren Mondmissionen noch lebensfähige irdische Mikroorganismen auf Gerätschaften, die bei vorherigen Missionen Jahre früher auf dem Mond zurückgelassen wurden.

Im 2. Falle ist zu berücksichtigen, dass nach dem  hier gesagten eine „von selbst“-Entstehung auch nur mikrobieller und nach dem Inhalt des größten Teils dieses Buches die Existenz komplexer Lebewesen im Weltall außerhalb der Erde grundsätzlich unmöglich erscheint.

Möglicherweise wäre aber auch die Existenz direkt von Gott geschaffenen mikrobiellen Lebens außerhalb unseres Sonnensystems mit der katholischen Religion vereinbar:

  • Gott ist im geschaffenen Raum überall gegenwärtig (De fide S. 72)
  • Die Welt wurde zu Verherrlichung Gottes erschaffen (De fide, S. 135).
     

Mikrobielles Leben ist durch seine wortwörtliche Allgegenwart auf der Erde das beste denkbare Abbild der Allgegenwart des lebendigen Gottes: Es gibt fast keinen Ort unter 200 °C Temperatur, an dem diese nicht gefunden würden, bis in die tiefsten Tiefen der Ozeane, des arktischen Eises und kilometertief in unterirdischen Gesteinsschichten. Ihre Biomasse übertrifft die des übrigen (komplexen) Lebens. Von diesem Standpunkt aus wäre die Existenz mikrobiellen Lebens außerhalb unseres Sonnensystems nur ein weiterer „Anzeiger“ dieser göttlichen Allgegenwart (und theoretisch könnte Gott einen weiteren Planeten geschaffen haben, der zwar keine intelligenten Außerirdischen, aber auf dem nichtintelligentes komplexes Leben mit geschaffen wurde – aber da die gesamte Hauptaussage der entsprechenden Seiten dieser Webseite ist, dass komplexes Leben nur auf der Erde möglich ist, überlassen wir diese Erörterung den Theologen).

Dagegen spricht, dass die gesamte lebende Schöpfung nach dem Bericht der Genesis auf den Menschen hingeordnet ist, was sich z.B. in der Namensgebung aller Geschöpfe durch Adam ausdrückt. Mikrobielles Leben in anderen Sonnensystemen würde aus diesem Zusammenhang herausfallen. Daher erscheint uns die letztere Ansicht als die theologisch wahrscheinlichere, überlassen aber das endgültige Urteil entsprechenden Fachtheologen bzw. dem Lehramt der Kirche.